Steiner, Rudolf (Joseph Lorenz)
* 27.2.1861 (nach eigenen, jedoch ungesicherten Angaben 25.2.) Kraljevec/Kroatien und Slawonien (Donji Kraljevec/HR), † 30.3.1925 Dornach/CH. Publizist, Philosoph, Anthroposoph.
Nach dem Besuch der Landesoberrealschule in Wiener Neustadt studierte Steiner 1879–1883 an der Technischen Hochschule in Wien und besuchte im Studienjahr 1879/80 die Vorlesungen Bruckners an der Universität Wien über Harmonielehre und Kontrapunkt.
Im von Künstlern und Intellektuellen gerne aufgesuchten Café Griensteidl am Michaelerplatz traf Steiner in den späten 1880er Jahren mit Friedrich Eckstein zusammen, der ihn nach eigenen Angaben mit der Theosophie, einer von Helena Petrovna Blavatsky (1831–1891) begründeten Geheimlehre, bekannt machte: „Damit begann mein regelmäßiger Verkehr mit ihm, der viele Jahre währte und ihn schließlich, nach langen Wandlungen und Zwischenfällen, allmählich zur Ausgestaltung seines eigenen ‚anthroposophischen‘ Systems hinführte“ (Eckstein, S. 131).
1882–1890 war Steiner Hauslehrer bei einer Kaufmannsfamilie in Wien, wurde mit der Edition der naturwissenschaftlichen Schriften Johann Wolfgang von Goethes (1749–1832) beauftragt, übernahm 1888 die Redaktion der Wiener Deutschen Wochenschrift und arbeitete 1890–1897 am Goethe- und Schiller-Archiv in Weimar. Anschließend wirkte Steiner in Berlin als Herausgeber des Magazins für Litteratur und der Dramaturgischen Blätter. Daneben war er Generalsekretär der deutschen Sektion der Theosophischen Gesellschaft, gründete nach Differenzen jedoch 1913 seine Anthroposophische Gesellschaft (Anthroposophie).
Den Höhepunkt von Steiners Wirken stellt der Bau des Goetheanums in Dornach dar, das 1922 allerdings durch Brandstiftung zerstört wurde. 1923/24 gründete Steiner die Allgemeine Anthroposophische Gesellschaft, in die das wieder aufgebaute Goetheanum als Freie Hochschule für Geisteswissenschaften eingegliedert wurde. Aus Steiners anthroposophischer Lehre sind die Waldorf-Pädagogik, die Eurhythmie, die biologisch-dynamische Landwirtschaft „Demeter“, die anthroposophische Medizin, die „Christengemeinschaft“ u. v. a. m. erwachsen.
Schriften
- Friedrich Nietzsche. Ein Kämpfer gegen seine Zeit. Weimar 1895
- Goethes Weltanschauung. Weimar 1897
- Das Christentum als mystische Thatsache. Berlin 1902
- Die Hüter der Schwelle. Seelenvorgänge in scenischen Bildern. Berlin 1912
- Was soll die Geisteswissenschaft und wie wird sie von ihren Gegnern behandelt? Berlin 1914
- Die Kernpunkte der sozialen Frage in den Lebensnotwendigkeiten der Gegenwart und Zukunft. Dornach 1920
- Praktische Ausbildung des Denkens. Stuttgart 1922
- Wie Karma wirkt. Berlin 1922
- Mein Lebensgang. Dornach 1925
- Anthroposophischer Seelenkalender. Dornach 1925
- Rudolf Steiner-Gesamtausgabe. Dornach 1955ff.
Literatur
- Friedrich Eckstein, „Alte unnennbare Tage“. Erinnerungen aus siebzig Lehr- und Wanderjahren. Wien 1988, bes. S. 103–133
- Johannes Hemleben, Rudolf Steiner mit Selbstzeugnissen und Bilddokumenten (Rowohlts Monografien 79). Reinbek/Hamburg 1963
- Gabi Vettermann, Art. „Steiner, Rudolf“, in: MGG²Ludwig Finscher (Hg.), Die Musik in Geschichte und Gegenwart. Allgemeine Enzyklopädie der Musik. 29 Bde. (Sach- und Personenteil). 2. neubearb. Ausgabe. Kassel u. a. 1994–2008 15 (2006), Sp. 1398f.
- R. Schmidt, Art. „Steiner, Rudolf Joseph Lorenz“, in: www.biographien.ac.at [4.6.2019]
- Helmut Zander, Art. „Steiner, Rudolf Joseph Lorenz (Pseudonym K. Tinter)“, in: www.deutsche-biographie.de [4.6.2019]
- www.anthroposophie.or.at/anthroposophie/rudolf-steiner/ [4.6.2019]
- www.goetheanum.org/ [4.6.2019]
- www.waldorf.at/paedagogik/rudolf-steiner [4.6.2019]
- http://rudolfsteinerseminar.at/ [4.6.2019]
- www.steinerverlag.com/ch/ [4.6.2019]