Baumgartner, Rudolf


* 14.9.1917 Zürich, Zürich/CH, † 22.3.2002 Siena/I. Violinist, Dirigent, Pädagoge.

Erhielt 1936–1950 seine musikalische Ausbildung (Violine und Musiktheorie) am Konservatorium Zürich u. a. bei Stefi Geyer (1888–1956), weitere Violin-Studien bei Carl Flesch (1873–1944) und Wolfgang Schneiderhan (1915–2002). Ab 1938 trat er als Solist im In- und Ausland auf. Er war Mitglied bei mehrerer Kammermusikensembles, u. a. des Stefi-Geyer-Quartetts (1941–1945), Zürcher Kammertrios (1943–1952) und des Zürcher Streichtrios (1945–1954). Gemeinsam mit Schneiderhan gründete er 1956 das Kammerorchester Festival Strings Lucerne, dessen Leitung er bis 1998 innehatte. Das Ensemble unternahm unter der Leitung Baumgartners mehrere Auslandstourneen, weiterhin entstanden viele Schallplatteneinspielungen für die Deutsche Grammophon. In Österreich trat das Ensemble unter Baumgartners Leitung regelmäßig bei den Salzburger Festspielen (1957–1987) und im Wiener Musikverein (1958–1997) auf. 1954–1998 unterrichtete er Violine am Konservatorium Luzern, welches er 1960–1987 leitete. 1970–1980 war er künstlerischer Direktor der Internationalen Musikfestwochen Luzern (heute Lucerne Festival). Baumgartner erhielt mehrere Auszeichnungen, u. a. wurde er 1992 zum Ehrenbürger von Luzern ernannt.

Wie und vor allem wann Baumgartner mit der Musik Bruckners in Kontakt kam, lässt sich bisher nicht genau eruieren. Bei einem ausgebildeten Violinisten wie Baumgartner ist jedoch anzunehmen, dass Bruckners kammermusikalische Werke zum festen Repertoire in den von Baumgartner geführten Quartetten zählten. Möglicherweise als eine Auftragskomposition fertigte Baumgartner ca. 1982 eine Einrichtung des Streichquintetts in F-Dur für Streichorchester an. Der kompositorische Eigenanteil der Einrichtung beschränkt sich dabei auf eine hinzugefügte Kontrabass-Stimme, die überwiegend colla parte zur bereits vorhandenen Violoncello-Stimme geführt wird. Als Grundlage für seine Einrichtung diente Baumgartner die von Leopold Nowak vorgelegte Edition des Werkes im Rahmen der Gesamtausgabe. Baumgartner verzichtete jedoch auf das zugehörige Intermezzo und wählte im Finalsatz die Schlussversion des Erstdrucks. Die Einrichtung zeichnet sich außerdem durch vielfache Wechsel zwischen solo- und tutti-Passagen aus, sodass orchestraler Klangkörper und Soloinstrumente bewusst gegeneinander kontrastiert werden. Im Rahmen des in unregelmäßigen Abständen stattfindenden Festivals Strings Lucerne wurde das Adagio zunächst chorisch am 22.8.1982 und vollständig am 19.8.1983 im Kunsthaus Luzern sowie anschließend am 11.4.1988 im Großen Saal des Musikvereins in Wien jeweils unter Baumgartners Leitung aufgeführt. Weitere Aufführungen des Adagios folgten am 15.2.1990 im Rahmen des Festival Strings in Zürich, am 31.8.1997 wiederum beim Festival Strings in Luzern und am 20.6.2006 durch das Orchestra Santa Maria Emmenbrücke zusammen mit Dieter Lange (* 1958) in Luzern. Baumgartners Nachlass befindet sich in der Zentral- und Hochschulbibliothek Luzern, hingegen wird die Partitur der Einrichtung aktuell im Notenarchiv des Lucerne Festival aufbewahrt.

Literatur

CLEMENS GUBSCH, KAROLINE HOCHSTÖGER

Zuletzt inhaltlich bearbeitet: 27.7.2021

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Normdaten (GND)

Baumgartner, Rudolf: 12457873X

Links

ACDH, Abteilung Musikwissenschaft