Totenlieder (WAB 47/1-2 [alt 47 und 48]) „O ihr, die ihr heut‘ mit mir zum Grabe geht“
Totenlieder stellen im Bereich der christlichen Konfessionen eine von fünf musikalischen Möglichkeiten (Requiem, individuelle Trauerkompositionen, Singen an der Bahre, Singen am Grab, Blasen von Aequales) dar, eine Verbindung zum Tod und zur Grablegung der Gläubigen herzustellen. Sie sind im katholischen Süden, v. a. im ländlichen Bereich, weit bekannt und waren zumeist dazu bestimmt, von den Schulknaben (Sopran, Alt) unter der Leitung des Schulmeisters (Bass) entweder an der Bahre des Verblichenen (sogen. „Urlaublied“) oder am offenen Grab gesungen zu werden. Obwohl ihre Komponisten und Dichter meist unbekannt sind, kann in vielen Fällen davon ausgegangen werden, dass es sich bei ihren Schöpfern um lokale Schulmeister handelt. Hinweise darauf finden sich etwa in den oberösterreichischen Beständen der sogenannten Sonnleithner-Sammlung (Gesellschaft der Musikfreunde in Wien) bzw. in handschriftlichen Musikalien aus dem Umfeld der Linzer Präparandie, die sich im Besitz des Anton Bruckner Institutes Linz (ABIL) befinden.