Ritter, Lorenz (eigentl. Laurentius Josefus)
* 28.3.1864 [nicht 1868] in Mariazell, Steiermark/A, † 28.3.1941 in Veszprém/H. Organist, Domkapellmeister.
Lorenz Ritter, Sohn des Kaufmanns Mathias Ritter, studierte 1878–1882 am Konservatorium der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien bei Anton Bruckner Orgel, Harmonielehre und Kontrapunkt, Klavier bei Wilhelm Schenner sowie Allgemeine Musiklehre und Geschichte der Musik bei Adolf Prosniz (1829–1917). Die Vermutungen Albert Ritters (nicht verwandt mit L. Ritter), es könne sich bei Ritter um den Privatschüler Julius Ritter handeln, der in den Taschenkalendern Bruckners von 1876–1878 unter zwei verschiedenen Adressen auftaucht, ist zu bezweifeln. Über die gesamte Studienzeit blieb Ritter im Fach Orgel bei Bruckner eingeschrieben, im zweiten Lehrjahr jedoch als Repetent. Dem Abschluss mit Diplom im Hauptfach Orgel im Schuljahr 1881/82 folgte die Vorbereitung und Absolvierung der Staatsprüfung für Musik im Dezember 1883. Diese Vorbereitung sowie den Kontrapunktunterricht bei Bruckner dokumentierte Ritter in seiner Unterrichtsmitschrift (jetzt in österreichischem Privatbesitz).
Am 1.11.1884 trat Ritter die Stelle des Domorganisten in Veszprém an der Kathedralkirche an. Möglicherweise durch Anraten Bruckners folgte Ritter damit Hermann Pius Vergeiner, dessen Engagement in Veszprém ebenfalls für 1884 dokumentiert ist. Ab 1909 und vermutlich bis zu seinem Tod 1941 war Ritter als Domkapellmeister in Veszprém tätig. Mit Erlaubnis des zuständigen Bischofs wurde er auch an der Veszprémer Synagoge als Organist eingesetzt. Als Pianist, Violinist und Cellist wirkte er sowohl an Hausmusikabenden als auch Kammermusikkonzerten in Veszprém mit. Am 1.11.1934 erhielt Ritter die päpstliche Auszeichnung Pro Ecclesia et Pontifice anlässlich seines 50-jährigen Dienstjubiläums überreicht.
Dass Ritter von Zeit zu Zeit in seinen Geburtsort Mariazell zurückkehrte, belegt nicht zuletzt die Hochzeit mit Ottilie Heinrich am 13. Januar 1891 in der Basilika von Mariazell. Ob und wie oft Bruckner seinen ehemaligen Schüler in Mariazell besuchte, ist nicht nachzuweisen, denn abgesehen von einer Gedenktafel am ehemaligen Wohnhaus Ritters in Mariazell, finden sich keine Belege für Besuche Bruckners.
Ein Transkript von Ritters Tagebuch sowie Musikalien werden im Musikarchiv des Veszprémer Doms verwahrt.
Literatur
- Jahresberichte des Konservatoriums der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien für die Studienjahre 1878–1882. Wien 1879–1883
- Albert P. Ritter, Anton Bruckner und Mariazell, in: IBG-MitteilungsblattMitteilungsblatt der Internationalen Bruckner-Gesellschaft. Studien & Berichte. Hg. v. der Internationalen Bruckner-Gesellschaft. Wien 1971ff. Nr. 30 (Juni 1988), S. 10f.
- Verborgene PersönlichkeitElisabeth Maier, Verborgene Persönlichkeit. Anton Bruckner in seinen privaten Aufzeichnungen (Anton Bruckner. Dokumente und Studien 11). 2 Bde. Wien 2001, S. 53, 65 u. 611
- Gerhard Baumgartner, Aus dem Kontrapunktunterricht bei Anton Bruckner. Eine Mitschrift von Lorenz Ritter, in: Bruckners Wiener JahreElisabeth Maier, Verborgene Persönlichkeit. Anton Bruckner in seinen privaten Aufzeichnungen (Anton Bruckner. Dokumente und Studien 11). 2 Bde. Wien 2001, S. 31–36
- Franz Metz, Bruckners Schüler in Nachbarländern Österreichs, in: Bruckner-Symposion 2021Andreas Lindner/Klaus Petermayr (Hg.), Bruckner-Symposion. Die Schüler Anton Bruckners. Brucknerhaus Linz, 1. bis 2. Oktober 2021. Bericht. Linz 2022, S. 129–157
- Taufbuch 1862–1871 der Pfarre Mariazell, fol. 89
- Trauungsbuch 1886–1897 der Pfarre Mariazell, fol. 101