Intermezzo in d‑Moll (WAB 113)

für Streichquintett, „Moderato“

EZ: vollendet 21.12.1879
UA: 23.1.1904 in Wien (Musikabend des Wiener Akademischen Wagner-Vereins; Fitzner-Quartett)
Aut.: ÖNB‑MS (Mus.Hs.6080)
ED: Universal Edition, Wien 1913
NGA: Band XIII/2 (Gerold W. Gruber, 2007)

Dieser isolierte Quintettsatz hat eine merkwürdige Geschichte: Bruckner komponierte ihn als Alternative zu dem von Joseph Hellmesberger d. Ä. als unspielbar bezeichneten Scherzo seines Streichquintetts in F‑Dur. Das vorhandene Trio beließ er hingegen. Nachdem aber 1881 das Winkler-Quartett die originalen drei ersten Sätze des Quintetts uraufführte, entschied sich Hellmesberger bei einer kompletten Aufführung 1885 schließlich doch für das Scherzo. Ernst Kurth schlug vor, diesen Satz – nach dem Scherzo gewissermaßen als Überleitung zum Adagio – in das Streichquintett in F‑Dur zu integrieren (Bd. 2, S. 1180), was heute bei Aufführungen auch manchmal geschieht; öfters wird das Intermezzo in d‑Moll jedoch alleine aufgeführt.

Die Forderung nach einem weniger schwierigen Satz führte zur Idee eines allgemeinen Charakterwandels bei gleichzeitiger Übernahme einzelner alter Elemente. Das Intermezzo in d‑Moll zeigt schon aufgrund von Tempo-Verlangsamung und tänzerischem Gestus insgesamt eine stärkere Tendenz zum romantischen „Stimmungsbild“. Ziemlich sicher war dies ein Grund, dass Hellmesberger den neu komponierten Satz letztlich doch nicht akzeptierte.

Dreiteilig angelegt (T. 1–42, 43–90, 91–142), weist das Intermezzo in d‑Moll harmonisch vielfältige Schattierungen auf (s. den Übergang B‑Dur zu Ges‑Dur in T. 17ff. oder den plötzlichen Eintritt von G‑Dur in T. 29). In Melodik und Rhythmus treten immer wieder Ländler-artige Züge hervor, die bereits zu Beginn in den Mittelstimmen anklingen. Es sind auch Parallelen zum Trio der Dritten Symphonie hörbar.

Um – zyklisch gedacht – einer Isolation entgegenzuwirken, schuf Bruckner subtile Verbindungslinien. So erscheint die der 2. Violine zugedachte Begleitfigur in Form eines Doppelschlags dem Beginn des Kopfsatzes des Streichquintetts in F‑Dur entnommen (s. dort T. 4, Vl. 1; bes. T. 29, Vl. 2). Harmonisch ergibt sich ab T. 51 mit der Ges‑Dur-Episode ein Vorgriff auf das Adagio. Auffällig ist überdies der „strukturelle Einsatz des Doppelschlagmotivs“ (Gruber, S. 117), welches immer wieder in wechselndem Kontext auftritt.

Literatur

ERICH WOLFGANG PARTSCH

Zuletzt inhaltlich bearbeitet: 29.5.2017

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ACDH, Abteilung Musikwissenschaft