Totenlieder (WAB 47/1-2 [alt 47 und 48]) „O ihr, die ihr heut‘ mit mir zum Grabe geht“

Totenlieder stellen im Bereich der christlichen Konfessionen eine von fünf musikalischen Möglichkeiten (Requiem, individuelle Trauerkompositionen, Singen an der Bahre, Singen am Grab, Blasen von Aequales) dar, eine Verbindung zum Tod und zur Grablegung der Gläubigen herzustellen. Sie sind im katholischen Süden, v. a. im ländlichen Bereich, weit bekannt und waren zumeist dazu bestimmt, von den Schulknaben (Sopran, Alt) unter der Leitung des Schulmeisters (Bass) entweder an der Bahre des Verblichenen (sogen. „Urlaublied“) oder am offenen Grab gesungen zu werden. Obwohl ihre Komponisten und Dichter meist unbekannt sind, kann in vielen Fällen davon ausgegangen werden, dass es sich bei ihren Schöpfern um lokale Schulmeister handelt. Hinweise darauf finden sich etwa in den oberösterreichischen Beständen der sogenannten Sonnleithner-Sammlung (Gesellschaft der Musikfreunde in Wien) bzw. in handschriftlichen Musikalien aus dem Umfeld der Linzer Präparandie, die sich im Besitz des Anton Bruckner Institutes Linz (ABIL) befinden.

Totenlied in Es‑Dur (WAB 47/1)

Vierstimmiger gemischter Chor a cappella, „Langsam“

Text: unbekannt, angeblich sieben Strophen
EZ: 1852 in St. Florian
UA: ?, St. Marienkirchen
Aut.: Stadtarchiv Wels (Inv.Nr.2699)
ED: Göll.-A.August Göllerich/Max Auer, Anton Bruckner. Ein Lebens- und Schaffensbild (Deutsche Musikbücherei 36–39). 4 Bde. (in 9 Teilbänden [1, 2/1–2, 3/1–2, 4/1–4]). Regensburg 1922–1937, unveränd. Nachdruck 1974 2/2, S. 141f. (1928)
NGA: Band XXI (Hans Bauernfeind/Leopold Nowak, 1984) und Revisionsbericht (1984)

Totenlied in F‑Dur (WAB 47/2)

Vierstimmiger gemischter Chor a cappella, [„Getragen“]

Text: unbekannt, angeblich sieben Strophen
EZ: 1852 in St. Florian
UA: ?, St. Marienkirchen
Aut.: Stadtarchiv Wels (Inv.Nr.2699)
ED: Göll.-A.August Göllerich/Max Auer, Anton Bruckner. Ein Lebens- und Schaffensbild (Deutsche Musikbücherei 36–39). 4 Bde. (in 9 Teilbänden [1, 2/1–2, 3/1–2, 4/1–4]). Regensburg 1922–1937, unveränd. Nachdruck 1974 2/2, S. 143f. (1928)
NGA: Band XXI (Hans Bauernfeind/Leopold Nowak, 1984) und Revisionsbericht (1984)

Bruckner weicht bei seinen beiden Totenliedern vom gängigen, in Oberösterreich überaus häufig anzutreffenden Typus insofern ab, als sie für vier gemischte Stimmen komponiert sind, was jedoch nicht heißen soll, dass die vierstimmige Form als Eigenschöpfung Bruckners zu werten ist, da auch sie – wenngleich seltener als die dreistimmige – im Oberösterreich des 19. Jahrhunderts anzutreffen ist. Bruckners Totenlieder sind zum Gebrauch für seinen Schulfreund, den Lehrer Josef Seiberl in St. Marienkirchen an der Polsenz, geschrieben und gelangten vermutlich noch im Entstehungsjahr zur Uraufführung. Für wessen Begräbnisse sie bestimmt waren, lässt sich derzeit nicht eruieren. Der Beginn des Totenliedes in Es‑Dur erinnert deutlich an die früher entstandenen Chöre Der Lehrerstand und Psalm 22. Nur dem ersten Totenlied in Es‑Dur fügte Bruckner die Angabe „Langsam“ hinzu; beim zweiten Totenlied in F‑Dur wurde in der Neuen Gesamtausgabe „Getragen“ ergänzt.

Auch die für Männergesang verfassten Chöre Vor Arneths Grab und Am Grabe können cum grano salis dem Typus des Totenliedes zugerechnet werden.

Literatur

KLAUS PETERMAYR

Zuletzt inhaltlich bearbeitet: 20.9.2018

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Totenlied in Es‑Dur (WAB 47/1)

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Totenlied in F‑Dur (WAB 47/2)

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