Fantasien (WAB 215/1‑4)

Bruckner komponierte die vier Fantasien im Kitzler-Studienbuch (S. 213–218), die er mit römischen Ziffern durchnummierte, knapp nach Der Trompeter an der Katzbach und vor den Instrumentierungsübungen in den Tagen vom 22.–25.8.1862.

Fantasie in d‑Moll (WAB 215/1)

Kompositionsübung für Klavier, „Schnell“

EZ: vollendet 25.8.1862 in Linz
Aut.: ÖNB‑MS (Mus.Hs.44706, Kitzler-Studienbuch)
ED: s. NGAAnton Bruckner. Sämtliche Werke. Kritische Gesamtausgabe. Hg. v. der Generaldirektion der Österreichischen Nationalbibliothek und der Internationalen Bruckner-Gesellschaft. Wien 1951ff. (Editionsleitung: Leopold Nowak, auch als Neue Gesamtausgabe bezeichnet)
NGA: Band XXV (Paul Hawkshaw/Erich Wolfgang Partsch, 2014; Faksimile)

Die Fantasie in d‑Moll, im Alla breve-Takt, überschrieb Bruckner mit „I. Fantasie in kleinen Formen anreihender Perioden“. Sie besteht aus einer achttaktigen zu wiederholenden Periode (1. Teil), an die ein 28 Takte umfassender 2. Teil und danach von Bruckner als „Anhang“ bezeichnete zehn Takte anschließen. Unterhalb der Komposition notierte er seine Fragen: „? Die Lieder ohne Worte z B v. Mendelssohn haben meistens Liedform / „? Durchführungsperiode?“ / NB Zuweilen auch Schlußperiode u Anhang. / mit Anhang 2 o[der] 3 theilig?“.

Fantasie in c‑Moll (WAB 215/2)

Kompositionsübung für Klavier, „Langsam“

EZ: vollendet 25.8.1862 in Linz
Aut.: ÖNB‑MS (Mus.Hs.44706, Kitzler-Studienbuch)
ED: s. NGAAnton Bruckner. Sämtliche Werke. Kritische Gesamtausgabe. Hg. v. der Generaldirektion der Österreichischen Nationalbibliothek und der Internationalen Bruckner-Gesellschaft. Wien 1951ff. (Editionsleitung: Leopold Nowak, auch als Neue Gesamtausgabe bezeichnet)
NGA: Band XXV (Paul Hawkshaw/Erich Wolfgang Partsch, 2014; Faksimile)

Die „II. Fantasie für Piano forte“, im 4/4‑Takt, durchmisst zunächst mit pathetisch-heroischem Gestus in punktierten Noten einen Ambitus von mehr als vier Oktaven (C–es‘‘‘) (T. 1–12). An den neuntaktigen 2. Teil, ebenfalls durch Punktierte bestimmt, die zunächst akkordisch gebracht und dann durch Sechzehntelsextolen begleitet werden, notierte Bruckner ein Dal Segno al Fine.

Fantasie in Es‑Dur (WAB 215/3)

Kompositionsübung für Klavier

EZ: vollendet 25.8.1862 in Linz
Aut.: ÖNB‑MS (Mus.Hs.44706, Kitzler-Studienbuch)
ED: s. NGAAnton Bruckner. Sämtliche Werke. Kritische Gesamtausgabe. Hg. v. der Generaldirektion der Österreichischen Nationalbibliothek und der Internationalen Bruckner-Gesellschaft. Wien 1951ff. (Editionsleitung: Leopold Nowak, auch als Neue Gesamtausgabe bezeichnet)
NGA: Band XXV (Paul Hawkshaw/Erich Wolfgang Partsch, 2014; Faksimile)

Die Fantasie in Es‑Dur („III.“), von Bruckner mit dem Vermerk „(Chor / Rythmus)“ versehen, ist im 4/4‑Takt geschrieben und weist einen kompakten Satz in Akkordtriolen (meist in beiden Händen gleichzeitig) auf. Hier gibt es keine durch Wiederholungszeichen oder den Vermerk „Fine“ angemerkte Binnengliederung, jedoch weist T. 9 eine Zäsur durch eine deutliche Kadenz auf. Die folgenden acht Takte wirken durch die regelmäßige Begleitung in Achteltriolen etwas transparenter. T. 2–6 sind hierauf zu wiederholen, fünf Schlusstakte runden das Stück ab.

Fantasie in F‑Dur (WAB 215/4)

Kompositionsübung für Klavier, „Nicht zu langsam“

EZ: vollendet 25.8.1862 in Linz
Aut.: ÖNB‑MS (Mus.Hs.44706, Kitzler-Studienbuch)
ED: s. NGAAnton Bruckner. Sämtliche Werke. Kritische Gesamtausgabe. Hg. v. der Generaldirektion der Österreichischen Nationalbibliothek und der Internationalen Bruckner-Gesellschaft. Wien 1951ff. (Editionsleitung: Leopold Nowak, auch als Neue Gesamtausgabe bezeichnet)
NGA: Band XXV (Paul Hawkshaw/Erich Wolfgang Partsch, 2014; Faksimile)

Die Fantasie in F‑Dur („IV.“) ist dreiteilig (8+10+8 Takte im Sinne einer A‑B‑A-Form) und die unter den vier Fantasien am meisten ausgereifte, sowohl was die Stimmführung (streckenweise Zweistimmigkeit der rechten Hand) und die melodische Erfindung als auch die häufigen Vortrags- und Pedalangaben betrifft. Dieser Umstand dürfte Bruckner auch ein Lob seines Lehrers Otto Kitzler eingetragen haben, denn am linken Seitenrand findet sich (von wessen Hand?) der Bleistiftvermerk „gut.“.

Direkt anschließend an die Komposition der Fantasie in F‑Dur, bereits am 26.10.1862, versuche sich Bruckner an Instrumentationen derselben für Flöte, Oboe, Klarinette und Klavier (Kitzler-Studienbuch, S. 218, Z. 5,–S. 221) und für Oboe, zwei Klarinetten und Klavier (S. 222f.) sowie, vermutlich an einem weiteren Tag, für zwei Flöten, zwei Oboen, zwei Klarinetten in B und Bass (S. 224).

Literatur

PAUL HAWKSHAW, ELISABETH MAIER

Zuletzt inhaltlich bearbeitet: 12.6.2017

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