Lutterotti, Mathilde von
* 8.3.1841 Linz, Oberösterreich/A, † 12.1.1923? Stuttgart?, Baden-Württemberg/D. Altistin.
Als Tochter des Linzer Stadtarztes Alois von Lutterotti zu Gazzolis und Langental (ca. 1802–1874) erhielt Mathilde von Lutterotti unter anderem von Josef Gänsbacher (1829–1911) in Wien und von Anna Bielczizky (geb. Onitsch, 1816–1886) Gesangsunterricht. Erste dokumentierte Auftritte folgten 1857 in Linz im Alter von 16 Jahren. Ihr Operndebüt gab Lutterotti am 14.2.1870 am landschaftlichen Theater in Graz (heute Schauspielhaus Graz), noch im selben Jahr wurde sie am Hoftheater in Hannover engagiert. 1874 wechselte sie an das Hoftheater in Stuttgart, wo sie bis zu ihrer Pensionierung 1894 blieb. Gastspiele und vorübergehende Engagements führten sie an mehrere Opernhäuser und Hoftheater im deutschsprachigen Raum wie in Wiesbaden, Innsbruck und Wien. Dabei war sie nicht nur als Opernsängerin, sondern auch als Konzertsolistin zu hören, wobei sie unter anderem Franz Liszt und Clara Schumann begleiteten.
Dass Bruckner in seiner Linzer Zeit mit der Familie Lutterotti bekannt war, lässt sich nicht nur aufgrund des soziokulturellen Status der Familie Lutterotti schließen, sondern auch aufgrund der Mitgliedschaft Alois von Lutterottis in der Liedertafel Frohsinn als gesichert annehmen. Der Aufführung von Felix Mendelssohn Bartholdys Athalia am 25.3.1858 im Linzer Redoutensaal durch die Liedertafel Frohsinn, bei der sowohl Lutterotti (Gesang) als auch Bruckner (Klavier) mitwirkten, dürften sogar trotz der scheinbar hohen musikalischen Veranlagung der siebzehnjährigen Lutterotti einige Proben vorausgegangen sein. Noch im selben Jahr, am 24.10.1858, ist ein weiteres Konzert mit beiden als Mitwirkenden nachgewiesen. Wenig verwunderlich scheint daher, dass die aufstrebende Sängerin ebenfalls die Alt-Solo-Partien für die Uraufführung des Männerchores Um Mitternacht (WAB 89) übernahm. Die Uraufführung unter Bruckners Leitung gemeinsam mit dem Männergesang-Verein „Sängerbund“ wurde dementsprechend positiv rezensiert: „Die schönen Stimmen der Fräulein v. Lutterotti und Schönfeld, so wie die Virtuosität der Frau Petermandel [...] thaten [sic] das übrige ihre, um die Vokal- und Instrumental-Soli zur vollen Geltung zu bringen.“ (Linzer Abendbote, 13.12.1864 S. 1). Weiterhin wird Lutterotti auch als Mitwirkende des Konzertes anlässlich des 9. Gründungsfestes des Männergesang-Vereins „Sängerbund“ unter der Leitung von Alois Weinwurm am 8.12.1866 geführt, bei dem auch Bruckners Vokalquartett Du bist wie eine Blume zur Aufführung gelangte. Ob Lutterotti nach ihren Engagements an den verschiedenen Opern- und Theaterhäusern noch Brucknersche Werke im Rahmen von Solokonzerten aufführte, ist bisher nicht bekannt.
Literatur
- Österreichisches Bürgerblatt für Verstand, Herz und gute Laune 16.11.1857, S. 735
- Bericht der Linzer Zeitung, 1858, S. 289
- Bericht der Linzer Zeitung, 1858, S. 1023
- Linzer Abendbote, 13.12.1864, S 1
- [Linzer] Tages-Post 8.3.1866, S. 3
- Chronik der Liedertafel „Frohsinn“ in Linz umfassend den Zeitraum vom 17. März 1845 bis Ende März 1870. Hg. v. Vereins-Ausschuss der Liedertafel Frohsinn. Linz 1870
- [Linzer] Volksblatt 22.6.1870, S. 3
- [Linzer] Tages-Post 17.2.1870, S. 2
- Musikalisches Wochenblatt 19.7.1872, S. 477
- Musikalisches Wochenblatt 5.6.1874, S. 285
- Wiener Salonblatt 29.3.1874, S. 151
- Bei der Fürstin Auersberg, in: Deutsche Musik-Zeitung 15 (1874), S. 3
- Ottmar G. Flüggen, Biographisches Lexikon der Deutschen Theater, München 1892, S. 206
- Karl Josef Kutsch/Leo Riemens, Großes Sängerlexikon. 4., erweiterte und aktualisierte Aufl., München 2003, Bd. 4, S. 2825
- Taufen-Duplikate 1841 der Linzer Stadtpfarre, pag. 14