Maximilian Emanuel, Herzog in Bayern
* 7.12.1849 München, Bayern/D, † 12. 6. 1891 Feldafing, Bayern/D. Herzog, Militär.
Jüngstes Kind des Herzogs Maximilian in Bayern (1808–1888); Bruder von Kaiserin Elisabeth von Österreich (Kaiserhaus). Er heiratete am 20.9.1875 in Ebenthal nordöstlich von Wien Amalie von Sachsen-Coburg-Gotha (1838–1894), mit der er drei Söhne hatte. Die Familie bewohnte in München das Schloss Biederstein am Englischen Garten, den ehemaligen Witwensitz der Königin Karoline. Maximilian Emanuel war Offizier, wurde 1884 Generalmajor, 1889 Generalleutnant und – selbst ein kühner Reiter – Kommandeur der herzoglich bayerischen Militärreitschule in München. Er war musikbegabt und veröffentliche 1881 im Münchner Musikverlag Schmid & Janke kleine Kompositionen. Heiteren, sorglosen Charakters, war er seiner Wohltätigkeit und Hilfsbereitschaft wegen geschätzt.
Nach der Uraufführung des (vollständigen) Streichquintetts in F-Dur durch das Winkler-Quartett in Wien am 5.4.1884 riet Vinzenz Egon Landgraf zu Fürstenberg Bruckner das schon 1879 entstandene Werk Herzog Maximilian Emanuel zu widmen. Beide und der Kaufmann Carl Almeroth hatten Bruckner zuvor des Öfteren zu ihren nächtlichen Sitzungen und alkoholischen Extratouren in Wien – wo Landgraf Fürstenberg in der Himmelpfortgasse 13 eine Stadtwohnung besaß – geladen. Fürstenberg und Maximilian unterstützten ihn finanziell beim Druck des Streichquintetts in F-Dur. Ein Vorspiel des Adagio daraus fand im Beisein des Herzogs durch das Winkler-Quartett in einer Seitennische hinter dem Hochalter der Wiener Votivkirche statt. Nach der Übersendung der mit Widmung versehenen gedruckten Partitur erhielt Bruckner im Auftrag des Herzogs am 29.10.1884 eine Anstecknadel mit den herzoglichen Initialen und der Herzogkrone mit Brillanten mit einem vom Adjutanten Ritterstein verfassten Dankschreiben (Briefe I, 841029/2) – ungeklärt ist, ob Ritterstein dem böhmischen Adelsgeschlecht der Boleslawsky Ritter von Ritterstein angehörte. Herzog Maximilian Emanuel war anwesend, als Erzherzogin Gisela, die Gemahlin des Prinzen Leopold von Bayern, Bruckner im August 1884 in München in Audienz empfing (vgl. Briefe I, 840820, Bruckner an Josef Diernhofer in Perg).
Werke
- 2 kleine Klavierstücke, op. 1. München 1881
- 3 Lieder für mittlere Stimme mit Pianoforte, op. 2 und 3. München 1881
Literatur
- Göll.-A.August Göllerich/Max Auer, Anton Bruckner. Ein Lebens- und Schaffensbild (Deutsche Musikbücherei 36–39). 4 Bde. (in 9 Teilbänden [1, 2/1–2, 3/1–2, 4/1–4]). Regensburg 1922–1937, unveränd. Nachdruck 1974 4/2, S. 62, 160ff.
- Hermann von Witzleben/Ilka von Vignau, Die Herzöge in Bayern. Von der Pfalz zum Tegernsee. München 1976, S. 295ff.
- Robert Münster, König Ludwig II. und die Musik. Rosenheim 1980, S. 98
- Othmar Hackl, Die Bayerische Kriegsakademie (1867–1914) (Schriftenreihe zur bayerischen Landesgeschichte 89). München 1989, S. 403
- Robert Münster, Aus Bruckners Münchner Freundes- und Bekanntenkreis 1863–1886, in: Bruckner-Symposion 1994Othmar Wessely u. a. (Hg.), Bruckner-Symposion. Bruckner-Freunde – Bruckner-Kenner. Im Rahmen des Internationalen Brucknerfestes Linz 1994. 21.–25. September 1994. Bericht. Linz 1997, S. 161–173
- Bruckner in MünchenGertrude Quast-Benesch, Anton Bruckner in München. Tutzing 2006
- Briefe IAndrea Harrandt/Otto Schneider (Hg.), Briefe von, an und über Anton Bruckner. Bd. I. 1852–1886 (NGA XXIV/1). 2., rev. und verbesserte Aufl. Wien 2009