Amalie (Amélie) Maria, Herzogin in Bayern
* 24.12.1865 München, Bayern/D, † 26.5.1912 Stuttgart, Baden-Württemberg/D. Herzogin.
Älteste Tochter aus erster Ehe des Herzogs – und tüchtigen Augenarztes – Karl Theodor in Bayern (1839–1909), Chef der herzoglichen Linie der Wittelsbacher, und der jung verstorbenen Prinzessin Sophie von Sachsen (1845–1867); Nichte der Kaiserin Elisabeth. Seit 1892 verheiratet mit Herzog Wilhelm von Urach (1864–1928) als nunmehrige Herzogin von Urach, Gräfin von Württemberg.
Der hochmusikalische Vater, dilettierender Komponist und begeisterter Wagnerianer, ließ seine Tochter vom Dirigenten Hermann Levi in Komposition unterrichten. Levi war es, der 1886 anlässlich der von ihm dirigierten Aufführung des Te Deum in München Amalies Bekanntschaft mit Bruckner vermittelte. Er motivierte sie, sich für den Komponisten tatkräftig einzusetzen, v. a. bei ihren kaiserlichen Verwandten in Wien, und schrieb der 20‑jährigen einen langen Brief: „Das bisherige Leben Bruckners ist eine Kette von Mißerfolgen und Enttäuschungen; wohl hatten einige wenige Werke, die in seiner Heimat (Wien) aufgeführt wurden, bei dem Publikum großen Erfolg, aber die in Wien sehr mächtige Presse […] behandelte Bruckner immer als einen Mann, der gar nicht ‚ernst‘ zu nehmen sei, als einen Verrückten, der nur manchmal lichte Momente habe.“ (Briefe I, 860429/2). Bruckner müsse für seinen Lebensunterhalt täglich fünf bis sieben Stunden unterrichten (Lehrtätigkeit) und komme dadurch kaum zum Komponieren.
Amalie begeisterte sich für diese Aufgabe und veranlasste ihre Cousine und engste Freundin, Erzherzogin Marie Valerie, bei deren Vater, Kaiser Franz Joseph I., zugunsten Bruckners vorzusprechen. Der Vorstoß hatte innerhalb kürzester Zeit Erfolg: Marie Valerie richtete ihr schon bei einem Treffen am 1.6.1886 in Possenhofen vom Kaiser aus, „daß die Sache mit Bruckner im Gang sei!“ (zit. n. Hamann, S. 22). Bruckner wurde schließlich der (sehr bescheidene) Franz Joseph-Orden (Ehrungen) in der untersten Ordensklasse verliehen mit einer jährlichen Zulage von 300 fl. Am 23.9.1886 war er zu einer Audienz beim Kaiser in der Hofburg geladen, am 11.12. dankte er gerührt persönlich noch einmal seinen beiden Verehrerinnen für ihre Tatkraft. Aber er wollte eigentlich mehr.
Im Februar 1888 hatte Levi bei einem seiner Konzerte einen Ohnmachtsanfall und war daraufhin monatelang krank. Amalies enge und für Bruckner so wichtige Verbindung zu Levi endete nun mit einem Skandal: Levis heimliche Liebschaft mit Amalies Hofdame hatte bei beiden zu einer schweren Erkrankung geführt, der Syphilis. Während Levi sich nach vielen Monaten sehr langsam erholte, starb seine Geliebte nach langen Qualen am 5.2.1889 im Irrenhaus.
Levi hatte im Februar 1890 Bruckner in Wien besucht und Amalie entsetzt mitgeteilt: „Bruckner hause über vier Stiegen in zwei Zimmern, das eine ganz leer, weil jetzt in Wien die Heizung so teuer.“ (Amalies Tagebucheintrag vom 25.2.1890, zit. n. Hamann, S. 28). Sie bat ihren Onkel, Erzherzog Ludwig Viktor, den jüngeren Bruder des Kaisers, für Bruckner einzutreten (Tagebuch 27.11.1890).
Im selben Jahr bemühte sich Amalie über Marie Valerie und v. a. Herzog Karl Theodor und Herzog Ludwig in Bayern (Brüder der Kaiserin Elisabeth), Bruckner ein kaiserliches Gnadengehalt zu verschaffen, jedoch vergeblich. Amalie spendete Bruckner 1891 aber einen Zuschuss für den Druck seiner Achten Symphonie.
Mit ihrer Heirat 1892 erlahmte Amalies Engagement für Bruckner, denn sie war von einer rasch wachsenden Familie (sie starb nach der Geburt von neun Kindern) voll in Anspruch genommen und verlor auch bald den Kontakt zum Wiener Hof. Doch setzte sie sich weiterhin für Bruckner ein. So regte sie auf Initiative von Erzherzogin Gisela z. B. 1895 die Fürstin Marie Alice von Monaco (geb. Heine, gesch. Herzogin von Richelieu; 1858–1925) an, eine Symphonie Bruckners aufführen zu lassen. Die Fürstin wollte Monaco zu einem großen kulturellen Zentrum Europas machen. Bruckner berichtete daraufhin Gisela in einem Brief (Briefe II, 950731/1), seinen Verleger Gutmann beauftragt zu haben, die Noten (vermutlich zur Siebenten Symphonie) nach Monte Carlo zu schicken. Ob dort damals tatsächlich eine Bruckner-Symphonie gespielt wurde, ist nicht mehr zu klären.
Literatur
- Brigitte Hamann, Musikalisches aus dem Tagebuch der Prinzessin Amélie in Bayern, in: Bruckner-Symposion 1994Othmar Wessely u. a. (Hg.), Bruckner-Symposion. Bruckner-Freunde – Bruckner-Kenner. Im Rahmen des Internationalen Brucknerfestes Linz 1994. 21.–25. September 1994. Bericht. Linz 1997, S. 19–30
- Bruckner in MünchenGertrude Quast-Benesch, Anton Bruckner in München. Tutzing 2006
- Briefe IAndrea Harrandt/Otto Schneider (Hg.), Briefe von, an und über Anton Bruckner. Bd. I. 1852–1886 (NGA XXIV/1). 2., rev. und verbesserte Aufl. Wien 2009
- Briefe IIAndrea Harrandt/Otto Schneider (Hg.), Briefe von, an und über Anton Bruckner. Bd. II. 1887–1896 (NGA XXIV/2). Wien 2003
- ABCD
- Landesarchiv Baden-Württemberg, Bestand GU 118