Albrecht, Ferdinand
* 3.9.1851 Hargelsdorf, Oberösterreich/A, † 27.3.1903 Ebelsberg (heute Stadtteil von Linz, Oberösterreich/A). Lehrer und Musiker.
Nach der Ausbildung an der k. k. Lehrerbildungsanstalt in Linz wurde er 1873 zunächst Unterlehrer in Kirchberg bei Kremsmünster, 1876 Unterlehrer an der Volksschule in Ansfelden, deren Schulleiter sein Vater Alois Albrecht (1803–1876) seit 1863 war. Nach dem Tod des Vaters übernahm Ferdinand Albrecht für 26 Jahre die Leitung der Schule (erst 1879 Ernennung zum Lehrer, 1899 zum Oberlehrer). 1901 trat er die Stellung als Oberlehrer in Ebelsberg an, wo er im März 1903 nach längerer Krankheit verstarb.
Wie sein Vater, der am Aufbau der Blasmusikapelle in Ansfelden mitgewirkt und 1868 den örtlichen Musikverein gegründet hatte, beteiligte sich F. Albrecht rege am lokalen Musikleben. Die ihm als Musiker und Komponist allgemeinhin entgegengebrachte Wertschätzung ist u. a. aus dem Bericht zu seinem Begräbnis in der Linzer Tages-Post ersichtlich, dort heißt es: „Unerreicht stand derselbe jedoch als Musiker da; wer ihn je auf der Orgel präludieren hörte, wer seinem seelenvollen Violinspiele lauschen konnte, wer je den zaubervollen Klang seiner mächtigen Baritonstimme vernahm, der erkannte in ihm einen gottbegnadeten Musiker und Sänger. Und wie viele und welch herrliche Kompositionen kirchlichen und weltlichen Inhalts verdanken wir ihm und nicht in letzter Linie verehren hunderte seiner einstigen Schüler, seine Freunde und Bekannten in ihm den Dichter echter volkstümlicher Gesänge.“ (2.4.1903, S. 8). Als Unterlehrer in Kirchberg war er Mitglied des Kremsmünsterer Männergesangvereins „Harmonie“, später in Ebelsberg Chormeister des Sängerbundes Ebelsberg-Kleinmünchen und Kapellmeister der Musik der Feuerwehr Ebelsberg. Während seiner langen Wirkungszeit in Ansfelden leitete er dort den Kirchenchor und die Musikkapelle und versah den Organistendienst.
Laut einem Bericht der Tochter F. Albrechts, Friederike Heiser (1894–nach 1982), pflegte Bruckner mit ihren Eltern einen freundschaftlichen Umgang und stattete der Familie noch in seinen letzten Lebensjahren gelegentlich Besuche ab. Wann Bruckner die Bekanntschaft F. Albrechts machte, lässt sich nicht genau sagen, es muss jedoch spätestens Anfang der 1880er Jahre gewesen sein. Vom 21.6.1882 und vom 29.10.1892 datieren zwei Zeugnisse Bruckners für F. Albrecht, in denen er dessen Fähigkeiten als Musiker und Komponist sehr wohlwollend bestätigte; so lobte er ihn in ersterem als „ausgezeichneten Organisten und Sänger mit einer herrlichen Baritonstimme“ und mehrere ihm bekannte Kompositionen desselben als „Tonstücke von großem musikalischen Werthe“ (Keller, S. 55); im Zeugnis von 1892 heißt es, jener nehme „als Tonkünstler einen bedeutenden Rang ein; sowohl als Organist, als Sänger, als auch als Künstler auf den Streich- und Blasinstrumenten; ja selbst als Componist hat sich dessen Talent recht vorteilhaft hervorgethan.“ (Keller, S. 54). Am 12.6.1880 hatte schon Ignaz Traumihler F. Albrecht ein ähnliches Zeugnis ausgestellt.
Werke
- 2 Ave Maria
- mehrere deutsche marianische Gesänge
- Ecce sacerdos magnus in C-Dur
- So gib’ denn fromme Christenschar in Es-Dur
- Te Deum in C-Dur
- Männerquartett (Text von B. Rehl, komponiert vor dem 21.12.1875)
- Ritzlhofer Marsch (komponiert vor dem 21.6.1891)
- Idylle (Baßhornsolo, komponiert vor dem 21.6.1891)
Literatur
- Linzer Volksblatt 6.11.1873, S. 2
- [Linzer] Tages-Post 23.12.1875, S. 2
- [Linzer] Tages-Post 16.5.1876, S. 2
- Linzer Volksblatt 26.9.1877, S. 3
- Fahnenweihe in Ansfelden, in: [Linzer] Tages-Post 15.12.1878, S. 3f.
- Linzer Volksblatt 15.12.1878, S. 2
- Linzer Volksblatt 18.3.1879, S. 2
- Linzer Volksblatt 10.5.1879, S. 2f.
- [Linzer] Tages-Post 21.8.1889, S. 5
- [Linzer] Tages-Post 27.6.1891, S. 3
- [Linzer] Tages-Post 25.8.1893, S. 4
- [Linzer] Tages-Post 17.7.1898, S. 6
- Linzer Volksblatt 17.7.1898, S. 5
- [Linzer] Tages-Post 23.6.1899, S. 4
- Linzer Volksblatt 24.6.1899, S. 3
- Linzer Volksblatt 8.8.1899, S. 3
- [Linzer] Tages-Post 9.8.1899, S. 3
- [Linzer] Tages-Post 27.6.1901, S. 4
- Linzer Volksblatt 27.6.1901, S. 5
- Linzer Volksblatt 22.8.1901, S. 3
- Linzer Volksblatt 8.2.1902, S. 4
- Linzer Volksblatt 7.5.1902, S. 3f.
- [Linzer] Tages-Post 2.4.1903, S. 8
- [Linzer] Tages-Post 5.4.1903, S. 20
- Linzer Volksblatt 9.5.1903, S. 4
- Rolf Keller, Anton Bruckner und die Familie Albrecht, in: Bruckner-JahrbuchBruckner-Jahrbuch. (Wechselnde Herausgeber). Linz 1980ff. 1984/85/86, S. 53–56
- Bruckner-Handbuch 1996Uwe Harten (Hg.), Anton Bruckner. Ein Handbuch. Salzburg–Wien 1996
- www.rism.info/ [21.1.2019]
- Sterbebuch–Duplikat 1903 der Pfarre Ebelsberg (Linz), pag. 62