Marböck, Familie

Joseph Paul Johannes Anton: * 22.11.1805 Hall in Tirol, Tirol/A, † 12.5.1874 Melk, Niederösterreich/A. Bezirksrichter, Notar.
Sohn des Lehrers Anton Marböck, lebte ab den 1840er Jahren in Ebelsberg bei Linz, wo er als Pfleger im Rahmen der Patrimonialgerichtsbarkeit bei Baron Kast wirkte und im Hause auch regelmäßig musizierte. 1848 endete diese berufliche Tätigkeit und Marböck kam als Distriktskommissär und Bezirksrichter nach St. Florian. 1854–1873 Notar in St. Florian. Gemeinsam mit Andreas Schlager gehörte er der Direktion der 1856 eröffneten Sparkasse der Gemeinden St. Florian, Ebelsberg, Ansfelden, Niederneukirchen und Hofkirchen an. Ab 21.5.1844 mit der Melker Kaufmannstochter Maria Anna Eva Seeböck (get. 20.6.1813 Melk, † 24.2.1895 Melk) verheiratet.

Ihre Kinder
Maria Eva Anna Cäcilia: * 15.4.1846 Ebelsberg, Oberösterreich/A, † 5.2.1917 Melk, Niederösterreich/A.
Wohnte in Melk, Rathausplatz 12. Sie heiratete am 8.8.1895, nach dem Tod von dessen erster Frau Pauline, geb. Pfersmann von Eichthal (* ca. 1819 Triest/I, † 24.7.1895 Wien/A), den k. k. Feldmarschall-Leutnant Johann Bit(t)ermann Edler von Mannsthal (* 12.5.1806 Brünn/Mähren [Brno/CZ], † 9.6.1899 Melk).

Josef Anton Wolfgang: * 24.10.1847 Ebelsberg, Oberösterreich/A, † 17.10.1929 Melk, Niederösterreich/A. Bezirksrichter.
War zunächst Gerichtsadjunkt in Schwechat, dann Gerichtsvorsteher in Ebreichsdorf; Ehrenbürger von Ebreichsdorf, Ebergassing und etlichen anderen Orten der Umgebung; Ehrenmitglied etlicher Vereine, Realitätenbesitzer. Er ging als Landesgerichtsrat in Pension, war unverheiratet.

Anton Georg Camillo: * 29.12.1849 Ebelsberg, Oberösterreich/A, † 14.10.1923 Melk, Niederösterreich/A. Kaufmann.
Privatier, Stadtgemeinderat und Kaufmann in Melk, Haus Nr. 102 (das Seeböckhaus mit der „Brucknertafel“, heute Hauptstraße 12; Gedenkstätten); ab 24.6.1901 mit der verwitweten Kaufmannstochter Caroline Pischinger (* 26.10.1858 Wien/A, † ?) verheiratet.

(Franz) Moritz: * 23.8.1852 St. Florian, Oberösterreich/A, † 20.1.1922 Melk, Niederösterreich/A. Kaufmann.
Hatte einen Tabakverschleiß in Hieflau. Ab 16.11.1893 mit Emma Maria Pichler (* 30.12.1870 Mandorf bei Kötschach, Kärnten/A, † 9.11.1945 Melk) verheiratet. Zwei Jahre vor seinem Tod völlige Erblindung; er starb in Melk, Roseggerstraße 243.

Cäcilia Crescentia Eva: * 19.1.1857 St. Florian, Oberösterreich/A, † 29.6.1942 Melk, Niederösterreich/A.
War nicht verheiratet und lebte als Private in Melk, Rathausplatz 12.

Joseph Marböck machte in St. Florian die Bekanntschaft mit Bruckner, die sich bald in eine Freundschaft wandelte. Bruckner erteilte den Marböck-Kindern Klavierunterricht (Schülerinnen und Schüler) und komponierte 1853–1855 für Maria und Josef Drei kleine Stücke für Klavier zu vier Händen (Widmungsträger), die jeweils bei Familienfesten (z. B. Namenstag) von den Kindern vorgetragen wurden; sie lassen den Fortschritt der sichtlich begabten Kinder erkennen, zeigen aber auch das pädagogische Geschick ihres Lehrers Bruckner. 1859 übersiedelte die Familie nach Melk, wo sie Bruckner auch noch in späteren Jahren besuchte.

Moritz und Cäcilia („Lia“) trafen Bruckner des Öfteren in Wien. Die Unterlagen aus der Zeit der Freundschaft mit Bruckner gingen leider verloren, da zur Zeit des Zweiten Weltkrieges im Zuge von Dachbodenräumungen im Melker Haus wertvolle Dokumente vernichtet wurden. Mündlich überlieferte Anekdoten hielt Anny von Newald-Grasse fest.

Literatur
  • † Pauline Bitermann v. Mannsthal, in: Neue Freie Presse 26.7.1895, S. 14
  • Anny v. Newald-Grasse, Neue Bruckneriana, in: Wiener Zeitschrift für Musik 1 (1908) H. 4, S. 57–62
  • Anny v. Newald-Grasse, Anekdotisches von Bruckner, in: Der Merker 6 (1915), S. 190–194
  • Josef Lorenz Wenzl, Neue Bruckneriana. Auf Bruckners Lebenswegen. Drei Jugendwerke des Meisters, in: Neue Zeitschrift für Musik 92 (1925) H. 11, S. 653ff.
  • Göll.-A.August Göllerich/Max Auer, Anton Bruckner. Ein Lebens- und Schaffensbild (Deutsche Musikbücherei 36–39). 4 Bde. (in 9 Teilbänden [1, 2/1–2, 3/1–2, 4/1–4]). Regensburg 1922–1937, unveränd. Nachdruck 1974 2/1, S. 149–152
  • Max Auer, Anton Bruckner. Sein Leben und Werk. Zürich–Wien 1932, S. 80f.
  • Frida Reingruber, „Randbemerkungen“ zu Anton Bruckners Klavierstücken für vier Hände. (Ein Gemälde, Marie und Josef Marböck im zarten Kindesalter darstellend), in: Bruckner-JahrbuchBruckner-Jahrbuch. (Wechselnde Herausgeber). Linz 1980ff. 1987/88, S. 79f.
  • ABCD
  • Taufbuch 1784–1817 der Pfarre Melk, pag. 178
  • Taufbuch 1793–1824 der Pfarre Hall in Tirol, 1805, pag. 266
  • Trauungsbuch 1827–1864 der Pfarre Melk, fol. 70
  • Taufbuch-Duplikat der Pfarre Linz-Ebelsberg, 1846, [pag. 5], 1847, [pag. 9], 1849, [pag. 15]
  • Taufbuch-Duplikat der Pfarre St. Florian bei Linz, 1852, [pag. 9], 1857 [pag. 2]
  • Sterbebuch der Pfarre Melk, 1856–1875, fol. 263, 1876–1900, fol. 187, 247, 1909–1917, fol. 233, 1918–1924, fol. 154, 186, 1924–1932, fol. 123
  • Taufbuch 1840–1874 der Pfarre Kötschach, fol. 162
  • Trauungsbuch 1879–1904 der Pfarre Melk, fol. 110, 146
  • Trauungsbuch 1882–1924 der Pfarre Kötschach, 1893, fol. 35

ANDREA SINGER

Zuletzt inhaltlich bearbeitet: 1.7.2020

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