Bowen, Meirion (Bill)
* 6.4.1940 Swansea/GB. Musikschriftsteller, Pianist, Pädagoge.
Studierte 1959–1963 Englisch und Musik (künstlerische und wissenschaftliche Ausrichtung) in Birmingham und Cambridge. Es folgten verschiedene Lehrtätigkeiten in London (am Croydon College [1963–1965], am Morley College, an der St. Martin’s School of Art und am Camberwell College of Art [1966–1969]). 1968 übernahm er die musikalische Leitung an der Kingston Polytechnic (heute Kingston University London), die er bis 1978 innehatte. Anschließend war er in derselben Funktion an der London Contemporary Dance School tätig (1978–1981). Darüber hinaus war er Produzent bei British Broadcasting Corporation (BBC) in London (1965–1970) und schrieb Musikkritiken für The Guardian (1968–1995). 1968 gründete er das Percussion-Ensemble The Electric Candle, dessen Mitglied er bis 1978 war. Nach einem persönlichen Kontakt mit Michael Tippett (1905–1998), aus der sich eine enge Freundschaft entwickelte, managte er diesen ab ca. 1978 bis zu dessen Tod. Bowen war auch als Klavierbegleiter tätig, u. a. trat er 1978–1984 regelmäßig mit der Opernsängerin Kathryn Harries (* 1951) auf. Weitere Sänger und Sängerinnen, die er begleitete, waren u. a. Anne Mackay (* 1956) und Omar Ebrahim (* 1956). 1988–1991 übernahm er die künstlerische Leitung des King’s Lynn Festivals. Er war u. a. Vorsitzender des Musikgremiums der Greater London Arts Association (1976–1982) sowie Vize-Vorsitzender der Michael Tippett Musical Foundation (1979–1998).
Mit Bruckners symphonischen Werken beschäftigte sich Bowen wahrscheinlich spätestens ab 1969 im Zuge seiner Tätigkeiten bei The Guardian und der BBC. Als mögliche Inspirationsquelle für Bowens eigene kompositorische Auseinandersetzung mit Bruckners Musik könnte auch Tippetts Spätwerk gedient haben, das ebenfalls Einflüsse brucknerscher Form- und Klangsprache aufweist. Auf Vermittlung von Michael Thorne (* 1953) und Leila Shakkour (* 1947), die gelegentlich mit Bowen zusammenarbeiteten und als Widmungsträger genannt sind, erhielt Bowen den Auftrag für eine Bearbeitung des Streichquintetts in F-Dur. In dieser 1998 vollendeten Bearbeitung instrumentierte er den ursprünglichen Quintettsatz für Streichorchester zu sieben Stimmen um. Im Vorwort der gedruckten Ausgabe bei Tritó (Barcelona 2001) legt Bowen die Beweggründe für die orchestrale Gestaltung der Bearbeitung wie folgt dar: „It seemed to me that this was the best way to bring out the full potential of a work that has the same grandeur of conception and expressive power as the composer’s symphonic compositions for full orchestra.” (Foreword, S. 3). Im Gegensatz zu anderen Bearbeitungen weist Bowens Einrichtung einen höheren kompositorischen Eigenanteil auf: So beginnt das Werk mit einer fünftaktigen Einleitung und die 2. Violinen übernehmen gelegentlich die Melodieführung der 1. Violine. Statt des Scherzos verwendete er das Intermezzo in d-Moll als 2. Satz und am Ende des Adagios fügte er in den Violinen Elemente aus dem Schluss von Arnold Schönbergs (1874–1951) Streichsextett Verklärte Nacht op. 4 ein. In einer Art Vorwegnahme fügt Bowen bereits in der Exposition des Finalsatzes (vor A) das Schlussthema des Satzes ein. Die Uraufführung seiner Bearbeitung fand am 28.9.1999 in der Royal Festival Hall in London durch die Academy of St. Martin in the Fields zusammen mit Sir Neville Marriner (1924–2016) statt. Eine Wiederholung wiederum durch Marriner zusammen mit dem gleichen Orchester folgte im Rahmen des Internationalen Brucknerfestes am 3.10.1999 im Brucknerhaus Linz.
Werke
- Bearbeitungen von Werken Tippetts (u. a. The Heart’s Assurance, Water out of Sunlight, The Shires Suite), Ludwig van Beethovens (Fidelio, Große Fuge), Robert Gerhards (u. a. Concertino for Strings), Claude Debussys (La boîte à joujoux) und Bruckners (Symphony for string orchestra); Rekonstruktion von Kurt Weills Die Zaubernacht.
Schriften
- (Hg.), Music of the Angels. Essays and Sketchbooks. London 1980
- Giles Swayne, in: The Musical Times 125 (1984), H. 1697, S. 377–381
- Tippett’s Byzantium, in: The Musical Times 132 (1991) H. 1783, S. 438–440
- (Hg.), Tippett on Music. Oxford 1995
- Michael Tippett. London 1982
- (Hg.), Gerhard on Music. Selected Writings. Burlington 2000
- (Hg.), Robert Gerhard and his Music. Glasgow 2000
- „Sawer, David“, in: www.oxfordmusiconline.com [6.9.2021]
- „Barber, Llorenç“, in: www.oxfordmusiconline.com [6.9.2021]
- „Sardà (y Bofill), Albert“, in: www.oxfordmusiconline.com [6.9.2021]
Literatur
- Meirion Bowen, Michael Tippett, London 1982, S. 90
- Foreword, in: Anton Bruckner. Symphony for string orchestra. Arrangement for String Quintet in F major by Meirion Bowen, Barcelona 2001, S. 3
- The Guardian 21.2.1970, S. 8
- Illustrated London News 1.2.1983, S. 62
- Illustrated London News 1.7.1984, S. 77
- The Stage 22.9.1988, S. 20
- The Akron Beacon Journal 13.10.1988, S. 32
- David Clarke, „Tippett, Sir Michael (Kemp)”, in: www.oxfordmusiconline.com [6.9.2021]
- www.meirion-bowen.com [6.9.2021]
- ABCD