Reiss (Verlag)

Simon Alfons Reiss (* 1837 Schwaz, Tirol/A, † 1.5.1903 Innsbruck, Tirol/A) heiratete die Tochter von Johann Gross (1804–1875) und trat in dessen Musikalien- und Papierhandlung (Gross) als Kompagnon ein. Mit 4.1.1865 erhielt er die Gewerbegenehmigung zur Leitung des Musikaliengeschäftes Gross in der Maria Theresienstraße 41 in Innsbruck, mit der er bald expandierte. Reiss führte den Betrieb bis zum 22.9.1899, dann übernahm ihn sein Sohn Oskar (* 1871 [Ort?]; † 1951 [Ort?]), der ihn bis 1929 leitete, jedoch den eingeführten Namen S. A. Reiss beibehielt.

Über Vermittlung von Theodor Hämmerle, dem Schwiegersohn von S. A. Reiss, wurden bei Gross zwischen 1892 und 1895 Bruckners Messe in d‑Moll, Ave Maria (WAB 5), 4 Tantum ergo (WAB 41/1‑4), Tantum ergo (WAB 42,1‑2) und Pange lingua (WAB 33) verlegt. In einem leider undatierten, ca. um 1900 gedruckten Verlagskatalog (Innsbruck, Bibliothek des Ferdinandeum, F B 31742 bzw. W 13938/Nr. 3) werden diese Werke in folgender Ausstattung angeboten: die Messe in d‑Moll (Partitur, Orchesterstimmen, Singstimmen und Klavierauszug), das Ave Maria (WAB 5) für vier Singstimmen mit Orgelbegleitung und Tantum ergo für Sopran, Alt, Tenor und Bass mit Orgelbegleitung (Singstimmen und Orgelpartitur) – wohl das Pange lingua (WAB 33), die 4 Tantum ergo (WAB 41/1‑4) für vierstimmigen gemischten Chor und das Tantum ergo (WAB 42,1‑2) für fünfstimmigen Chor mit Orgelbegleitung. Das Pange lingua (WAB 33) war bereits 1885 als Beilage in der Musica sacra erschienen und erneut 1888 in den von Franz Xaver Witt herausgegebenen und stark rezipierten Eucharistischen Gesängen. Beide Editionen geschahen jedoch unautorisiert, sodass die Ausgabe bei Reiss als erste autorisierte Ausgabe des Werks anzusehen ist. Für den Verlag war der Druck der Bruckner-Werke offenbar durchaus gewinnbringend, zumal die Druckkosten von Hämmerle beglichen wurden – vgl. den Brief Hämmerles an Bruckner: „Als begeisterter Verehrer Ihrer erhabenen Kunst erklärte ich mich sofort bereit die Gesamtkosten einer gediegenen Drucklegung des erwähnten Werkes [Messe in d‑Moll] zu übernehmen & gab zugleich meiner Hoffnung Ausdruck, daß auf mein Ersuchen der Musikverleger S. A. Reiss (Firma Joh. Gross) – mein l[ieber] Schwiegervater – in Innsbruck das Werk in seinen Verlag aufnehmen & für seine Verbreitung eifrigst & mit zu erwartendem Erfolge bemüht sein werde.“ (Briefe II, 910630).

Bereits Anfang 1892 wurde der noch ausständige Klavierauszug heftig urgiert, da es für diesen scheinbar schon zahlreiche Vorbestellungen gab („aus Paris & Amerika sogar“ [Briefe II, 920100], Hämmerle an Max von Oberleithner). Auch die Beziehungen zwischen Josef Pembaur und dem Verlag wirkten sich günstig auf die Verbreitung der bei Reiss gedruckten Werke aus, wie ein Brief von P. Hartmann von An der Lan-Hochbrunn (1863–1914) an Bruckner vom April 1894 belegt: „Mein Freund & College Josef Pembauer, Ihr würdiger Schüler, weiß wie begeistert wir oft von Ihnen sprechen u. Verleger S. A. Reiss kennt meine Recensionen Ihrer wundervollen Werke, bes[onders] der D‑Messe, 5 Tantum ergo, Ave Maria etc., die wir auch hier in der h[eiligen] Stadt [= Jerusalem] zu haben das Glück haben.“ (Briefe II, 940400).

Literatur

ELISABETH TH. HILSCHER

Zuletzt inhaltlich bearbeitet: 1.9.2017

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