Mazzuca, Giuseppe

* 1939 Cosenza/I, † 14.1.2017 Ardea/I. Komponist, Librettist und Musikwissenschaftler.

Giuseppe Mazzuca studierte 1957–1960 am Conservatorio Giovanni Battista Martini in Bologna und anschließend am Conservatorio Santa Cecilia in Rom Komposition, elektronische Komposition, Musikgeschichte und Musikästhetik. Mazzuca komponierte für Theater und Film sowie für die Plattenfirma RCA Italiana in Rom. Mehrere Jahre lehrte er an den Musikhochschulen in Perugia und Latina. Mit Nicola Samale komponierte er nicht nur für den Film, sondern sie vervollständigten unter anderem die Zehnte Symphonie von Gustav Mahler (2001). Als Musikwissenschaftler fokussierte er sich auf die Musik des 19. Jahrhunderts und der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wie etwa auf die Komponisten Gioachino Rossini (1792–1868) und Béla Bartók (1881–1945).

Wie und wann Mazzuca erstmals mit Bruckners Œuvre in Berührung kam, ist bisher nicht eruierbar. Gemeinsam mit Samale, mit dem er bereits 1976 die Filmmusik zu Signore e signori, Buonanotte komponierte, beschäftigte er sich 1979–1985 mit der Vervollständigung des Finale-Fragments der Neunten Symphonie in d-Moll. Die dabei entstandene Ricostruzione (1985) legten sie zusammen mit einer 37-seitigen Einleitung „Introduzione“ vor, die bei Ricordi (ca. 1985/86) erschienen ist. Für ihre Rekonstruktion griffen Mazzuca und Samale auf die von Alfred Orel herausgegebene Ausgabe des Skizzenmaterials zurück. Ihre 711 Takte umfassende und durch ein Analogieverfahren entstandene Vervollständigung weist mit 113 Takten einen hohen kompositorischen Eigenanteil auf, wie zum Beispiel die kontrapunktische Umkehrung des Choralthemas aus der Exposition in der Choralreprise, die nach Max Auer mündlich tradierte Überlagerung der Themen aller vier Sätze oder das von Samale komponierte Choralthema als Schlusskadenz. Erstmals eingespielt wurde die Einrichtung im Dezember 1985 durch das Symphonieorchester des Hessischen Rundfunks unter Eliahu Inbal (* 1936) in Frankfurt, die am 3.1.1986 im HR gesendet wurde. Die erste öffentliche Vorführung fand am 18.2.1986 durch das Radio-Symphonie-Orchester Berlin unter Peter Gülke in einem Werkstattkonzert des Sender Freies Berlin mit einer anschließenden, von Peter Ruzicka geleiteten, Diskussionsrunde statt, an der neben Samale, Mazzuca und Gülke auch Harry Halbreich und Rudolf Stephan mitwirkten. Eine weitere Einspielung fand unter Gennadij Rozhdestvenskij (1931–2018) für Melodiya statt. Weitere Aufführungen bzw. Einspielungen der Mazzuca/Samale-Fassung unter Inbal fanden im Mai 1986 gemeinsam mit dem Radio-Symphonie-Orchester Mailand im Mailänder Konservatorium, im September desselben Jahres mit dem Symphonieorchester des Hessischen Rundfunks in der Alten Oper Frankfurt und im Oktober 1987 mit dem Radio-Sinfonie-Orchester Frankfurt ebenda statt. Darüber hinaus präsentierten Mazzuca und Samale ihre Erkenntnisse zur Fertigstellung des Finales im Mai 1987 bei einem Symposium im Österreichischen Kulturinstitut in Rom, bei dem auch die Vervollständigungen des Finales von William Carragan und Ernst Märzendorfer vorgestellt wurden. Nachdem Mazzuca nach der Ricostruzione (1985) an keiner daran fortführenden Arbeit interessiert war, arbeitete Samale gemeinsam mit Benjamin-Gunnar Cohrs (ab 1986) und John Alan Phillips (ab 1990) an der Weiterentwicklung der Vervollständigung des Finales bis 2012. Im Zuge dieser Arbeiten wurde die ursprüngliche Mazzuca/Samale-Fassung 1992 zurückgezogen.

Werke
  • Theater- und Filmmusik (u.a. für den Film Mesdames et Messieurs bonsoir [1976])
  • Bearbeitungen/Vervollständigungen: Anton Bruckners Finale der Neunten Symphonie (gemeinsam mit Nicola Samale 1983–1985: 1986 Veröffentlichung der „Ricostruzione“), Gustav Mahlers Zehnte Symphonie (2001).
Schriften
  • (gem. mit Nicola Samale), Introduzione al finale della Nona Sinfonia di Anton Bruckner, Milano 1987
Literatur

KAROLINE HOCHSTÖGER, EVELYN SZABO

Zuletzt inhaltlich bearbeitet: 20.12.2021

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Normdaten (GND)

Mazzuca, Giuseppe: 1125741341

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ACDH, Abteilung Musikwissenschaft