Schmidt, Franz

* 22.12.1874 Pressburg/Ungarn (Bratislava/SK), † 11.2.1939 Perchtoldsdorf, Niederösterreich/A. Komponist, Pianist, Cellist, Pädagoge.

Frühe Klavierstudien in Pressburg, dann bei Theodor Leschetitzky (1830–1915), von 1891–1896 am Konservatorium der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien (Violoncello bei Ferdinand Hellmesberger, Komposition bei Robert Fuchs). Er hatte „die Aufnahmsprüfung in die Kontrapunktklasse Bruckners […] glatt bestanden“ (Brusatti, S. 14), doch zu seinem größten Leidwesen „begann Bruckner schon zu Beginn dieses Schuljahres zu kränkeln“ (Brusatti, S. 23). Nur wenige Stunden erlebte Schmidt den Unterricht des „vergötterten Meisters“, „aber in engeren Contact mit ihm zu kommen, ist mir nicht gelungen“ (Brief an Julius Bistron [1887–1945], zit. n. Nemeth, S. 43). Fuchs, ein „überaus vornehme[r] Mensch und Künstler war aber ein Parteigänger Brahms’, was für uns Brucknerjünglinge der ‚casus belli’ war“ (Brusatti, S. 23).

Als Cellist war er von 1896–1913/14 Mitglied des Hofopernorchesters, bis 1911 der Wiener Philharmoniker, danach erhielt er an der Musikakademie ordentliche Professuren für Violoncello, Klavier, aber auch – als einer der Nachfolger Bruckners – für Kontrapunkt und Komposition. 1925–1927 war er Direktor der Wiener Musikakademie, 1927–1931 Rektor der kurzzeitig als Fachhochschule für Musik und darstellende Kunst bezeichneten Ausbildungsstätte. Bis in seine letzten Lebensjahre konzertierte Schmidt als Dirigent, Pianist und Cellist (als Solist und Kammermusiker, u. a. mit dem Rosé-Quartett).

Mit Bruckner verband Schmidt die besondere Vorliebe für die Orgel – Schmidt hinterließ ein gewaltiges Œuvre für dieses Instrument. Vor allem in seinen vier zwischen 1896 und 1933 entstandenen Symphonien ist Bruckners kompositorischer Einfluss erkennbar: akribische Kontrapunktik, Erweiterung der Sonaten- und Variationsform, Fugato-Passagen, Choralbildungen vornehmlich in den Finalsätzen, Steigerungswellen (Steigerung – Abschwellen – Steigerung), Monumentalität, große Orchesterbesetzung (mit einer Ausnahme: die Dritte Symphonie wurde für einen Wettbewerb geschaffen, mit der Vorgabe, eine Symphonie im „Geiste Schuberts“ [Pascall, S. 33] zu komponieren), besonders markante Rhythmik in den Scherzi mit einem „ostinato-artigen Neuprimitivismus“ (Pascall, S. 42), in den Andante-Sätzen getragene, erhabene Melodiegestaltung, Bassstimmen, die sich langsam, stetig auf Basis der entsprechenden Tonleiter auf- und abwärts bewegen. Schmidts Harmonik – geprägt von Richard Wagners und Bruckners Œuvre – bewegt sich in späteren Werken passagenweise bis an die Grenze der Tonalität, ohne diese zu überschreiten. Alle angeführten Kriterien sind auch in Schmidts berühmtesten Werk, dem Oratorium Das Buch mit sieben Siegeln (1935–1937) und der Orchesterkomposition Variationen über ein Husarenlied (1930/31) zu konstatieren.

Werke
  • 2 Opern (Notre Dame; Fredigundis)
  • Oratorium Das Buch mit sieben Siegeln (1935–1937)
  • 4 Symphonien
  • Kammermusik
  • Orgelwerke
Literatur
  • Carl Nemeth, Franz Schmidt. Ein Meister nach Brahms und Bruckner. Zürich–Wien 1957, S. 43, 106f., 218, 272
  • Otto Brusatti, Die Autobiographische Skizze Franz Schmidts, in: Otto Brusatti (Hg.), Studien zu Franz Schmidt. Bd. 1. Wien 1976, S. 9–35
  • Paul-Gilbert Langevin, Franz Schmidt und sein Orchesterwerk, in: Otto Brusatti (Hg.), Studien zu Franz Schmidt. Bd. 1. Wien 1976, S. 111–122
  • Gottfried Scholz, Die 2. Symphonie von Franz Schmidt (Studien zu Franz Schmidt 3). Wien 1985
  • Robert Pascall, Franz Schmidt: Symphonien und Symphonisches, in: Walter Obermaier (Hg.), Franz Schmidt und seine Zeit. Symposium 1985 (Studien zu Franz Schmidt 6). Wien–München 1988, S. 27–45
  • Carmen Ottner, Franz Schmidts symphonisches Werk: Vollendung und Abschluss der klassisch-romantischen Symphonie?, in: Engelbert M. Exl (Hg.), Musik soll nicht bloß tönen, sie muß leben. Beiträge zum 2. Internationalen Oswald Kabasta-Symposion vom 16. bis 19. Mai 1996 in Mistelbach. Graz 1998, S. 185–203
  • Carmen Ottner, Das symphonische Schaffen von Franz Schmidt und Johann Nepomuk David, in: Hartmut Krones (Hg.), Die österreichische Symphonie im 20. Jahrhundert (Wiener Schriften zur Stilkunde und Aufführungspraxis, Sonderband 5). Wien 2005, S. 75–99
  • Theophil Antonicek, Art. „Schmidt, Franz“, in: www.biographien.ac.at [14.1.2019]
  • Carmen Ottner, Art. „Schmidt, Franz“, in: www.musiklexikon.ac.at [14.1.2019]

CARMEN OTTNER

Zuletzt inhaltlich bearbeitet: 14.1.2019

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Abbildungen

Abbildung 1: Neue Zeitschrift für Musik 104 (1937) H. 5, S. 492/2

Normdaten (GND)

Schmidt, Franz: 118608762

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