Pohoryles, Maria
* 4.4.1868 Tarnopol/Galizien (Ternopil/UA), † nach 1889 (Ort?). Musikerin.
Die Tochter des Kaufmanns Lazar Pohoryles und dessen Frau Eva erhielt ihre Schulbildung am Institut Fröhlich in Wien (1. Bezirk, Grünangergasse), einer Privatschule ohne Öffentlichkeitsrecht, und studierte 1881–1885 am Konservatorium der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien im Hauptfach Klavier: So besuchte sie 1881/82 den 3. Jahrgang der Klaviervorbildungsschule (bei Anton Drill) und hörte daneben Allgemeine Musiklehre. Seit 1882/83 Klavierschülerin Julius Epsteins, erhielt sie vorzügliche Klassifizierungen und wurde im 2. Studienjahr als talentiert, fleißig und strebsam beschrieben. Als Abiturientin des Konservatoriums (1885) wurde sie mit der Gesellschaftsmedaille ausgezeichnet.
Bruckner unterrichtete sie 1884–1888/89 als Privatschülerin in Kontrapunkt und Fuge. Er war von ihren Kenntnissen und ihrem Fleiß so beeindruckt, dass er nach Angaben Friedrich Ecksteins sogar erwogen haben soll, sie zu heiraten (Frauen). Als seine Schülerin findet sie auch wiederholt in Bruckners Taschen-Notizkalendern (unter wechselnder Namensschreibweise) Erwähnung. 1888 trat sie aus dem jüdischen Glauben aus und ließ sich am 17.11.1888 auf die Namen Maria Antonia Rosalia taufen. Danach verliert sich ihre Spur.
Literatur
- Bericht über das Conservatorium für Musik und darstellende Kunst der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien für das Schuljahr 1884–1885. Wien 1885, S. 84f.
- Göll.-A.August Göllerich/Max Auer, Anton Bruckner. Ein Lebens- und Schaffensbild (Deutsche Musikbücherei 36–39). 4 Bde. (in 9 Teilbänden [1, 2/1–2, 3/1–2, 4/1–4]). Regensburg 1922–1937, unveränd. Nachdruck 1974 4/2, S. 228
- Anna Staudacher, „… meldet den Austritt aus dem mosaischen Glauben“. 18000 Austritte aus dem Judentum in Wien, 1868–1913. Namen – Quellen – Daten. Frankfurt am Main 2009, S. 452
- ABCD
- Taufbuch 1887–1893 der Dompfarre St. Stephan (Wien I), fol. 95