Kränzl (Verlag)

Gegründet vom Buchdrucker und Verleger Josef Kränzl (* 13.11.1825 Ried im Innkreis, Oberösterreich/A, † 27.3.1907 Ried im Innkreis).

Nach der Lehre in München und Linz übernahm Kränzl von seinem Vater in dritter Generation die Druckerei in Ried im Innkreis, der bereits 1840 eine lithografische Anstalt angeschlossen worden war. Er baute diese sukzessive zu einem größeren Verlag aus, dem er 1860 einen Musikverlag anfügte und in dem er v. a. die Werke Robert Führers verlegte, welcher in Kränzl einen großzügigen Förderer fand. 1883 verkaufte Kränzl den Verlag und das von ihm gegründete und redigierte Rieder Wochenblatt, behielt jedoch den Musikverlag und widmete sich fortan primär seiner politischen Karriere (Bürgermeister, Abgeordneter im oberösterreichischen Landtag).

Mit dem Germanenzug, einem der acht ausgewählten Preischöre für das 1. Oberösterreichisch-Salzburgische Sängerfest (Sängerfeste) 1865, erschien bei Kränzl 1864 erstmals ein Werk Bruckners im Druck (daneben auch Werke von Rudolf Weinwurm, Gottlob Friedrich Faist [1823–1894], Karl Mayrberger [1828–1881], Heinrich Adam Neeb [1805–1878], Karl Santner [1819–1885], Edwin Schultz [1827–1907] und S. A. Zimmermann). Kränzl war selbst Chormeister in Ried und auch Mitglied der Auswahl-Jury. Bruckner erhielt neben der Zusicherung des Druckes seiner Komposition ein Preisgeld in der Höhe von 60 fl. Hohe Unsicherheit spricht aus den vier Briefen Bruckners an Kränzl (28.1.1864, 5.2.1864, 9.5.1864 und 13.8.1864) – „tief ergebenster“ (Briefe I, 640128) und „tiefstens mit Achtung“ (Briefe I, 640205) zeichnete Bruckner gegenüber dem Verleger. Doch bereits bei diesem ersten Druck in dem Verlag zeigte sich ein für Kränzl sehr unangenehmes Charakteristikum Bruckners: dessen Problem, ein Werk als abgeschlossen zu sehen. So zögerte Bruckner die Abgabe der Korrekturen ungebührlich heraus (Kränzl hatte die Noten pünktlich für das 1. Oberösterreichisch-Salzburgische Sängerfest, glücklicherweise um ein Jahr verschoben auf 4.–6.6.1865, abzuliefern) und gab sie dann mit geradezu unverschämt vielen Autorkorrekturen und Änderungswünschen zurück. Für die daraus resultierende Verärgerung des Verlegers hatte Bruckner kein Verständnis und empfand sich „als Sündenbock benützt u mißbraucht […], u weiß wirklich nicht, aus welch erfreulichen Gründen Euer Wohlgeboren [= Kränzl] mich dazu ausersehen haben.“ (Briefe I, 640813).

Literatur

ELISABETH TH. HILSCHER

Zuletzt inhaltlich bearbeitet: 19.4.2023

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ACDH, Abteilung Musikwissenschaft