Der Abendhimmel (WAB 55) „Wenn ich an deiner Seite im Abenddunkel geh'“
Männerquartett a cappella in As‑Dur, „Feierlich, gemäßigt“
| Text: | Joseph Christian Freiherr von Zedlitz |
| EZ: | vollendet im Jänner 1862 in Linz |
| W: | Anton Munsch, Anton Stiefler, Eduard Benoni, Mathias Weißmann („Meinen lieben Freunden gewidmet, den Herren P. T. Munsch 1. Tenor, Dr. Stifler 2. Tenor, Dr. Benoni 1. Baß, Dr. Weinmann 2. Baß“) |
| UA: | (angeblich, lt. Linzer Tages-Post 4.7.1900, S. 4) 4.7.1900 in Linz, Märzenkeller (als Männerchor; Liedertafel „Frohsinn“; Franz Prammer) |
| Aut.: | ÖNB‑MS (Mus.Hs.6089, früher in Besitz von Engelbert Lanz) |
| ED: | Göll.-A.August Göllerich/Max Auer, Anton Bruckner. Ein Lebens- und Schaffensbild (Deutsche Musikbücherei 36–39). 4 Bde. (in 9 Teilbänden [1, 2/1–2, 3/1–2, 4/1–4]). Regensburg 1922–1937, unveränd. Nachdruck 1974 3/2, S. 18ff. (1930) |
| NGA: | Band XXIII/2 (Angela Pachovsky/Anton Reinthaler, 2001) |
Es handelt sich um eine Gelegenheitskomposition im Stil der in der Liedersammlung Regensburger Liederkranz vertretenen Werke, deren Text Bruckner 1866 ein zweites Mal als Männerchor vertonte (Der Abendhimmel [WAB 56]). Der „patriarchalische[r] Tonsatz“ (Göll.-A. 3/1, S. 125) auf der Höhe der damaligen Männerchorliteratur deutet in keiner Weise auf Bruckners spätere Eigenart hin. Bruckner komponierte das dreistrophige Lied im 6/8‑Takt durch, gliederte es jedoch in drei Abschnitte; die vier Männerstimmen sind homophon gehalten. Im p beginnend und im pp endend, werden einige Textstellen im f hervorgehoben („tausend Sterne“, „und drücken an meine Brust“, „die Sterne herunterlangen“, „ich möchte‘ dich schmücken“). Denselben Text vertonten u. a. auch Moritz Edler von Mayfeld, Adolf Müller jun. (1839–1901) und Johann Vesque von Püttlingen (1803–1883).
Der Rezensent der Linzer Zeitung sprach von „einer herrlichen Schöpfung unseres heimischen Meisters Dr. Anton Bruckner, der darin seinem tiefen Empfinden durch Töne Ausdruck gab, die mit ihrer Schönheit, Innigkeit und Klangfülle die Herzen aller zu bestricken vermögen.“ (7.7.1900, S. 2). Das heute weitgehend vergessene Männerquartett erlebte nur wenige Aufführungen, u. a. mit der Liedertafel „Frohsinn“ (bis 1903), anlässlich der Brucknerfeier der Universität Wien am 20.11.1924, einige Male im Wiener Konzerthaus (7.12.1958, 28.4.1990, 6.12.1995, 17.11.1996) und am 4.9.2005 in Linz. 1996 sang der Chorus Viennensis unter Guido Mancusi (* 1966) dieses Werk erstmals auf CD ein.
Literatur
- [Linzer] Tages-Post 4.7.1900, S. 4
- Linzer Zeitung 7.7.1900, S. 2
- Göll.-A.August Göllerich/Max Auer, Anton Bruckner. Ein Lebens- und Schaffensbild (Deutsche Musikbücherei 36–39). 4 Bde. (in 9 Teilbänden [1, 2/1–2, 3/1–2, 4/1–4]). Regensburg 1922–1937, unveränd. Nachdruck 1974 3/1, S. 124ff.
- The Manuscript SourcesPaul Hawkshaw, The Manuscript Sources for Anton Bruckner‘s Linz Works. A Study of his Working Methods from 1856 to 1868. Diss. New York City 1984, S. 268f.
- Ivana Rentsch, Weltliche Vokalmusik, in: Bruckner-Handbuch 2010Hans-Joachim Hinrichsen (Hg.), Bruckner-Handbuch. Stuttgart–Weimar 2010, S. 290–309