Märzendorfer, Ernst

*26.5.1921 Oberndorf, Salzburg/A, † 16.9.2009 Wien/A. Dirigent, Komponist, Musikforscher.

Ab 1931 war Ernst Märzendorfer Schüler in Graz und wurde in der Kapellmeisterschule und in Komposition bei Robert Wagner (1915–2008) ausgebildet, weitere Studien bei Clemens Krauss am Mozarteum in Salzburg folgten. Seine berufliche Laufbahn begann er 1940 als Kapellmeister am Opernhaus Graz. Anschließend war Märzendorfer an verschiedenen Opern- und Konzerthäusern als Dirigent oder Kapellmeister tätig: Teatro Colón in Buenos Aires (Argentinien), Mozarteum-Orchester (1951 Italienreise, 1953–1958), Städtische Oper (heute: Deutsche Oper) in Berlin (1958–1961), Wiener Staatsoper (ab 1969, letzter Auftritt 2007, Debüt Rigoletto 1959, Gastdirigent ab 1966). Auch wirkte Märzendorfer an mehreren Wiener Konzert- und Theaterhäusern und bei diversen Festspielen: Wiener Konzerthaus (1946–1992), Wiener Musikverein (1952–1983), Wiener Volksoper (1971–2009), Salzburger Festspiele (1954–1982), Wiener Festwochen, Bregenzer Festspiele und Opernfestspiele in St. Margareten. 1976–1993 hatte er die musikalische Leitung des Festes in Hellbrunn inne. Auch international war Märzendorfer als Dirigent aktiv, sowohl in Europa als auch in Japan und New York. Märzendorfer wirkte bei zahlreichen Ur- und Erstaufführungen mit, darunter Gottfried von Einems (1918–1996) Medusa, Hans Werner Henzes (1926–2012) Tancredi oder Richard Strauss’ Des Esels Schatten. 1991 erhielt er das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst und 2006 das Große Silberne Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich. Ab 2003 war er Präsident der Internationalen Richard Strauss-Gesellschaft.

Das erste unter Märzendorfers Leitung aufgeführte Brucknersche Werk dürfte die Dritte Symphonie mit dem Niederösterreichischen Tonkünstler-Orchester am 1.3.1962 in Steyr gewesen sein. In den darauffolgenden Jahren dirigiert Märzendorfer ebenfalls die Vierte Symphonie (9.–11.5.1963, Wiener Konzerthaus) sowie die Erste Symphonie (4.–6.12.1966, Grazer Philharmonisches Orchester) und die Zweite Symphonie (9.–11.3.1965, Grazer Philharmonisches Orchester), ehe er von 23.–25.11.1969 die Neunte Symphonie aufführte. Der mit Leopold Nowak befreundete Komponist griff bei seiner Rekonstruktion des Finalsatzes sowohl auf die von Alfred Orel herausgegebene Ausgabe als auch auf Handschriften aus der Österreichischen Nationalbibliothek sowie der Wienbibliothek im Rathaus zurück und kommentierte seine Beobachtungen wie folgt: „Dabei wurde mir klar, dass dieser Satz wirklich fertig gewesen sein musste, als Bruckner starb – so reich ist das überlieferte Material – und dass Bruckner lediglich nicht mehr zu einer Gesamtredaktion in Form einer Partiturreinschrift kam.“ (Übersicht der Aufführungs-Versionen, S. 61). Neben dieser etwas irreführenden Aussage zur Arbeitsweise Bruckners wird an Märzendorfers Komplettierung des Finalsatzes vor allem die „collagenartige Behandlung der Manuskripte“ (Übersicht der Aufführungs-Versionen, S. 62) sowie die Wiederholung und Fehlplatzierung von Takten kritisiert, wenngleich die hinzugefügte Coda unter Berücksichtigung des vorhandenen Generalbass-Skizzenmaterials vermutlich erstmals bei Märzendorfer Einzug in eine Bearbeitung gefunden haben dürfte. Weitere Aufführungen dieser Final-Rekonstruktion fanden am 8.12.1970 in Leipzig zusammen mit dem Rundfunk-Symphonie-Orchester Leipzig und ca. 1980 in Innsbruck statt. Da die Bearbeitung weder in gedruckter Form vorliegt noch weiter Aufführungen folgten, ist davon auszugehen, dass Märzendorfer die Bearbeitung zurückzog. Eine detaillierte Analyse auf Basis des Notentextes der Bearbeitung steht bisher noch aus. Märzendorfers Nachlass wird im Archiv der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien aufbewahrt.

Werke
  • Klavierkonzert 1944
  • Ballett Teufelslegende 1944
  • Orchesterwerke (Traum und Tanz der gläsernen Pippa 1946)
  • Kammermusik
Literatur

CLEMENS GUBSCH, EVELYN SZABO

Zuletzt inhaltlich bearbeitet: 15.9.2021

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Normdaten (GND)

Märzendorfer, Ernst: 134452348

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