Haslinger (Verlag)
Führender Wiener Musikverlag des Biedermeier, gegründet von Tobias Haslinger (* 1.3.1787 Zell bei Zellhof, Oberösterreich/A, † 18.6.1842 Wien/A). Haslinger lernte bei Franz Xaver Glöggl (1764–1839) und Friedrich Emanuel Eurich (1772–1851) in Linz und kam 1810 nach Wien, wo er in die Buchhandlung von August Gräffer (1740–1816) eintrat. Als Komponist dilettierend, verlegte er 1812–1814 mehrere Werke im Selbstverlag, bevor er 1814 in die Chemische Druckerey von Sigmund Anton Steiner (1773–1838) eintrat, die 1807 das Verlagshaus Franz Anton Hoffmeister übernommen hatte. 1815, dem Jahr seiner Verehelichung mit Gräffers Tochter Carolina (* 5.4.1789 Wien, † 24.3.1848 Wien), wurde Haslinger Miteigentümer (S. A. Steiner & Co). Neben der Herausgabe von Musikzeitungen konnte Ludwig van Beethoven als Hauskomponist gewonnen werden, wodurch Haslinger in die erste Reihe der Wiener Musikverleger aufstieg. Mit 2.5.1826 wurde Tobias Haslinger Alleininhaber der Firma. Ein Verlagsverzeichnis weist zu dieser Zeit bereits an die 5.000 Werke auf. Haslinger konnte in der Folge die prominentesten Wiener Komponisten an den Verlag binden; großer Beliebtheit erfreuten sich auch Reihenwerke und Anthologien. Hervorgehoben wurde v. a. der technisch perfekte und gut lesbare Stich der Produkte von Haslinger. Nachdem das Unternehmen bereits durch die Übernahme des k. k. Hoftheater-Verlags 1822 und des Verlags Josef Riedl 1823 erweitert worden war, wurde 1832 mit dem Verlag Tranquillo Mollo ein weiteres Wiener Traditionshaus übernommen. 1842 wurde der Verlag vorerst von Haslingers Witwe Caroline und Sohn Carl (* 11.6.1816 Wien, † 26.12.1868 Wien) unter dem Namen „Tobias Haslingers Witwe und Sohn“ weitergeführt, ab 1848 von Carl Haslinger alleine unter dem Namen „Carl Haslinger quondam Tobias“. Unter ihm konnte der Verlag nicht mehr an die Expansionserfolge seines Vaters anschließen, wenngleich Carl Haslinger im Musikleben der Stadt großes Ansehen besaß. Nach seinem Tod führte seine Witwe Josepha Theresia (geb. Igelhaut; * 23.8.1815 Wien, † 16.3.1888 Wien) das Geschäft bis 1875 weiter, verkaufte es dann aber an Lienau (Schlesinger). Bereits unter dem neuen Besitzer erfolgte 1883 ein Umzug in die Tuchlauben 11. 1877 übernahm Rättig diesen Wiener Verlagsteil von Schlesinger-Lienau, kooperierte jedoch offenbar eng mit dem Stammhaus von Schlesinger-Lienau in Berlin, wie die Drucklegung der Achten Symphonie belegt, die 1892 in der Verlagsgemeinschaft Schlesinger-Lienau-Haslinger erschien.
Literatur
- Wiener Zeitung 29.3.1848, S. 5
- WABRenate Grasberger, Werkverzeichnis Anton Bruckner (WAB) (Publikationen des Instituts für Österreichische Musikdokumentation 7). Tutzing 1977
- Elisabeth Th. Hilscher, Genie versus Markt. Anton Bruckner und seine Verleger, in: Bruckner‑Symposion 1994Othmar Wessely u. a. (Hg.), Bruckner-Symposion. Bruckner-Freunde – Bruckner-Kenner. Im Rahmen des Internationalen Brucknerfestes Linz 1994. 21.–25. September 1994. Bericht. Linz 1997, S. 139–150
- Barbara Boisits, Art. „Haslinger“, in: MGG²Ludwig Finscher (Hg.), Die Musik in Geschichte und Gegenwart. Allgemeine Enzyklopädie der Musik. 29 Bde. (Sach- und Personenteil). 2. neubearb. Ausgabe. Kassel u. a. 1994–2008 8 (2002), Sp. 775–778
- Andrea Harrandt, Art. „Gräffer, Familie“, in: www.musiklexikon.ac.at [6.4.2017]
- Barbara Boisits, Art. „Haslinger, Familie“, in: www.musiklexikon.ac.at [6.4.2017]
- Taufbuch 1783–1798 der Pfarre Am Hof (Wien I), fol. 79
- Taufbuch 1804–1824 der Pfarre St. Michael (Wien I), fol. 152
- Taufbuch 1810–1815 der Pfarre St. Ulrich (Wien VII), fol. 413
- Taufbuch 1838–1845 der Pfarre Mariahilf (Wien VI), fol. 219
- Sterbebuch 1868–1898 der Pfarre St. Peter (Wien I), fol. 109