Müller, Johann

* 10.5.1856 Maustrenk, Niederösterreich/A, † 30.10.1924 Wien/A. Militärkapellmeister.

Sohn des Halblehners Leopold Müller (1833–1921) von dem er vermutlich im Alter von sechs Jahren den ersten Unterricht im Violinspiel erhielt. Von 1.10.1876 bis 25.9.1879 leistete Müller den Militärdienst beim Infanterie-Regiment Nr. 4 „Hoch- und Deutschmeister“ in Wien ab. Es folgten 1881–1885 und 1887–1890 weitere Dienstzeiten beim Infanterie-Regiment Nr. 4 sowie 1885–1887 beim Infanterie-Regiment Nr. 89 als 1. Violinist und stellvertretender Kapellmeister unter den Kapellmeistern Josef Dubetz (1824–1900), Anton Klemm (1844–1920), Wilhelm Zsák (1836–1911) und Carl Michael Ziehrer (1843–1922). Besonders Letzterer protegierte Müller maßgeblich und führte dessen Kompositionen auch nach Müllers Weggang auf. 1884–1886 besuchte Müller das Konservatorium der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien und belegte Klavier bei Ernst Ludwig (1852–1915), Violine bei Joseph Hellmesberger und Chorgesang bei Johann Faistenberger (1840–1898) sowie Harmonielehre bei Bruckner und Kontrapunkt bei Franz Krenn. Im Rahmen des 1. Unterrichtsjahres bei Bruckner entstand eine Mitschrift des Harmonielehre-Kurses, die erhalten geblieben ist (heute: Wienbibliothek, Musiksammlung, MH 14907).

Noch vor der Stationierung nach Wien (Herbst 1890) wechselte Müller im Februar 1890 als Kapellmeister in den Dienst des ungarischen Infanterie-Regiments Nr. 46, mit dem er auch Eigenkompositionen aufführte – wie der wohl erfolgreichste Marsch Müllers Weana san ma, Weana bleib'n ma. Mit der Umstationierung der „46er“ nach Szegedin (Szeged/H) folgte 1896 ein weiterer Regimentswechsel, wiederum als Kapellmeister, zum Offizierscorps des k. u. k. Infanterie-Regiments Nr. 84, wo er bis Mai 1899 diente. Danach gründete Müller im Verlauf des Jahres 1899 eine eigene Kapelle, mit der er bereits im folgenden Jahr dauerhaft während der Pariser Weltausstellung (April bis November 1900) in der österreichischen Abteilung konzertierte. Bis ca. 1917 lassen sich Konzerte der Kapelle unter seiner Leitung nachweisen. Wie populär Müller als Militärkapellmeister war, zeigt sich nicht zuletzt an der Vielzahl der Auftrittsorte seiner Kapelle, darunter die Sophiensäle, der Dreherpark, der Ball der Stadt Wien, der Industrieball, die Metternich Redoute, der Concordia-Ball oder Veranstaltungen des Wiener Schubertbundes und des Wiener Männergesangvereines sowie unzählige Tanz- und Maskenbälle.

Viele Kompositionen Müllers entstanden im Rahmen dieser Konzerte als Unterhaltungs- und Gebrauchsmusik und charakterisieren sich durch rhythmische, harmonische wie melodische Simplizität, die mit der aufführungsbedingten Situation (große Orchester in alternierenden Veranstaltungsräumen) einherging bzw. sich aus dieser ableiten lässt. Auch die Notwendigkeit stets Novitäten aufzuführen und somit im wöchentlichen Rhythmus neue Werke zu komponieren, reduzierte die Möglichkeit zur kompositorischen Komplexität.

Müller, der sich seit seiner Zeit bei den „46er“ in Wien den Ruf eines populären und tüchtigen Kapellmeisters erarbeitet hatte, wurde auch vom österreichischen Hochadel unterstützt. So finden sich Dankesbekundungen zu Auftritten von Müllers Kapellen bspw. von Erzherzogin Margarethe (1870–1902) und Herzog Albrecht (1865–1939). Ebenso scheinen Müllers Kapellen für private Veranstaltungen des Adels gebucht worden zu sein, was sich wiederum in den Dedikationen seiner Werke widerspiegelt.

Ein Kontakt zu Bruckner nach Müllers Studienzeit am Konservatorium ist bisher nicht nachweisbar.

Werke
  • Zahlreiche Walzer (u. a. Die Laxenburger, Mein liebes Wien, Vom schönen Donaustrand), Polka Mazurka (u. a. Gold und Silber, Pereat Tristitia, Soldatengeist), Polka francaise (u. a. Die schöne Szegedinerin), Polka Galopp (Distanzritt Wien Berlin Berlin Wien), Märsche (u. a. Festmarsch, Weana san ma, Weana bleib’n ma) und Potpourris (u. a. Das singt man in Wien, Für die lustigen Wiener Frauen)
Literatur
  • Jahresberichte des Konservatoriums der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien für die Studienjahre 1884–1886. Wien 1885–1886
  • Die Presse, Abendblatt 21.11.1890, S. 3
  • Neuigkeits-Welt-Blatt 8.10.1892, S. [3]
  • Neuigkeits-Welt-Blatt 29.5.1894, S. [3]
  • Wiener Allgemeine Zeitung 30.9.1896, S. 2
  • Militärisches, in: Neuigkeits-Welt-Blatt 27.5.1899, S. [15]
  • Ostdeutsche Rundschau 8.4.1900, S. 4
  • Deutsches Volksblatt 3.3.1907, S. 23
  • A[nna]. H[ottner].-Gr[efe]., Ein vergessener Walzerkönig. Musikdirektor Johann Müller, in: Neues Wiener Journal 5.11.1924, S. 4–5
  • Andrea Harrandt, Harmonielehreunterricht bei Bruckner – Zu zwei neuaufgefundenen Vorlesungsmitschriften, in: Bruckner-Symposion 1988Othmar Wessely (Hg.), Bruckner-Symposion. Anton Bruckner als Schüler und Lehrer. Im Rahmen des Internationalen Brucknerfestes Linz 1988. 21.–25. September 1988. Bericht. Linz 1992, S. 71–83
  • Friedrich Atzenberger, Der Militärkapellmeister Johann Müller, in: Bernhard Habla/Damien Sagrillo (Hg.), Kongressbericht Echternach, Luxemburg 2008 (Alta musica 28). Tutzing 2010, S. 59–102
  • Taufbuch 1834–1859 der Pfarre Maustrenk, 1856, fol. 149
  • Sterbebuch 1876–1938 der Pfarre Maustrenk, 1921, fol. 133
  • Sterbebuch 1924–1925 der Pfarre Gumpendorf (Wien VI), 1924, fol. 66

CLEMENS GUBSCH

Zuletzt inhaltlich bearbeitet: 7.4.2023

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Müller, Johann: 1246110474

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