Männerquartette
Gesänge für vier Solostimmen verschiedener Stimmlagen (meist Tenor 1 und 2, Bass 1 und 2) mit oder ohne Begleitung (meist Klavier oder Bläser). Aufgrund der Besetzung ist ein Klang in tiefer Tonlage charakteristisch.
Die Ursprünge des Männerquartetts könnten im 16. Jahrhundert liegen, sind jedoch nicht klar ersichtlich. Eine durchgehende Entwicklung lässt sich ab dem ausgehenden 18. Jahrhundert beobachten. Für gesellige Männerrunden im privaten Rahmen entstanden ab 1788 Michael Haydns Männerquartette. Vom klösterlichen Bereich geprägt, dürfte am Beginn das Hinzufügen weiterer Stimmen zu einem einstimmigen Lied durch Improvisation gestanden sein. In Haydns Tradition blieben auch seine Schüler und Franz Schubert, der die Gattung entscheidend weiterentwickelte. Zu beobachten ist bei ihm auch eine selbstständige Klavierbegleitung. Seine Werke wurden im weiteren Verlauf des 19. Jahrhunderts auch immer öfter chorisch besetzt, wodurch sie den Charakter des Privaten und Intimen verloren und die Grenzen zum Männerchor zu verschwimmen begannen. Weitere Entwicklungsstränge des Männerquartetts gehen von Friedrich Philipp Silcher (1789–1860) und Franz Abt (1819–1885) aus. Zu beachten ist, dass Männerquartette meist für nichtprofessionelles Musizieren geschrieben wurden, somit eine entsprechende Rücksichtnahme auf die Fähigkeiten der ausführenden Sänger erfolgte. Beliebt waren auch Männerquartette komischen Inhalts, die bei Faschingsveranstaltungen und anderen Veranstaltungen von Männergesangvereinen (Gesangvereine) gesungen wurden – u. a. von Josef Brixner (1810–1899), Richard Genée (1823–1895), Josef Koch von Langentreu (1833–1905) oder Eduard Kremser.
Bruckners Beschäftigung mit Männerquartetten entsprach durchaus dem damaligen Zeitgeist, auch Johannes Brahms widmete sich der Gattung. In Kronstorf und St. Florian gründete Bruckner Männerquartette, bei denen er selbst die Bassstimme sang. Die Zahl seiner Kompositionsbeiträge zur Gattung blieb aber – im Gegensatz zu den Männerchören – überschaubar. Sämtliche Männerquartette Bruckners sind für eine a cappella-Ausführung gedacht.
Chronologie der Männerquartette von Bruckner
| um 1846 | Ständchen (WAB 84,2) |
| um 1848 | Sternschnuppen (WAB 85) |
| 1862 | Der Abendhimmel (WAB 55) |
| 1889 | „Heut kommt ja Freund Klose zum Gause“ (WAB 203) |
„Du bist wie eine Blume“ (WAB 64) schrieb Bruckner 1861 für ein gemischtes Vokalquartett (SATB).
Literatur
- Josef Jernek, Der österreichische Männergesang im 19. Jahrhundert. Diss. Wien 1937
- Gerd Rienäcker, Art. „Quartett“, in: MGG²Ludwig Finscher (Hg.), Die Musik in Geschichte und Gegenwart. Allgemeine Enzyklopädie der Musik. 29 Bde. (Sach- und Personenteil). 2. neubearb. Ausgabe. Kassel u. a. 1994–2008 7 (1997), Sp. 1932–1937
- Margret Jestremski, Mehrstimmige Gesänge, in: Ernst Hilmar/Margret Jestremski (Hg.), Schubert-Enzyklopädie 2 (Veröffentlichungen des Internationalen Franz Schubert Instituts 14). Tutzing 2004, S. 474ff.
- Bruckner-Handbuch 2010Hans-Joachim Hinrichsen (Hg.), Bruckner-Handbuch. Stuttgart–Weimar 2010
- Christian Fastl, Art. „Männerchor“, in: www.musiklexikon.ac.at [4.3.2020]