Märsche für Klavier (WAB 217/1-3)
Im Kitzler-Studienbuch notierte Bruckner im Abschnitt mit Studien zur zwei- und dreiteiligen Liedform zur Trioform u. a. drei Märsche.
Marsch für Klavier in C‑Dur (WAB 217/1)
Kompositionsübung für Klavier
| EZ: | Frühjahr 1862 in Linz |
| Aut.: | ÖNB‑MS (Mus.Hs.44706, Kitzler-Studienbuch) |
| ED: | s. NGAAnton Bruckner. Sämtliche Werke. Kritische Gesamtausgabe. Hg. v. der Generaldirektion der Österreichischen Nationalbibliothek und der Internationalen Bruckner-Gesellschaft. Wien 1951ff. (Editionsleitung: Leopold Nowak, auch als Neue Gesamtausgabe bezeichnet) |
| NGA: | Band XXV (Paul Hawkshaw/Erich Wolfgang Partsch, 2014; Faksimile) |
Dieser Marsch im 4/4‑Takt befindet sich im Kitzler-Studienbuch auf S. 36 und ist überschrieben mit „Marsch Cdur“. Der Marsch wie das zugehörige Trio in F‑Dur bestehen jeweils aus zwei achttaktigen, zu wiederholenden Perioden.
Sowohl die auf der Dominante schließende 1. wie die 2. Periode des Marsches sind von überwiegend in Sekundschritten voranschreitenden Melodien geprägt und insgesamt abwechslungsreicher und durch den Einsatz von Punktierungen bewegter gestaltet als das Trio. Die Perioden des Trios weisen eine einfache Harmonik auf und schließen beide auf der Tonika f; die linke Hand spielt regelmäßige Akkorde auf den Vierteln, in der rechten Hand werden mehrere Motive sequenziert.
Marsch für Klavier in F‑Dur (WAB 217/3)
Kompositionsübung für Klavier
| EZ: | Frühjahr 1862 in Linz |
| Aut.: | ÖNB‑MS (Mus.Hs.44706, Kitzler-Studienbuch) |
| ED: | s. NGAAnton Bruckner. Sämtliche Werke. Kritische Gesamtausgabe. Hg. v. der Generaldirektion der Österreichischen Nationalbibliothek und der Internationalen Bruckner-Gesellschaft. Wien 1951ff. (Editionsleitung: Leopold Nowak, auch als Neue Gesamtausgabe bezeichnet) |
| NGA: | Band XXV (Paul Hawkshaw/Erich Wolfgang Partsch, 2014; Faksimile) |
Dieser Marsch im 4/4‑Takt befindet sich im Kitzler-Studienbuch auf S. 41 und ist überschrieben mit „Marsch (3 theilig 1ter Satz.)“, das zugehörige Trio in B‑Dur mit „Trio 2 theilig“. Der Marsch in dreiteiliger Liedform und das Trio in zweiteiliger Liedform sind in regelmäßigen, achttaktigen Perioden gebaut. Der auf S. 251f. des Studienbuchs notierte Marsch für Orchester in d‑Moll weist dieselbe formale Anlage auf.
Die 2. Periode des Marsches überschrieb Bruckner mit „frei in verwandte Molltonart“. Sowohl die 2. wie die danach wiederkehrende 1. Periode sind, vergleichbar dem Marsch für Klavier in C‑Dur, von überwiegend in Sekundschritten voranschreitenden Melodien geprägt.
Literatur
- Paul Hawkshaw, A Composer Learns his Craft: Anton Bruckner‘s Lessons in Form and Orchestration, 1861–63, in: The Musical Quarterly 82 (1998) H. 2, S. 336–361
- NGAAnton Bruckner. Sämtliche Werke. Kritische Gesamtausgabe. Hg. v. der Generaldirektion der Österreichischen Nationalbibliothek und der Internationalen Bruckner-Gesellschaft. Wien 1951ff. (Editionsleitung: Leopold Nowak, auch als Neue Gesamtausgabe bezeichnet) XXV, S. VII–XII
MIRJAM KLUGER
Marsch für Klavier in d‑Moll (WAB 217/2)
Kompositionsübung für Klavier
| EZ: | Frühjahr 1862 in Linz |
| Aut.: | ÖNB‑MS (Mus.Hs.44706, Kitzler-Studienbuch) |
| ED: | s. NGAAnton Bruckner. Sämtliche Werke. Kritische Gesamtausgabe. Hg. v. der Generaldirektion der Österreichischen Nationalbibliothek und der Internationalen Bruckner-Gesellschaft. Wien 1951ff. (Editionsleitung: Leopold Nowak, auch als Neue Gesamtausgabe bezeichnet) |
| NGA: | Band XXV (Paul Hawkshaw/Erich Wolfgang Partsch, 2014; Faksimile) |
Der Marsch befindet sich im Kitzler-Studienbuch auf S. 37 und besteht aus zwei jeweils zu wiederholenden Perioden mit acht Takten. Die Harmonik ist farbig, die Grundhaltung fast „opernhaft“; das zugehörige Trio in D‑Dur – wieder aus zwei jeweils zu wiederholenden achttaktigen Perioden – weist eine melodische Oberstimme mit weicher, wiegender Begleitung auf.
Der Marsch hat keine Ähnlichkeit mit dem im selben Jahr entstandenen Marsch für Orchester in d‑Moll.
Literatur
- Otto Kitzler, Musikalische Erinnerungen mit Briefen von Wagner, Brahms, Bruckner und Richard Pohl. Brünn 1904, S. 28–34
- Paul Hawkshaw, Das Kitzler-Studienbuch: ein unschätzbares Dokument zu Bruckners Arbeitsweise, in: Bruckner‑Symposion 1995Othmar Wessely u. a. (Hg.), Bruckner-Symposion. Zum Schaffensprozeß in den Künsten. Im Rahmen des Internationalen Brucknerfestes Linz 1995. 20.–24. September 1995. Bericht. Linz 1997, S. 95–109
- Paul Hawkshaw, A Composer Learns his Craft: Anton Bruckner‘s Lessons in Form and Orchestration, 1861–63, in: The Musical Quarterly 82 (1998) H. 2, S. 336–361
PAUL HAWKSHAW, ELISABETH MAIER