Das deutsche Lied (Der deutsche Gesang) (WAB 63) „Wie durchs Bergtal dumpf grollt Donnergedröhn“
Vierstimmiger Männerchor mit Blechbläsern (4 Hr., 3 Trp., 3 Pos. und Btb.) in d‑Moll, „Nicht schnell, feierlich“
| Text: | Aurelius Polzer |
| EZ: | vollendet 29.4.1892 in Wien |
| UA: | 5.6.1892 in Salzburg, Aula academica (Wiener Akademischer Gesangverein und alle weitere anwesende Vereine; Raoul Mader) |
| Aut.: | Universitäts-Sängerschaft „Barden zu Wien“ (o. Sign.) |
| ED: | Universal Edition, Wien 1911 (Viktor Keldorfer) |
| NGA: | Band XXIII/2 (Angela Pachovsky/Anton Reinthaler, 2001) |
Karl Lorenz vom Wiener Akademischen Gesangverein bat Bruckner um einen Chor für das erste deutsch-akademische Sängerfest (1892) in Salzburg, Theodor Wähner schlug das Gedicht Das deutsche Lied von Erich Fels vor.
Ebenso wie im Chor Sängerbund zitiert Bruckner hier einige Takte aus dem damals sehr verbreiteten Deutschen Lied von Johannes W. Kalliwoda (1801–1866). Bei Bruckners Chor, den er selbst einmal scherzhaft einen „Kracher“ (Briefe II, 920802/1) nannte, herrscht ein stark punktierter Rhythmus vor. Der Beginn mit den auch darüber hinaus verwendeten Quart- und Oktavsprüngen erinnert an die ersten Takte des Germanenzugs. Auf die im Text zitierten Naturschilderungen („Donnergedröhn“, „Sturmwind“, „Meerluft“) ging Bruckner nicht ein, sondern stellte den Typus „Festgesang“ und die Kernaussage vom „deutschen Gesang“ in den Vordergrund. Der feierlich punktierte Bläsersatz in d‑Moll wird alternierend mit den Chorstimmen weitergeführt. Mehrere Steigerungsabschnitte werden aneinander gereiht: Bei „so schalle, so schmettre“ beginnt ein crescendo, das sich chromatisch bis zum Höhepunkt, der nach einer Generalpause mit einem fff erreicht wird, empor schraubt. Das Werk endet mit einem apotheotischen Schlussabschnitt durch repetitive Fanfarenstösse der Bläser.
Bei der Uraufführung in Salzburg zeigten sich die Rezensenten begeistert. Keldorfer, der in seiner Edition zum bequemeren Studium eine Klavierbegleitung hinzufügte, bezeichnete Das deutsche Lied einmal als nationalen Festchor. Das Werk erlebte bis in die 1930er Jahre immer wieder Aufführungen bei Festkonzerten. In den 1980/90er Jahren entstanden in den USA (Nordamerika) die ersten CD‑Aufnahmen.
Literatur
- Festschrift zum ersten deutsch-akademischen Saengerfest in Salzburg 4., 5., 6., 7. Juni 1892. Hg. v. Wiener Akademischen Gesangverein. Wien 1897
- Andrea Harrandt, Bruckner und das bürgerliche Musiziergut seiner Jugendzeit, in: Bruckner‑Symposion 1987Bruckner-Symposion. Bruckner und die Musik der Romantik. Im Rahmen des Internationalen Brucknerfestes Linz 1987. 16.–20. September 1987. Bericht. Hg. v. Anton Bruckner Institut Linz/Linzer Veranstaltungsgesellschaft mbH. Linz 1989, S. 93–103
- Briefe IIAndrea Harrandt/Otto Schneider (Hg.), Briefe von, an und über Anton Bruckner. Bd. II. 1887–1896 (NGA XXIV/2). Wien 2003
- Ivana Rentsch, Weltliche Vokalmusik, in: Bruckner-Handbuch 2010Hans-Joachim Hinrichsen (Hg.), Bruckner-Handbuch. Stuttgart–Weimar 2010, S. 290–309