Rondo für Klavier in G-Dur (WAB 222/5)
Kompositionsübung für Klavier
| EZ: | Frühjahr 1862 in Linz |
| Aut.: | ÖNB‑MS (Mus.Hs.44706, Kitzler-Studienbuch) |
| ED: | s. NGAAnton Bruckner. Sämtliche Werke. Kritische Gesamtausgabe. Hg. v. der Generaldirektion der Österreichischen Nationalbibliothek und der Internationalen Bruckner-Gesellschaft. Wien 1951ff. (Editionsleitung: Leopold Nowak, auch als Neue Gesamtausgabe bezeichnet) |
| NGA: | Band XXV (Paul Hawkshaw/Erich Wolfgang Partsch, 2014; Faksimile) |
Auf S. 122–126 (2. System) des Kitzler-Studienbuchs versuchte sich Bruckner an einer erweiterten Rondoform im 6/8‑Takt. Dazu notierte er oben auf S. 122: „a Themagruppe – 2 o[der] 3 theilige Liedform / b Übergangsgruppe / c Gesangsgruppe in Dom[inante]. / d Übergangsgruppe / e Wiederholungs [sic] der Themagruppe / f “ Gesangsgruppe in Tonica“. Nach einer ersten verworfenen (durchgestrichenen) Skizzierung der „Themagruppe“ setzte Bruckner diesen Bauplan um. Die Komposition weist im Wesentlichen den Aufbau eines Sonatenrondos auf.
Auf die 16-taktige „Themagruppe“ in zweiteiliger Liedform (A-Teil) und eine kurze „Übergangsgruppe“ folgt die „Gesangsgruppe“ (B-Teil) in D‑Dur. Fünf Takte vor dem Ende der „Gesangsgruppe“ ist ein Einfügungszeichen notiert, dass auf die auf S. 136 notierte 18‑taktige „Durchführungsgruppe“ (C-Teil), die Material aus der „Themagruppe“ verarbeitet, verweist. Aller Wahrscheinlichkeit nach soll die „Durchführungsgruppe“ aber erst nach der „Gesangsgruppe“ eingefügt werden (dafür spricht, dass Bruckner am Ende der „Durchführungsgruppe“ noch einige Anfangsnoten der „Themagruppe“ notierte).
Die „Durchführungsgruppe“ (C) kann analog als Durchführung einer Sonatenhauptsatzform interpretiert werden, der vorangehende Teil der Komposition (AB) als Exposition. Der restliche Teil der Komposition entspricht einer Reprise (A‘B‘A‘‘)mit Coda: An die „Durchführungsgruppe“ schließen sich Variationen der „Themagruppe“ und der „Gesangsgruppe“ sowie eine weitere Variation der „Themagruppe“ und abschließend ein 9-taktiger „Anhang“ an.
Bruckner experimentierte hier mit der Form des klassischen Sonatenrondos, indem er die „Durchführungsgruppe“ mit der Doppelfunktion der nach der „Gesangsgruppe“ variiert wiederkehrenden „Themagruppe“ und der Durchführung ausstattete.
Zur zweiten Variation der „Themagruppe“ vermerkte Bruckner den Hinweis Otto Kitzlers: „Die letzte Themagruppe ist nicht Variation; für ein Rondo zu viel varirt.“ (S. 125 unten).