„Des Dankes Wort sei mir vergönnt“ (WAB 62)
Fünfstimmiger Männerchor (T 1–3, B 1–2) mit T- und B-Solo a cappella in F‑Dur, „Langsam und feierlich“
| Text: | Ernst Marinelli |
| EZ: | vermutlich um 1851, spätestens 1855 in St. Florian |
| W: | Charles Graf O‘Hegerty („Seiner gräfl. Gnaden Herrn Karl O‘Hegerty […]“) |
| UA: | ? |
| Aut.: | verschollen; ÖNB‑MS (Mus.Hs.6037, As. von Karl Aigner) |
| NGA: | Band XXIII/2 (Angela Pachovsky/Anton Reinthaler, 2001) |
Während seiner Lehrtätigkeit in St. Florian erteilte Bruckner auch den Kindern der Familie des Grafen O‘Hegerty auf der Tillysburg Privatunterricht in den Schulgegenständen und in Musik. Den Chor „Des Dankes Wort sei mir vergönnt“ komponierte er für den Grafen. Allgemein wird 1855 als das Entstehungsjahr angegeben; mit dem „Engel“, der aus dem Jenseits herübergrüßt, könnte aber statt des 1854 verstorbenen Sohnes auch O‘Hegertys erste Frau († 1845) gemeint sein. Laut einer mündlich tradierten Familientradition soll Bruckner diesen Männerchor, der zudem stilistisch auf eine frühere Schaffensphase hinweist, zu O‘Hegertys 50. Geburtstag (1851) komponiert haben.
In dem dreiteilig angelegten Chor setzt Bruckner abwechselnd Brummstimmen mit darüber liegendem Tenor- oder Bass-Solo sowie einen fünfstimmigen Chor mit homophonen und unisono gesetzten Passagen ein. Wahrscheinlich fand schon zur Entstehungszeit eine Aufführung auf der Tillysburg statt, aber erst am 31.5.1996 ist eine solche dort nachweisbar.
Literatur
- Karl-Josef Ketteler, St. Patrick und St. Florian. Eine irische Familie in Österreich. St. Florian 1989
- Christoph Meran/Elisabeth Maier, Anton Bruckner und Charles O‘Hegerty. Zur Geschichte eines lange verschollenen Bruckner-Autographs, in: Bruckner-JahrbuchBruckner-Jahrbuch. (Wechselnde Herausgeber). Linz 1980ff. 1994/95/96, S. 195–210
- Ivana Rentsch, Weltliche Vokalmusik, in: Bruckner-Handbuch 2010Hans-Joachim Hinrichsen (Hg.), Bruckner-Handbuch. Stuttgart–Weimar 2010, S. 290–309