Scheidweiler (Scheidtweiler), Mathias

* 18.10.1842 Düsseldorf, Nordrhein-Westfalen/D, † 31.8.1908 Berlin/D. Opernsänger, Tenor.

Bislang ist nicht belegt, wann und wo Scheidweiler seine Karriere als Opernsänger begonnen hat. Scheidweiler war im ganzen deutschsprachigen Raum und darüber hinaus als Sänger tätig, unter anderem in Trier (1867-1869), Mainz (1869 und 1880), Koblenz (1870), Karlsruhe (1870–1871), Detmold (1873), Stralsund (1874), Rostock (1875), Stettin (1878), Darmstadt (1879), Augsburg (1881), Würzburg (1883), Linz (1884–1886), Chemnitz (1889), Groningen (1890) und Altenburg (1890-1892). Während seinen Engagements hatte er zahlreiche Gastauftritte in verschiedenen Städten wie Sondershausen (1873), Brünn (1875), Frankfurt am Main (1877), Karlsruhe (1879), Graz (1881), Berlin (1881), Salzburg (1885), Innsbruck (1886), Helsinki (1887), Moskau (1888), Dessau (1888) und Leipzig (1889). Sein Sohn Maximilian Scheidweiler (1874–1926) wurde ebenfalls Opernsänger (Bass) und trat unter dem Namen Maximilian Gillmann auf.

Während seines Engagements als Opernsänger am landschaftlichen Theater in Linz wirkte Mathias Scheidweiler bei mehreren Konzerten in der Stadt mit, so auch bei der Uraufführung des Männerchores Um Mitternacht (WAB 90) anlässlich des Festkonzertes zum 41-jährigen Bestehen der Liedertafel „Frohsinn“ am 15.4.1886 im städtischen Volksgarten-Salon. Das Programm dieses Konzertes umfasste ausschließlich Werke Bruckners, darunter der Männerchor Germanenzug, das Adagio aus der Dritten Symphonie sowie das Te Deum. Dabei ersetzte Scheidweiler kurzfristig den ursprünglich für die Solopartien eingeplanten Gustav Meder (?–?). Scheidweiler übernahm sowohl im Männerchor Um Mitternacht als auch im Te Deum das Tenorsolo, was bei den Rezensenten durchaus kontrovers bewertet wurde. Bemerkt das Linzer Volksblatt für den Männerchor Um Mitternacht, dass „Herr Scheidtweiler, Opernsänger am landschaftl. Theater, […] das Tenorsolo einfach und schön [sang]“, aber die „größere Wirkung“ der Germanenzug hervorbrachte (Linzer Volksblatt, 18.4.1886, S. 1), wurde seine Leistung gerade mit Blick auf das kurzfristige Einspringen hervorgehoben: „Herr Scheidtweiler hat sich durch seine Bereitwilligkeit, mit der er für Herrn Meder in letzter Stunde eingetreten ist, den Dank Aller verdient, und er hat sich besonders durch seinen überaus schönen und machtvollen Gesang im ‚Te Deum‘ wohlverdienten, rauschenden Beifall erworben.“ (Linzer Volksblatt 20.4.1886, S. 1). Zu einer anderen Bewertung hinsichtlich des Männerchores kommt Emil Kränzl (1863–1943) in seiner Rezension für die (Linzer) Tages-Post: „Herr Scheidtweiler war im Tedeum ganz an seinem Platze, denn das eigentlich passende Fach für diesen technisch-musikalisch sehr gebildeten Sänger wäre unserer Ansicht nach der Kirchen- und Oratoriengesang; seinem Solo in der ‚Mitternacht‘ fehlte hingegen der nöthige Schmelz und die Weichheit gänzlich; er packte diese duftige zarte Blume mit zu derber Hand an und zerdrückte sie dadurch.“ ([Linzer] Tages-Post 17.4.1886, S. 3).

Literatur
  • A. Entsch (Hg.), Deutscher Bühnen-Almanach, Jg. 31–47, Berlin 1868–1883
  • Th. Entsch (Hg.), Deutscher Bühnen-Almanach, Jg. 48–49, Berlin 1884–1885
  • [M. S.], Das Fest-Concert der Liedertafel „Frohsinn“ am 15.4.1886, in: Linzer Volksblatt, 18.4.1886, S. 1 und 20.4.1886, S. 1
  • Emil Kränzl, Bruckner-Concert der Liedertafel „Frohsinn“, in: [Linzer] Tages-Post 17.4.1886, S. 2f.
  • Th. Entsch (Hg.), Deutscher Bühnen-Almanach, Jg. 51–54, Berlin 1887–1890
  • Ottmar G. Flüggen, Biographisches Bühnen-Lexikon der deutschen Theater, München 1892, S. 269
  • K. J. Kutsch/Leo Riemens, Art. „Gillmann, Max“, in: Großes Sängerlexikon, 4. Erweiterte und aktualisierte Auflage, München 2003, Bd. 4, S. 1729
  • Süddeutsche Musik-Zeitung 7.9.1868, S. 142
  • Allgemeine musikalische Zeitung 3.5.1871, S. 285
  • Wiener Theater-Chronik 8.8.1871, S. 141, 19.9.1873, S. 151, 13.3.1874, S. 43, 7.5.1875, S. 75, 25.6.1875, S. 101, 1.10.1875, S. 159, 5.11.1875, S. 180, 20.4.1877, S. 65
  • Musikalisches Wochenblatt, 28.2.1873, S. 137, 29.11.1883, S. 613
  • Neue Zeitschrift für Musik 28.6.1878, S. 285
  • Signale für die musikalische Welt 37 [1879] H. 11, S. 166, H. 59, S. 936 und H. 52, S. 819
  • Grazer Volksblatt 30.8.1881, S. 4, 31.8.1881, S. 8, 8.9.1881, S. 6, 10.9.1881, S. 4, 18.9.1881, S. 4
  • Signale für die musikalische Welt 39 [1881] H. 36, S. 568
  • [Linzer] Tages-Post 18.9.1884, S. 3, 7.10.1884, S. 3, 19.10.1884, S. 5, 4.11.1884, S. 3, 14.11.1884, S. 3, 28.11.1884, S. 4, 13.1.1885, S. 3, 4.4.1885, S. 3, 30.4.1885, S. 3, 3.5.1885, S. 2, 2.7.1885, S. 2, 21.2.1886, S. 3
  • Signale für die musikalische Welt 42 [1884] H. 43, S. 677
  • Salzburger Volksblatt 27.10.1885, S. 3, 21.4.1886, S. 3
  • Signale für die musikalische Welt 46 [1888] H. 6, S. 82 und H. 37, S. 582
  • Signale für die musikalische Welt 47 [1889] H. 4, S. 58 und H. 42, S. 664
  • Signale für die musikalische Welt 48 [1890] H. 14, S. 210
  • Innsbrucker Nachrichten 22.4.1886, S. 4, 27.4.1886, S. 7
  • Wiener Zeitung 7.5.1887, S. 7
  • Landesarchiv Baden-Württemberg, Abt. Generallandesarchiv Karlsruhe, 57 Nr. 283 („Engagement des Sängers und Schauspielers Mathias Scheidweiler aus Solingen“)
  • Mitteilung Stadtarchiv Stralsund 4.11.2021
  • Mitteilung Stadtarchiv Trier 15.11.2021

CLEMENS GUBSCH, EVELYN SZABO

Zuletzt inhaltlich bearbeitet: 20.12.2021

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