Lehrtätigkeit

Bruckner lehrte – in unterschiedlichen Bereichen und Intensitäten – von 1841–1894. Seine Dienstzeit als Schullehrer erstreckte sich von 1841–1855; seit seinem Aufenthalt in Windhaag betreute er immer wieder Privatschüler – Klavier, Orgel (Pedalharmonium), Harmonielehre und Kontrapunkt –, die auch in Wien in seinen Privatwohnungen (Wohnungen) unterrichtet wurden. Mit der Übersiedlung von Linz nach Wien 1868 professionalisierte Bruckner die Nebentätigkeit des Harmonielehre- und Kontrapunktunterrichts zum Hauptberuf.

Am 9.9.1868 wurde Bruckner als exspektierender Hoforganist an die k. k. Hofmusikkapelle berufen. In der 2. Hälfte der 1870er Jahre übernahm Bruckner neben der Funktion des Vizearchivars auch die Schulung der Sängerknaben als zweiter Singlehrer. Interpretation der einzustudierenden Werke war Hauptgegenstand des Unterrichts. Hinzu kam gelegentlicher Klavierunterricht in Vertretung von Rudolf Bibl. In den Jahren 1870–1873 gab Bruckner Klavierstunden in der Lehrerbildungsanstalt St. Anna.

Ein weiterer Hauptgrund für die Übersiedlung nach Wien war die Annahme des Lehrauftrags als Professor für Orgelspiel sowie Harmonielehre und Kontrapunkt (1868–1891) in der Nachfolge seines 1867 verstorbenen Lehrers Simon Sechter am Konservatorium der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien. Nach langwierigen Verhandlungen wurde Bruckner ein Lektorat für Harmonielehre und Kontrapunkt an der Philosophischen Fakultät der Universität Wien bewilligt (Antrittsvorlesung am 24.4.1876). An dieser Lehrtätigkeit hielt Bruckner fast zwei Jahrzehnte bis 1894 fest (bis zum Wintersemester 1896/97 wurden diese Vorlesungen jedoch weiter angekündigt; Maier, S. 6).

Der Klavierunterricht in der Frühzeit war mit einer Reihe von Gelegenheitskompositionen verbunden. In der Wiener Zeit hatte er neben den vielen Studenten, die seine Vorlesungen zum Teil als außerordentliche Hörer besuchten, ca. 70 Privatschüler, darunter Franz Antoine, Paul Caro, Friedrich Eckstein, Cyrill Hynais, Friedrich Klose, Rudolf Krzyzanowski, Emil Lamberg, Max von Oberleithner, Marie Pohoryles, Hans Rott, August Stradal und Josef Vockner.

Bruckner besaß eine umfangreiche, solide, durch Selbststudium ergänzte Ausbildung. Der Methodik-Unterricht an der Präparandie Linz bei Direktor Johann Pauspertl von Drachenthal trug wesentlich zum beachtlichen Niveau bei. Wie aus Dienstzeugnissen und mündlichen Erinnerungen ehemaliger Schüler hervorgeht, war Bruckner ein kompetenter und beliebter Lehrer (s. Göll.-A. 1, S. 165f., 223f.).

Erfahrungen aus seiner frühen Zeit als Volksschullehrer ließ er später in seinen Musiktheorie-Unterricht in Wien einfließen, wobei dort sein oftmals urwüchsiger Humor und die Wahl „derb-anschaulicher Gleichnisse aus dem täglichen Leben“ (Eckstein, S. 158) auf Heiterkeit stießen. Negative Berichte über seinen Unterricht sind rar, überliefert aber z. B. von Émile Jaques-Dalcroze (s. Lit.). Inhaltlich vertrat er ein streng durchstrukturiertes Lehrsystem, für das er eine mit seinem „so ungewöhnlichen und eigenartigen Lebensgang“ (Eckstein, S. 156) verknüpfte Methodik entwickelt hat. Klarheit, die Auswahl exemplarischer Musikbeispiele sowie die Festigung des Lehrstoffes mittels Rückblicken und Zusammenfassungen (Schwanzara, S. 65) – Kernthemen aus dem Methodik-Unterricht bei Pauspertl von Drachenthal – kennzeichneten seinen Unterricht. Der emotional getönte Vortragsstil ermöglichte überdies immer wieder die Einbeziehung persönlicher Erlebnisse und des eigenen Schaffens. Zur Überlieferung „einiger in ihrer Art so unakademischen, in ihrem pädagogischen Erfolg so unbestreitbaren Brucknerschen Kernregeln und Merksätze“ (Reitterer, S. 131) trug auch Alois Höfler (1853–1922) – ehemaliger Schüler, Enthusiast und Professor für Pädagogik an der Universität Wien – bei.

Literatur

RAINER BOSS, ERICH WOLFGANG PARTSCH

Zuletzt inhaltlich bearbeitet: 6.9.2018

Medien

Kategorien

Links

ACDH, Abteilung Musikwissenschaft