Storch, Anton M.
get. 23.12.1813 Wieden (4. Bezirk, Wien/A), † 31.12.1887 Wien. Geiger, Chorleiter, Theaterkapellmeister, Komponist.
Storch wurde auf den Namen Anton Einsiedler getauft, daher stand das M. für Monachus oder Magnus. Hofsängerknabe in Wien, Violin- und Kompositionsstudium bei Georg Hellmesberger und Josef Mayseder (1789–1863) in Wien. Seit 1842 Sologeiger, Orchesterdirektor und Kapellmeister am Theater an der Wien, am Carltheater und 1849–1854 sowie 1861–1864 am Theater in der Josefstadt. 1843 Gründungsmitglied und bis 1851 Chormeister des Wiener Männergesang-Vereins. 1855–1860 artistischer Leiter und Gesanglehrer des Linzer Musikvereins, zugleich Chormeister der Liedertafel „Frohsinn“ und des Männergesang-Vereines „Sängerbund“ sowie Dirigent von Opernaufführungen am landständischen Theater Linz. Seit 1860 wieder Kapellmeister an Wiener Theatern, 1863–1867 Bundeschormeister des Niederösterreichischen Sängerbundes. Bedeutender Organisator des bürgerlichen Chorwesens und Komponist von über 1.000 weitverbreiteten Männerchor-Werken (ca. 500 davon im Druck erschienen) in unterschiedlichsten Besetzungen.
Als Bruckner sich 1855 um die Dom‑ und Stadtpfarrorganistenstelle in Linz bewarb, traf er erstmals auf Storch, der als künstlerischer Leiter des Musikvereins Mitglied der Prüfungskommission der „Concurs-Prüfungen“ für die provisorische und definitive Besetzung war. Als Leiter der Liedertafel „Frohsinn“, deren zunehmende Qualität in der Lokalpresse gelobt wurde, brachte Storch in den Vereinskonzerten neben der aktuellen Männerchor-Literatur auch viele eigene, oft für bestimmte Konzerte oder Anlässe komponierte Werke zur Aufführung. Unter seiner Leitung gehörte Bruckner von März 1856 bis September 1858 als Sänger der Liedertafel „Frohsinn“ an und nahm an den Proben regelmäßig und mit großem Interesse teil. Gelegentlich hörte er während des Einstudierens auf zu singen und richtete seine ganze Aufmerksamkeit auf Klangwirkung und Stimmführung der studierten Werke. Dabei dürfte er sich wertvolle Anregungen für seine eigenen Männerchöre geholt haben. Auch die Werke Storchs – besonders hinsichtlich ihrer Besetzung – blieben nicht ohne Auswirkungen auf Bruckners Männerchor-Schaffen. Bei Festgottesdiensten anlässlich der jährlichen Gründungsfeste der Liedertafel „Frohsinn“ wirkte Bruckner unter Storchs Leitung als Organist mit. Als Storch sich 1860 von Linz verabschiedet hatte, wurde Bruckner zum Chormeister der Liedertafel „Frohsinn“ gewählt. Als solcher führte er, wie auch seine Nachfolger, in Konzerten in Linz und bei auswärtigen Sängerfesten neben eigenen regelmäßig auch Werke Storchs auf. 1863 waren Bruckner, Storch, Karl Santner (1819–1885) und Hans Schläger Juroren der Preiskompositionen für das 1. Oberösterreichisch-Salzburgische Sängerbundesfest (1865). Bruckner übersandte 1866 Storch auf dessen Bitte um ein Werk für den Niederösterreichischen Sängerbund (Briefe I, 661202) den Chor Vaterlandslied mit Widmung; er legte auch die beiden eben komponierten Chöre Der Abendhimmel (WAB 56) und Vaterländisches Weinlied nach Texten von August Silberstein (Textdichter) zur „etwaigen […] Verfügung“ (Briefe I, 661211) bei.
