Marsop, Paul
* 6.10.1856 Berlin/D, † 31.5.1925 Florenz/I. Musikschriftsteller.
Schüler von Hans Guido von Bülow, lebte ab 1881 als freier Musikschriftsteller in München. Einflussreicher Musikkritiker, der sich um die Gründung öffentlicher Musikbüchereien verdient machte. Er wird als „ein genauer Kenner und tiefer Verehrer der deutschen Musik“ bezeichnet, der auch zu den „Wagner-Enthusiasten“ zählte (zit. n. Göll.-A. 4/2, S. 294).
Vermutlich 1884 beobachtete er Bruckner am Grab Richard Wagners in Bayreuth (Bericht darüber in Kastner‘s Wiener musikalischer Zeitung 2 [1886/87] H. 22, S. 350). Marsop war bei den Aufführungen der Siebenten Symphonie 1884 in Leipzig und 1885 in München anwesend. Sein am 10.8.1885 im Berliner Tageblatt abgedruckter Artikel über Bruckner erregte große Aufmerksamkeit. Bote & Bock bot sich daraufhin Bruckner als Verleger an. Bruckner selbst schrieb an Hermann Levi „Unlängst bekam ich zugeschickt das Berliner-Tagblatt vom 10. August mit dem wunderbaren Artikel von Dr Paul Marsop. Das ist ein herrlicher Mann; ich kenne ihn nicht“ (Briefe I, 850907/1) sowie an P. Oddo Loidol „Im Berliner-Tagblatt vom 10. Aug. ist über mich ein kolossaler Artikel von Dr Paul Marsop, worin ich als 1. lebender Sinfonie Componist proklamirt bin.“ (Briefe I, 850925). Josef Schalk schrieb seinem Bruder Franz über Marsop: „Obwohl er auch ein Bewunderer Brahms‘ ist, kann er doch bei einem Vergleiche mit Beiden nur Bruckner den Vorzug zu geben, was doch eigentlich sehr überraschend ist.“ (Briefe I, 850818). Marsop rezensierte 1886 das Te Deum als Werk mit einem „reichen musikalischen Gedankengehalt“, das „durch Adel des Ausdrucks, Gediegenheit des Satzes und Pracht des Colorits“ den Hörer fessle (Kastner‘s Wiener musikalische Zeitung 1 [1885/86] H. 28, S. 44) und urteilte über den Komponisten Bruckner: „was Bruckner vor Brahms voraus hat: er besitzt etwas von jenem Beethoven‘schen, oder, wenn man will, Shakespeare‘schen Humor, welcher einen kleinen Welttheil aus den Angeln hebt, einige Minuten lang mit ihm Fangball spielt und ihn dann wieder fein säuberlich an seinen Platz zurückstellt“ (Linzer Tages-Post 6.9.1885, S. 4).
Schriften
- Anton Bruckner, in: [Linzer] Tages-Post 6.9.1885, S. 3ff.
- Anton Bruckner, in: Berliner Tageblatt und Handelszeitung 10.8.1885, S. 7f.
- Der Einheitsgedanke in der deutschen Musik. Berlin 1885
- Neudeutsche Kapellmeistermusik. Berlin 1885
- Vom Tage [Aufführung des Te Deum am 7.4.1886 im München], in: Kastner‘s Wiener Musikalische Zeitung 1 (1885/86) H. 28, S. 44
- Das Te Deum des Verkannten, in: Die Gegenwart 15 (1886), H. 17, S. 264f.
- Anton Bruckner, in: Kastner‘s Wiener Musikalische Zeitung 2 (1886/87) H. 22, S. 346–350
- Musikalische Essays. Berlin 1889
- Vom Musiksaal der Zukunft, in: Die MusikDie Musik. Stuttgart–Berlin–Leipzig 1901/02–1914/15 und 1922/23–1942/43. Zusatz ab 1934: Amtliches Organ der NS-Kulturgemeinde; Zusatz ab 1937/38: Organ des Amtes für Kunstpflege beim Beauftragten des Führers für die gesamte geistige und weltanschauliche Erziehung und Schulung der NSDAP; Zusatz ab 1939: Organ der Hauptstelle Musik beim Beauftragten des Führers für die gesamte geistige und weltanschauliche Erziehung und Schulung der NSDAP; Zusatz ab 1940/41: Organ der Hauptstelle Musik beim Beauftragten des Führers für die Überwachung der gesamten geistigen und weltanschaulichen Schulung und Erziehung der NSDAP 3 (1903/04) H. 4, S. 243–257
- Die soziale Lage der deutschen Orchestermusiker. Berlin 1905
Literatur
- Göll.-A.August Göllerich/Max Auer, Anton Bruckner. Ein Lebens- und Schaffensbild (Deutsche Musikbücherei 36–39). 4 Bde. (in 9 Teilbänden [1, 2/1–2, 3/1–2, 4/1–4]). Regensburg 1922–1937, unveränd. Nachdruck 1974 4/2, S. 294, 350–361
- Briefe IAndrea Harrandt/Otto Schneider (Hg.), Briefe von, an und über Anton Bruckner. Bd. I. 1852–1886 (NGA XXIV/1). 2., rev. und verbesserte Aufl. Wien 2009
- Bruckner in MünchenGertrude Quast-Benesch, Anton Bruckner in München. Tutzing 2006, S. 215–221, 245