Ludwig II., König von Bayern
* 25.8.1845 Schloss Nymphenburg (München, Bayern/D), † 13.6.1886 Würmsee (Starnberger See, Bayern/D). König von Bayern.
Sohn von König Maximilian II. (1811–1864). Ohne sonderlichen Erfolg erhielt er Klavierunterricht von Christian Wanner († 1873/74), einem Lehrer am Münchner Königlichen Konservatorium. Zwölfjährig las er bereits Schriften von Richard Wagner. Der Besuch des Lohengrin in der Münchner Hofoper legte 1861 den Grund zu seiner Wagner-Begeisterung. Kurz nach seinem Regierungsantritt am 10.3.1864 berief er Wagner nach München, dem er hier jegliche Förderung angedeihen ließ. 1865 folgte die denkwürdige Uraufführung von Tristan und Isolde unter der Leitung von Hans Guido von Bülow. Auch nach dem erzwungenen Weggang Wagners stand Ludwig trotz gelegentlicher Trübungen des Verhältnisses weiter fest zu dem Dichtermusiker. 1868 leitete Bülow die glanzvolle Uraufführung der Meistersinger, 1869 und 1870 schlossen sich – gegen Wagners Willen – die vom König befohlenen Münchner Uraufführungen von Rheingold und Walküre unter Franz Wüllner (1832–1902) an. Ludwig II. ermöglichte auch die Verwirklichung von Wagners Idee der Bayreuther Festspiele.
Wahrscheinlich bei seinem Besuch Ende Juli/Anfang August 1884, sicher jedoch nach der triumphalen Aufführung der Siebenten Symphonie durch Hermann Levi am 10.3.1885, äußerte Bruckner den Wunsch, das Werk dem König zu widmen. Levi und Generalintendant Karl von Perfall (1824–1907) setzten sich für ihn ein. Am 26.4. konnte Levi mitteilen, die Annahme werde sicher erfolgen (Briefe I, 850426). Bruckners Widmungsschreiben datiert vom 8.5.1885 (Briefe I, 850508). Über ein halbes Jahr später, am 10.3.1886, notierte der Hofsekretär in München: „Der Virtuose Anton Pruckner [!] ist überaus beglückt, dass S. M. Allergnädigst geruhten, ihm zu erlauben, die Partitur seiner VII. Symphonie in E-Dur in Vorlage zu bringen. Ich habe dieses Werk heute auf die Post nach Hohenschwangau gegeben.“ (zit. n. Münster 1994, S. 171). Ein Dankschreiben des Königs blieb aus. Ludwig II. wurde am 8.6.1886 für unmündig erklärt. Die in Leder gebundene gedruckte Widmungspartitur befindet sich heute im König Ludwig II.-Museum in Schloss Herrenchiemsee. Nach dem Ableben Ludwigs II. äußerte Bruckner zu August Göllerich, er habe die Trauermusik auf Wagners Tod im Adagio der Siebenten Symphonie auch in Vorahnung des Todes des Königs geschrieben.
Musik von Bruckner hat Ludwig II. nie gehört. Auf ihn wirkte die Musik nur in Wechselbeziehung mit Dichtung, von ihr hervorgerufen oder sie erläuternd. Zu Werken der absoluten Musik gewann er gewöhnlich nur Zugang, wenn er sie inhaltlich in eine reale Vorstellung übertragen konnte. Wagner hat für ihn Einführungen zu Ludwig van Beethovens Symphonien verfasst.
Literatur
- Göll.-A.August Göllerich/Max Auer, Anton Bruckner. Ein Lebens- und Schaffensbild (Deutsche Musikbücherei 36–39). 4 Bde. (in 9 Teilbänden [1, 2/1–2, 3/1–2, 4/1–4]). Regensburg 1922–1937, unveränd. Nachdruck 1974 4/2, S. 316–319
- Robert Münster, König Ludwig II. und die Musik. Rosenheim 1980, S. 96–98
- Robert Münster, König Ludwig II. und die Musik. Ausstellung München 1986, in: Blätter der Bayerischen Staatsoper IX/X (1985/86), S. 22
- Robert Münster, Aus Bruckners Münchner Freundes- und Bekanntenkreis 1863–1886, in: Bruckner-Symposion 1994Othmar Wessely u. a. (Hg.), Bruckner-Symposion. Bruckner-Freunde – Bruckner-Kenner. Im Rahmen des Internationalen Brucknerfestes Linz 1994. 21.–25. September 1994. Bericht. Linz 1997, S. 161–173
- Briefe IAndrea Harrandt/Otto Schneider (Hg.), Briefe von, an und über Anton Bruckner. Bd. I. 1852–1886 (NGA XXIV/1). 2., rev. und verbesserte Aufl. Wien 2009
- Dieter Albrecht, Art. „Ludwig II.“, in: www.deutsche-biographie.de [27.9.2019]
