Eckstein, Friedrich

* 17.2.1861 Perchtoldsdorf, Niederösterreich/A, † 10.11.1939 Wien/A. Philosoph, Literat, Theosoph, Mäzen, Industrieller.

1881 gemeinsam mit seiner Mutter Besitzer der 1860 von seinem Vater gegründeten, später verkauften Pergamentpapierfabrik, der ersten in Österreich. Von seinen Zeitgenossen als „Polyhistor“, „großer Gelehrter, gründlicher Kenner der Philosophie und höheren Mathematik, der Astronomie und Chemie, Mystiker und Musikliebhaber“, kurz „Allwissender“ (Schönherr, S. 165) mit beeindruckender Bibliothek gewürdigt, wurde sein Urteil von Vertretern der verschiedensten Wissenschaften und Künste gesucht. Befreundet u. a. mit dem Anthroposophen Rudolf Steiner (Anthroposophie) und dem Psychoanalytiker Sigmund Freud (1856–1939). Er verfasste Feuilletonbeiträge für das Neue Wiener Tagblatt und die Neue Freie Presse. 1898–1909 war er verheiratet mit Bertha Helene, geb. Diener (1874–1948), als Schriftstellerin unter dem Namen Sir Galahad, Ahasvera bzw. Helen Diner bekannt geworden. Beider Sohn Percy Eckstein (1899–1962) wurde Journalist, Schriftsteller und Übersetzer; er lebte seit 1940 in Italien.

Eckstein lernte Bruckner im Herbst 1879 durch einen befreundeten Kapellmeister kennen. Ab dem Frühjahr 1881 näher mit ihm bekannt, entwickelte sich ein regelmäßiger, vertrauter Umgang mit Bruckner, später auch mit Hugo Wolf. Ein angeblicher Besuch von Bruckners Vorlesungen an der Universität Wien ist nicht nachweisbar. 1882 traf Eckstein anlässlich der Parsifal-Uraufführung Bruckner in Bayreuth zusammen mit Josef Schalk, August Göllerich, Wilhelm Tappert, August Stradal u. a. Nach Richard Wagners Tod 1883 hatte Bruckner beabsichtigt, mit Eckstein zur Beerdigung nach Bayreuth zu fahren, erkrankte aber am Tag der geplanten Abreise. 1884 wurde der sich für so gut wie alle Wissensgebiete interessierende, mit vielen Wissenschaftlern und Künstlern freundschaftlich verkehrende Eckstein Privatschüler Bruckners, mit dem er kurz darauf – gemeinsam mit Carl Hruby, Cyrill Hynais und Franz Marschner – am Begräbnis Hans Rotts teilnahm. Der von Bruckner „Samiel“ (auch „Sami“; Spitznamen) genannte Eckstein unterstützte ihn ideell, „praktisch“ (in der „Nebenrolle seines freiwilligen Privatsekretärs“, Alte unnennbare Tage 1936, S. 138, 140; Kopist), aber auch finanziell, indem er u. a. den größten Teil der Druckkosten für das bei Rättig (Verlage) erschienene Te Deum bezahlte. Im März 1885 begleitete er Bruckner nach München zu der erfolgreichen, internationalen Anerkennung des Komponisten beitragenden Aufführung der Siebenten Symphonie wie auch in das Atelier des Malers Hermann Kaulbach (IKO 19, Ikonografie). Zur Erinnerung an die Tage in München widmete Bruckner seinem Begleiter eine Fotografie (IKO 18). Im Mai übertrug er diesem die Vollmacht, zur Publikation des Te Deum alle „hiezu erforderlichen Schritte nach Gutdünken zu unternehmen“ (Göll.-A. 4/2, S. 323). Fronleichnam 1885 verbrachten sie gemeinsam in Klosterneuburg, ein Jahr später reisten sie zusammen zu den letzten beiden Proben zur österreichischen Erstaufführung der Siebenten Symphonie (unter Karl Muck) nach Graz.

Schon 1887 trat in Wien unter Ecksteins Leitung ein erfolgreiches „Komitee zur Veranstaltung von Bruckner-Konzerten“ mit Unterstützung von Hans Richter zusammen (u. a. Aufführung der Vierten Symphonie mit den gemieteten Wiener Philharmonikern). Als sich 1890 neben dem von Bruckner so genannten „Oberösterreichischen Consortium“, das als erstes begann, Beiträge zu seiner finanziellen Unterstützung zu sammeln (Consortien, Finanzen, Mäzene), auch mehrere Wiener Freunde („Wiener Consortium“ genannt) sich beteiligen wollten, war Eckstein dabei. Dieser schloss für Bruckner einen Leibrentenvertrag über 50 fl (auf Lebenszeit) ab für jährlich einen Orgelauftritt in St. Florian oder Steyr.

Kurz vor seinem Tode übergab er der Internationalen Bruckner-Gesellschaft, deren Ehrenmitglied er seit 1929 war, seine Bruckner-Autografe und ‑Abschriften sowie eigene Manuskripte (heute Österreichische Nationalbibliothek).

Schriften
  • (Hg.), Comenius und die Böhmischen Brüder. Leipzig 1915
  • Erinnerungen an Anton Bruckner. Wien 1923
  • Alte unnennbare Tage! Erinnerungen aus 70 Lehr- und Wanderjahren. Wien–Leipzig–Zürich 1936 (Reprint 1988)
  • Die erste und die letzte Begegnung zwischen Hugo Wolf und Anton Bruckner, in: In Memoriam Anton Bruckner, S. 44–59
  • (Hg. gem. mit René Fülöp-Miller), Dostojewski am Roulette. München 1925
  • Reisen mit Anton Bruckner, in: [Linzer] Tages-Post 7.6.1930, S. 18f.
  • (Hg. gem. mit René Fülöp-Miller), Polina Suslowa. Dostojewskis ewige Freundin. München 1931
  • zahlreiche kleinere Aufsätze (vgl. Bruckner-Bibliographie)
Literatur

UWE HARTEN

Zuletzt inhaltlich bearbeitet: 21.9.2023

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Eckstein, Friedrich: 118853902

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