Keldorfer, Brüder
Max (Maximilian Robert): * 28.4.1864 Salzburg, Salzburg/A, †
3.1.1939 Wien/A. Polizeibeamter, Chordirigent, Komponist.
Erste Ausbildung am
Salzburger Franziskaner Chor, 1874–1878 Wiener Sängerknabe und Schüler von Bruckner und Rudolf Bibl. Nach seinem Jus-Studium in
Salzburg trat er 1888 in den Salzburger Landesdienst ein und kam 1892 zur
Polizeidirektion nach Wien. Ab 1897 war er hier als
Chormeister und ab 1922 auch als Chordirigent an St. Elisabeth (Wien, 4. Bezirk)
tätig.
Werke
- Orchesterwerke
- Kirchenmusik
- Männerchöre
- Lieder
Viktor (Josef): * 14.4.1873 Salzburg, Salzburg/A, † 28.1.1959
Wien/A. Chordirigent, Komponist und Lehrer.
Nach dem Studium an der
Lehrerbildungsanstalt und am Mozarteum in Salzburg lebte er ab 1892 als Lehrer und
Chordirigent in Wien. Ab 1893 war er Mitglied, 1909/10 Chormeister-Stellvertreter
und 1910–1921 als Nachfolger von Eduard
Kremser Chormeister des Wiener
Männergesang-Vereins, mit dem er zahlreiche Konzertreisen
unternahm. 1922–1938 und 1945–1952 war er Chormeister des Wiener Schubertbundes.
Außerdem Juror bei Sängerfesten und
Wettbewerben, Mitglied des humoristischen Udel-Quartetts
und Begründer des Keldorfer-Quartetts. Als Höhepunkt seiner
Tätigkeit als Dirigent und Chorerzieher leitete er 1928 im Rahmen des 10. Deutschen Sängerbundesfestes in Wien die drei
Hauptaufführungen mit jeweils 40.000 Sängern. Als Komponist blieb er der Romantik verhaftet. 1897 war er
Gründungsmitglied der AKM (Autoren, Komponisten und Musikverleger reg. Gen.
mbH).
Keldorfer lernte Bruckner 1892 persönlich kennen und sang als Mitglied des Wiener Männergesang-Vereins wahrscheinlich auch 1893 bei der Uraufführung von Helgoland mit. 1911 leitete er die Uraufführung von Abendzauber. Keldorfer veranstaltete eigene „Bruckner-Konzerte“ und gab bei der Universal Edition u. a. auch Werke Bruckners heraus (Bearbeitungen). Auf seine Initiative hin wurde in Wien 1924 am Haus in der Heßgasse 7, 1. Bezirk (Wohnungen) eine Bruckner-Gedenktafel mit einem Relief von Robert Ullmann (IKO 148) enthüllt.
Viktors Sohn Robert Franz Victor Marie (* 10.8.1901 Wien/A, † 13.9.1980 Klagenfurt, Kärnten/A) leitete 1930–1939 das Linzer Brucknerkonservatorium und war 1931–1941 Chormeister des Sängerbunds „Frohsinn“ (Liedertafel „Frohsinn“). 1937 begleitete er Maria Stitz (1904–1983) bei der ersten öffentlichen Aufführung von Bruckners Herbstkummer.
Werke
- Kirchenmusik
- Duette, Terzette, Quartette
- Chöre v. a. für Männerstimmen, Wahlsprüche für Chöre
- Lieder
- Editionen von Werken Franz Schuberts, Johann und Josef Strauss‘ sowie Bruckners
Literatur
- Paul Frank/Wilhelm Altmann (Hg.), Kurzgefaßtes Tonkünstler-Lexikon für Musiker und Freunde der Musik. Regensburg 1936, S. 291
- Otto Dobrowolny, Viktor Keldorfer. Leben und Wirken eines österreichischen Künstlers. Anläßlich seines 50jährigen Dirigenten-Jubiläums 1947 im Auftrage des Wiener Schubertbundes. Wien 1947
- Hans Jancik, Art. „Keldorfer, Viktor“, in: MGG¹Friedrich Blume (Hg.), Die Musik in Geschichte und Gegenwart. Allgemeine Enzyklopädie der Musik. 17 Bde. Kassel u. a. 1949–1986 7 (1958), Sp. 802ff.
- Art. „Keldorfer“, in: RiemannHugo Riemann, Musik-Lexikon (Riemann Musik Lexikon). 1.-12. Aufl. Mainz 1882-1975 1959, S. 910f.
- Hermine Lutz, Viktor Keldorfer. Vom Favoritner Lehrer zum weltberühmten Chordirigenten (Favoritner Museumsblätter 13). Wien 1988
- Bruckner-Ikonographie IRenate Grasberger, Bruckner-Ikonographie. Teil 1: Um 1854 bis 1924 (Anton Bruckner. Dokumente und Studien 7). Graz 1990
- Art. „Keldorfer, Viktor“, in: CzeikeFelix Czeike (Hg.), Historisches Lexikon Wien. 6 Bde. Wien 1992–2004. Online abrufbar unter: 3 (1994), S. 488f.
- Bruckner – skizziertRenate Grasberger/Erich Wolfgang Partsch, Bruckner – skizziert. Ein Porträt in ausgewählten Erinnerungen und Anekdoten (Anton Bruckner. Dokumente und Studien 8). 2., verbesserte Aufl. Wien 1996, S. 140
- William D. Gudger, Art. „Keldorfer, Viktor (Josef)“, in: NGroveD²Stanley Sadie (Hg.), The New Grove Dictionary of Music and Musicians. 29 Bde. 2. Ausgabe. London 2001 13 (2001), S. 456
- Fred K. Prieberg, Handbuch Deutsche Musiker 1933–1945. Auprès des Zombry ²2009 [CD-ROM], S. 3885f.
- Christian Fastl, Art. „Keldorfer, Familie“, in: www.musiklexikon.ac.at [6.9.2021]
