Um Mitternacht (WAB 89) „Um Mitternacht, in ernster Stunde“
Vierstimmiger Männerchor mit Alt‑Solo und Klavierbegleitung in f‑Moll, „Feierlich, doch nicht schleppend“
| Text: | Robert Prutz |
| EZ: | vollendet 12.4.1864 in Linz |
| W: | Männergesang-Verein „Sängerbund“ („Dem löblichen dem Gefertigten stets so freundlich gesinnten und von selbem so hoch verehrten und geliebten Männergesang-Vereine „Sängerbund“ in Linz ergebenst gewidmet […]“) |
| UA: | 11.12.1864 in Linz, Redoutensaal (Mathilde von Lutterotti; Männergesang-Verein „Sängerbund“; Bruckner) |
| Aut.: | ÖNB‑MS (Mus.Hs.41186, früher im Besitz von Karl Aigner); Archiv der Linzer Singakademie (As. mit autografen Eintragungen, Widmungsexemplar) |
| ED: | Universal Edition, Wien 1911 (Viktor Keldorfer) |
| NGA: | Band XXIII/2 (Angela Pachovsky/Anton Reinthaler, 2001) |
Die „herrliche, sinnige, poetische Composition“ (Linzer Abendbote 13.12.1864, S. 1) wurde beim Gründungsfest des Männergesang-Vereines „Sängerbund“ uraufgeführt. In einer Kritik dazu heißt es: „Herrn Bruckners Chor verräth zwar eine ungewöhnlich düstere Stimmung, ist aber warm und poetisch erfunden, durch den Eintritt der Altstimme im scheinbaren hellen E‑Dur-Klange von schöner Wirkung, und namentlich in seinem weniger effektvollen als wahrhaft reizendem Schlusse von besonderer Originalität.“ (Linzer Zeitung 16.12.1864, S. 3).
Für die Schilderung des Zaubers einer Nacht verwendete Bruckner Brummstimmen. Die Tonart f‑Moll bildet den mystischen Hintergrund, aus dem die Männerstimmen, begleitet von Orgelpunkten und thematischen Unisono-Linien des Klaviers, in leeren Quinten aufsteigen. In der 2. und 3. Strophe liegt ein Alt‑Solo über den Chorstimmen, das „über raunendem Brummchor [...] den zauberhaften Mittelteil des Stückes“ (Auer, S. 399) bildet. Die 3. Strophe wird ohne Klavier vorgetragen, die vierte wiederholt die Melodie der ersten, allerdings in F‑Dur – der Sänger ist in die Realität zurückgekehrt.
Das Werk wird nach wie vor gern von Männerchören gesungen, so etwa 2005 in Linz. Eine der frühesten CD‑Einspielungen stammt vom Chorus Viennensis gemeinsam mit Julia Bernheimer (Alt) und Werner Lochmann (Klavier) aus dem Jahr 1995 (Musik, du himmlisches Gebilde! [ORF CD 73]).
Literatur
- Linzer Abendbote 13.12.1864, S. 1
- F. [Franz Gamon], Gründungsfest-Konzert des „Sängerbundes“ am 11. Dezember im Redoutensaale., in: Linzer Zeitung 16.12.1864, S. 3
- Max Auer, Bruckner (Almathea-Bücherei 33/34). Zürich–Leipzig–Wien 1923
- Göll.-A.August Göllerich/Max Auer, Anton Bruckner. Ein Lebens- und Schaffensbild (Deutsche Musikbücherei 36–39). 4 Bde. (in 9 Teilbänden [1, 2/1–2, 3/1–2, 4/1–4]). Regensburg 1922–1937, unveränd. Nachdruck 1974 3/1, S. 251–254
- Thomas Leibnitz/Agnes Ziffer, Katalog der Sammlung Anton Dermota (Publikationen des Instituts für Österreichische Musikdokumentation 12). Tutzing 1988, S. 23f.
- Andrea Harrandt, Bruckner und das bürgerliche Musiziergut seiner Jugendzeit, in: Bruckner‑Symposion 1987Bruckner-Symposion. Bruckner und die Musik der Romantik. Im Rahmen des Internationalen Brucknerfestes Linz 1987. 16.–20. September 1987. Bericht. Hg. v. Anton Bruckner Institut Linz/Linzer Veranstaltungsgesellschaft mbH. Linz 1989, S. 93–103
- Aufführungsmeldungen, in: IBG‑MitteilungsblattMitteilungsblatt der Internationalen Bruckner-Gesellschaft. Studien & Berichte. Hg. v. der Internationalen Bruckner-Gesellschaft. Wien 1971ff. Nr. 65 (November 2005), S. 41–50
- http://www.brucknerdiskografie.nl [2.11.2016]