Fiedler, (Adolph) Konrad
* 24.9.1841 Oederan, Sachsen/D, † 3.6.1895 München, Bayern/D. Jurist, Kunsttheoretiker und Mäzen.
Er verbrachte seine Kindheit auf dem väterlichen Gut Crostewitz bei Leipzig und besuchte bis 1861 die Fürstenschule in Meißen. Anschließend Jus-Studium in Heidelberg, Berlin und Leipzig (Promotion 1865). Nach einjähriger Tätigkeit bei einem Rechtsanwalt widmete er sich, finanziell unabhängig, ganz der bildenden Kunst, Philosophie, Musik und Literatur. Ab 1880 lebte er vornehmlich in München. Auf zahlreichen Reisen zu den wichtigsten Kunststädten lernte er die Maler Hans von Marées (1837–1887) und Anselm Feuerbach (1829–1880), von denen er den Erstgenannten entscheidend förderte, den Bildhauer Adolf von Hildebrand (1847–1921), später auch Franz von Lenbach (1836–1904) und Hans Thoma (1839–1924) näher kennen. Zudem war er mit der Familie Wagner und Engelbert Humperdinck (1854–1921) befreundet.
Fiedler hörte die Uraufführung der Siebenten Symphonie unter Arthur Nikisch am 30.12.1884 in Leipzig und berichtete sicherlich seinem Freund Hermann Levi darüber. Auch bei der Münchner Erstaufführung am 10.3.1885 und der anschließenden abendlichen Feier zu Ehren Bruckners in den Clubräumen der Künstlergesellschaft Allotria war er anwesend. Am 9. und 12. März aß Bruckner in einem kleineren Kreis im Hause Fiedler zu Abend und wohnte dort am 12. März auch einer Matinee bei, bei der das Streichquintett in F-Dur gespielt wurde. Nach der Abreise Bruckners wurde das Streichquintett in F-Dur bei Fiedler am 30.3.1885, einen Tag vor der öffentlichen Aufführung, unter der Anleitung Levis nochmals gründlich geprobt und gleich zweimal gespielt. Am 8.4.1886 erklang es erneut bei Fiedler, nun wieder in Anwesenheit Bruckners. Am 10.12.1890 hörte Fiedler in München auch die Vierte Symphonie. Noch 1885 steuerte Fiedler zusammen mit Levi und Waldemar Lobo da Silveira Graf von Oriola 1.000 Mark zum Erstdruck der Siebenten Symphonie bei.
Schriften
- Über die Beurtheilung von Werken der bildenden Kunst. Leipzig 1876
- Der Ursprung der künstlerischen Thätigkeit. Leipzig 1887
- Hans von Marées. Seinem Andenken gewidmet. München 1889
Literatur
- Göll.-A.August Göllerich/Max Auer, Anton Bruckner. Ein Lebens- und Schaffensbild (Deutsche Musikbücherei 36–39). 4 Bde. (in 9 Teilbänden [1, 2/1–2, 3/1–2, 4/1–4]). Regensburg 1922–1937, unveränd. Nachdruck 1974 4/2, S. 278f., 281, 285, 301
- Arthur von Schneider, Art. „Fiedler, Adolph Konrad“, in: NDBNeue deutsche Biographie. Hg. v. der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Berlin 1953ff. 5 (1961), S. 140f.
- Robert Münster, Musik im Museum. Ein Streifzug durch 115 Jahre Konzertleben im Palais Portia, in: Elfi M. Haller (Red.), Zwei Münchner Adelspalais. Palais Portia, Palais Preysing. München 1984, S. 61–83
- Robert Münster, Aus Anton Bruckners Münchner Freundes- und Bekanntenkreis 1863–1886, in: Bruckner-Symposion 1994Othmar Wessely u. a. (Hg.), Bruckner-Symposion. Bruckner-Freunde – Bruckner-Kenner. Im Rahmen des Internationalen Brucknerfestes Linz 1994. 21.–25. September 1994. Bericht. Linz 1997, S. 161–173, s. S. 163f., 166ff.
- Briefe IIAndrea Harrandt/Otto Schneider (Hg.), Briefe von, an und über Anton Bruckner. Bd. II. 1887–1896 (NGA XXIV/2). Wien 2003
- Bruckner in MünchenGertrude Quast-Benesch, Anton Bruckner in München. Tutzing 2006
- Briefe IAndrea Harrandt/Otto Schneider (Hg.), Briefe von, an und über Anton Bruckner. Bd. I. 1852–1886 (NGA XXIV/1). 2., rev. und verbesserte Aufl. Wien 2009
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