Werke
- Bühnenmusik (Opern, Operetten, Possen, Pantomimen, Zauberspiele)
- Kirchenmusik
- Männerchöre
- Lieder
Literatur
- WurzbachConstantin von Wurzbach, Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich. 60. Bde. Wien 1856–1891. Online abrufbar unter: 39 (1879), S. 184–192
- Bericht über das Wirken des Musikvereines in Linz während seines fünfzigjährigen Bestandes vom Jahre 1821 bis 1871. Hg. v. Vereins-Ausschusse. Linz 1871
- Bericht des Männergesang-Vereines „Sängerbund“ in Linz über seine Thätigkeit, umfassend den Zeitraum vom 28. September 1857 bis 27. September 1882. Linz 1882
- Karl Kerschbaum, Chronik der Liedertafel „Frohsinn“ in Linz über den 50jährigen Bestand vom 17. März 1845 bis anfangs März 1895. Linz 1895
- Emil Bild (Hg.), Der niederösterreichische Sängerbund 1863–1913. Festschrift zum 50. Jubelfeste 8. Juni 1913 in Wien. Wien 1913
- Göll.-A.August Göllerich/Max Auer, Anton Bruckner. Ein Lebens- und Schaffensbild (Deutsche Musikbücherei 36–39). 4 Bde. (in 9 Teilbänden [1, 2/1–2, 3/1–2, 4/1–4]). Regensburg 1922–1937, unveränd. Nachdruck 1974 2/1, 3/1
- Josef Jernek, Der österreichische Männerchorgesang im 19. Jahrhundert. 3 Bde. Diss. Wien 1937
- Karl Adametz, Hundert Jahre Wiener Männergesangverein. Wien 1943
- Othmar Wessely, Anton Bruckner und Linz, in: Jahrbuch der Stadt Linz 1954, S. 201–282
- Anton Bruckner und Linz. Ausstellung von 20. Juni bis 11. Oktober 1964. Hg. v. Brucknerbund für Oberösterreich. Linz 1964
- Bruckner-Studien 1975Othmar Wessely (Hg.), Bruckner-Studien. Festgabe der Österreichischen Akademie der Wissenschaften zum 150. Geburtstag von Anton Bruckner (Veröffentlichungen der Kommission für Musikforschung/Philosophisch-Historische Klasse 16). Wien 1975
- Elisabeth Maier, Anton Bruckners „Gesangs-Akademie“, in: Bruckner-JahrbuchBruckner-Jahrbuch. (Wechselnde Herausgeber). Linz 1980ff. 1982/83, S. 89–94
- Andrea Harrandt, Bruckner und das bürgerliche Musiziergut seiner Jugendzeit, in: Bruckner-Symposion 1987Bruckner-Symposion. Bruckner und die Musik der Romantik. Im Rahmen des Internationalen Brucknerfestes Linz 1987. 16.–20. September 1987. Bericht. Hg. v. Anton Bruckner Institut Linz/Linzer Veranstaltungsgesellschaft mbH. Linz 1989, S. 93–103
- Andrea Harrandt, Bruckner und die Chormusik seiner Zeit, in: OÖ. HeimatblätterOberösterreichische Heimatblätter. Linz 1947ff. 51 (1997) H. 3/4, S. 184–195
- Andrea Harrandt, „Vivat! Und nochmals Vivat!“ Rudolf Weinwurm und sein Preischor Germania, in: Österreichische Musik – Musik in ÖsterreichElisabeth Th. Hilscher (Hg.), Österreichische Musik – Musik in Österreich. Beiträge zur Musikgeschichte Mitteleuropas. Theophil Antonicek zum 60. Geburtstag (Wiener Veröffentlichungen zur Musikwissenschaft 34). Tutzing 1998, S. 385–402, bes. S. 386, 395
- Walter Obermaier, Art. „Storch, Anton Max“, in: MGG²Ludwig Finscher (Hg.), Die Musik in Geschichte und Gegenwart. Allgemeine Enzyklopädie der Musik. 29 Bde. (Sach- und Personenteil). 2. neubearb. Ausgabe. Kassel u. a. 1994–2008 15 (2006), Sp. 1563f.
- Dom- und StadtpfarrorganistElisabeth Maier, Anton Bruckner als Linzer Dom- und Stadtpfarrorganist. Aspekte einer Berufung. Mit einem Beitrag von Ikarus Kaiser (Anton Bruckner. Dokumente und Studien 15). Wien 2009
- Briefe IAndrea Harrandt/Otto Schneider (Hg.), Briefe von, an und über Anton Bruckner. Bd. I. 1852–1886 (NGA XXIV/1). 2., rev. und verbesserte Aufl. Wien 2009
- ABCD
- Christian Fastl, Art. „Storch, Familie“, in: www.musiklexikon.ac.at [4.6.2019]
