Lanz, Engelbert
* 23.9.1820 Waizenkirchen, Oberösterreich/A, † 12.10.1904 Linz, Oberösterreich/A. Lehrer, Komponist und Chorleiter.
Nach Besuch des Präparandenkurses in Linz trat er 1838 in der Kremsmünsterer Stiftspfarre Buchkirchen in den Lehrdienst. An der Zuteilung dieses Postens dürfte maßgeblich sein Bruder (Franz) Alois (* 25.3.1815 Waizenkirchen, † 18.8.1849 Mainz, Rheinland-Pfalz/D; Opernsänger, Gesanglehrer) mitgewirkt haben, der 1832–1834 in Kremsmünster die philosophischen Studien absolviert hatte und bei der Stiftsmusik mitwirkte. Bald wurde Engelbert Lanz nach Kirchberg bei Kremsmünster versetzt und zugleich in der Stiftsverwaltung als Kanzlist angestellt, wo er mit Alois an den dortigen Musikaufführungen teilnahm. 1843 bewarb er sich erfolglos um die Nachfolge Johann Baptist Schiedermayrs als Dom- und Stadtpfarrorganist in Linz (Wenzel Pranghofer erhielt den Posten). 1845 gründete Lanz eine aus mehr als 20 Sängern bestehende Liedertafel, mit der er auch eigene Werke erfolgreich aufführte. 1847 kam er als Schulgehilfe an die Hauptschule in Kremsmünster und übernahm den Musikunterricht im Konvikt; 1853 rückte er zum Lehrer auf.
1855 ging Lanz als Lehrer an die Normal-Hauptschule (später Lehrerbildungsanstalt) in Linz. Im selben Jahr war er, zusammen mit Bruckner, erneut einer der Kompetenten um die ausgeschriebene Stelle eines Dom- und Stadtpfarrorganisten (Orgel). Während der Konferenz nach dem Probespiel zur provisorischen Besetzung des Postens, die im Bischofshof stattfand, soll Georg Arminger sich zugunsten von Lanz ausgesprochen haben, Johann August Dürrnberger jedoch für Bruckner, worauf Bischof Franz Joseph Rudigier entschieden haben soll: „Das Urteil des Herrn Dürrnberger ist mir kompetent und ich bin für Herrn Bruckner.“ (Göll.-A. 2/1, S. 191). Bruckner siegte zwar, doch auch Lanz‘ Ruf als gediegener Musiker verbreitete sich rasch. 1859 schien er, zusammen mit Bruckner, an die Gründung einer „Gesangs-Akademie“ gedacht zu haben (Bewerbungen); die beiden Bewerber zogen die Eingabe an die Statthalterei jedoch nach wenigen Wochen zurück. Vom Herbst 1861 bis 11.8.1863 wirkte Lanz in der Nachfolge Bruckners als Chormeister der Liedertafel „Frohsinn“. Daneben wurde er auch Direktor des Linzer Musikvereins und Mitglied des Männergesang-Vereins „Sängerbund“. Zur Feier der Grundsteinlegung des Neuen Doms am 1.5.1862 wurde neben Bruckners Festkantate sein achtstimmiges Offertorium Misit Deus aufgeführt. 1869 erwarb er sich große Verdienste durch die Einstudierung der Uraufführung von Bruckners Messe in e-Moll.
Anfang Juni 1864 verbrachte er mit Bruckner drei Tage auf Schloss Dachsberg bei Eferding (Gemeinde Prambachkirchen), wo sie gemeinsam musizierten. 1872 vermittelte er Bruckner ein Treffen mit Franz Liszt im Wiener Schottenhof (s. dazu Zweite Symphonie).
Werke
- Messen und andere kirchenmusikalische Werke (125. Psalm „Als der Herr die Gefangenen“ für Chor und Orchester, Kantate Himmelan den Flug, Offertorien, Gradualien, Tantum ergo)
- Chormusik
- Lieder für eine oder mehrere Singstimme(n) mit Pianofortebegleitung
Literatur
- Göll.-A.August Göllerich/Max Auer, Anton Bruckner. Ein Lebens- und Schaffensbild (Deutsche Musikbücherei 36–39). 4 Bde. (in 9 Teilbänden [1, 2/1–2, 3/1–2, 4/1–4]). Regensburg 1922–1937, unveränd. Nachdruck 1974 2/1, S. 191
- Altman Kellner, Musikgeschichte des Stiftes Kremsmünster. Kassel–Basel 1956, S. 704ff. [mit Werkverzeichnis]
- Elisabeth Maier, Anton Bruckners „Gesangs-Akademie“. Zum biographischen Umfeld eines bisher unbekannten Dokumentes, in: Bruckner-JahrbuchBruckner-Jahrbuch. (Wechselnde Herausgeber). Linz 1980ff. 1982/83, S. 89–94
- Dom- und StadtpfarrorganistElisabeth Maier, Anton Bruckner als Linzer Dom- und Stadtpfarrorganist. Aspekte einer Berufung. Mit einem Beitrag von Ikarus Kaiser (Anton Bruckner. Dokumente und Studien 15). Wien 2009
- Klaus Petermayr, Anton Bruckner in Dachsberg, in: ABIL Mitteilungen Nr. 6 (2010), S. 6f.
- Karl Schnürl/Monika Kornberger/Uwe Harten, Art. „Lanz, Familie“, in: www.musiklexikon.ac.at [21.1.2019]
- Taufbuch 1811–1823 der Pfarre Waizenkirchen, pag. 57