Festgesang (WAB 15) „Sankt Jodok sproß aus edlem Stamme“
Kantate für vierstimmigen gemischten Chor, S-, T-, B-Solo und Klavier in C‑Dur
| Sätze: | Rezitativ und Arie, B; Chor: „Ziemlich langsam“; Arie, S: „Langsam, mit Gefühl“; Rezitativ, T; Schlusschor: „Mäßig langsam“ |
| Text: | unbekannt |
| EZ: | Spätherbst 1855 in St. Florian, vollendet 6.12.1855 |
| W: | Jodok Stülz („[…] zur hohen Namensfeier Sr Hochw. H. Stiftsdechant u Pfarrer Jodock Stülz.“) |
| UA: | vermutlich Dezember 1855 in St. Florian |
| Aut.: | Stift St. Florian, Bruckner‑Archiv (19/9a) |
| ED: | Göll.-A.August Göllerich/Max Auer, Anton Bruckner. Ein Lebens- und Schaffensbild (Deutsche Musikbücherei 36–39). 4 Bde. (in 9 Teilbänden [1, 2/1–2, 3/1–2, 4/1–4]). Regensburg 1922–1937, unveränd. Nachdruck 1974 2/2, S. 241–254 (1928; Faksimile) |
| NGA: | Band XXII/1 (Franz Burkhart/Rudolf H. Führer/Leopold Nowak, 1987) |
Die Fertigstellung der Partitur fällt in die Zeit der Bestellung Bruckners als provisorischer Dom- und Stadtpfarrorganist in Linz (Probespiel im Alten Dom: 13.11., erster Orgeldienst im Dom: 8.12.1855). Abweichend vom Titelblatt ist die Komposition auf der 1. Notenseite mit „Festlied“ bezeichnet. Eine allfällige Wiedergabe erfolgte am Namenstag des Widmungsträgers (13.12. oder am Vorabend) im Stift im Rahmen eines gemischten Programmes, wie es seinerzeit üblich war und überliefert ist. Das Werk, als Auftrag oder aus freien Stücken geschrieben, war primär für die Namenstagfeier bestimmt. Für Bruckner selbst bildete es das Abschiedsgeschenk an den ihm durch viele Jahre vertrauten, väterlich-wohlwollenden Chorherrn Stülz. Der Sängerknabe und Volksschüler Bruckner kannte den Priester als Kooperator (1824–1843), der St. Florianer Lehrer Bruckner erlebte ihn aber schon als Pfarrer (1843–1859) und damit als einen direkten Vorgesetzten; seit 1854 war Stülz Stiftsdechant.
Musikalisch blickt die sechsteilige Kantate – stilistisch dem Musikalischen Versuch nahe stehend – mit je zwei Rezitativen, Arien und Chören eher auf vergangene (Generalbass-)Zeiten zurück, als dass das Werk schon eigenen Vorstellungen des Komponisten freien Lauf lässt. So verwendete der Komponist im ersten Rezitativ die Generalbassbezifferung. Die Arien erinnern an barocke Vorbilder, wo häufig konzertierende Melodieinstrumente zum generalbassbegleiteten Sologesang musizieren. Die Chorsätze – etwa in der Nachfolge eines Michael Haydn – verweisen in imitatorischen Abschnitten auf den Kontrapunktiker.
Die Partitur wurde 1921 durch den St. Florianer Regens chori Franz Xaver Müller wiederentdeckt. Aufführungen sind seither nicht bekannt geworden.
Literatur
- Göll.-A.August Göllerich/Max Auer, Anton Bruckner. Ein Lebens- und Schaffensbild (Deutsche Musikbücherei 36–39). 4 Bde. (in 9 Teilbänden [1, 2/1–2, 3/1–2, 4/1–4]). Regensburg 1922–1937, unveränd. Nachdruck 1974 2/1, S. 205–208, 370
- Ivana Rentsch, Weltliche Vokalmusik, in: Bruckner-Handbuch 2010Hans-Joachim Hinrichsen (Hg.), Bruckner-Handbuch. Stuttgart–Weimar 2010, S. 290–309
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