Psalm 22 (WAB 34) „Der Herr regieret mich“
Vertonung von Psalm 22 (23) für Soli (SATB), vierstimmiger gemischter Chor und Klavier in Es-Dur, „Nicht zu langsam“
| EZ: | um 1852 in St. Florian |
| UA: | 1852 im Rahmen der Konzerte im Stift?, gesichert: 11.10.1921 in St. Florian (Franz Xaver Müller) |
| Aut.: | Stift St. Florian, Bruckner-Archiv (19/5a) |
| ED: | Göll.-A.August Göllerich/Max Auer, Anton Bruckner. Ein Lebens- und Schaffensbild (Deutsche Musikbücherei 36–39). 4 Bde. (in 9 Teilbänden [1, 2/1–2, 3/1–2, 4/1–4]). Regensburg 1922–1937, unveränd. Nachdruck 1974 2/2, S. 119–130 (1928; Faksimile der autografen Partitur) |
| NGA: | Band XX/2 (Paul Hawkshaw, 1997) und Revisionsbericht zu XX/1–6 (2002) |
In dieser Komposition, die während Bruckners Zeit als provisorischer Stiftsorganist in St. Florian entstanden ist, und die, wie vermutet wird (s. Wald-Fuhrmann), während der regelmäßig stattfindenden Konzerte im Stift uraufgeführt wurde, sind sowohl die Ergebnisse der Studienzeit bei Leopold von Zenetti (besonders die kontrapunktische Arbeit) als auch Einflüsse und Vorbilder der Frühromantik (Franz Schubert, Felix Mendelssohn Bartholdy) festzustellen.
Der von pulsierender Klavierbegleitung (12/8-Takt) gestützte 1. Teil („Der Herr regieret mich und nichts wird mir mangeln“) ist zu Beginn homophon gehalten, doch verdichtet sich der Satz allmählich zur Steigerung der Eindringlichkeit (imitatorische Einsätze bei den Textstellen „So will ich nicht Übles fürchten“, „Du hast bereitet einen Tisch“, „wie herrlich ist er“, „Und deine Barmherzigkeit“), bis er ab T. 43 in eine Fuge einmündet („Daß ich wohne im Hause des Herrn auf lange Zeit“), die ihrerseits in einem abschließenden, von Bruckner mit „Choral“ überschriebenen homophonen Schlussteil gipfelt, in dem die Klavierbegleitung schweigt und der in langen, ruhigen Notenwerten gehaltene Chorsatz das „Wohnen auf lange Zeit“ versinnbildlicht.
Neben der Uraufführung, die wahrscheinlich im Rahmen eines Stiftskonzertes ca. 1852 stattfand, sowie der ersten gesicherten Aufführung unter der Leitung von Franz Xaver Müller am 11.10.1921 (ebenfalls in St. Florian), folgte bereits am 18.6.1932 im Rahmen eines Haydn-Beethoven-Bruckner-Festkonzertes die Aufführung einer Bearbeitung des Psalms für großes Orchester von Leopold Daxsperger im Festsaal des Technischen Museums in Wien.
Literatur
- Melanie Wald-Fuhrmann, Geistliche Vokalmusik, in: Bruckner-Handbuch 2010Hans-Joachim Hinrichsen (Hg.), Bruckner-Handbuch. Stuttgart–Weimar 2010, S. 224–289
- Wiener Zeitung 17.6.1932, S. 9
- [Linzer] Tages-Post 20.6.1932, Abendblatt, S. 3
- Reichspost 7.7.1932, S. 8
- Neues Wiener Tagblatt, Abendausgabe 5.7.1932, S. 5