In Sanctum Angelum custodem hymnus (WAB 18,1-2) „Iam lucis orto sidere“

Hymnus
1. Fsg.: für vierstimmigen gemischten Chor a cappella (Variante a) bzw. vierstimmigen gemischten Chor mit Orgel in e‑Moll (Variante b)
2. Fsg.: für vierstimmigen Männerchor a cappella in g‑Moll

Text: P. Robert Riepl
EZ: 1. Fsg.: spätestens Sommer 1868
2. Fsg.: vor dem 1.5.1886
W: P. Alois Dorfer, Abt des Stiftes Wilhering und Präses der dortigen Schutzengel-Bruderschaft
UA: 1868 im Stift Wilhering
Aut.: 1. Fsg.: verschollen; Stift Kremsmünster, Musiksammlung (C57/10, As. von Franz Schimatschek, mit autografen Eintragungen und Unterschrift Bruckners; aus dem Nachlass Bruckners)
2. Fsg.: verschollen; s. Erstdruck
ED: 1. Fsg.: Feichtingers Erben, Linz 1868
2. Fsg.: An der schönen blauen Donau. Unterhaltungsblatt für die Familie 1, Wien 1886 (Fedor Mamroth), S. 240; ein von Bruckner eigenhändig signierter und an P. Oddo Loidol verschenkter Erstdruck befindet sich mit dessen Besitzvermerk in der Musiksammlung des Stiftes Kremsmünster, beigelegt der Schimatschek-Abschrift
NGA: Band XXI (Hans Bauernfeind/Leopold Nowak, 1984; beide Fsg.) und Revisionsbericht (1984)

Die Dichtung dieses achtstrophigen Hymnus stammt vom Wilheringer Pater R. Riepl, der auch die Druckkosten der 1. Fassung bezahlte (vgl. Göll.-A. 3/1, S. 496). Die 1. Textzeile ist mit einem Morgenhymnus des Ambrosius von Mailand (339/40–397) identisch, der in das Stundengebet der Kirche („Schon zieht herauf des Tages Licht“, Liturgia Horarum, Laudes des Dienstag, Zeit im Jahreskreis) Eingang fand. Gedicht und Komposition entstanden für die Schutzengelbruderschaft in Stift Wilhering. Noch im Jahr des Erstdrucks (1868) wurde die 1. Strophe für den Gebrauch beim Schulgottesdienst des Linzer Gymnasiums (vermutlich nicht durch Bruckner, wie in der Literatur häufig zu finden, sondern durch P. Riepl selbst) umgedichtet. 1886 war eine 2. Fassung des Hymnus für Männerchor erschienen, die wahrscheinlich (das Autograf fehlt auch hier) ebenfalls auf Bruckner zurückgeht.

Das Werk steht nicht nur zeitlich, sondern auch musikalisch in der Nähe des phrygischen Pange lingua et Tantum ergo (WAB 33) sowie der Messe in e‑Moll. Die kurze, 24‑taktige Hymne ist in der Art eines evangelischen Chorals, mit Fermaten bzw. Pausen nach jeder der jeweils sechs Verszeilen, fast durchgängig im Satz Note gegen Note geschrieben. Der durchsichtig klare, schwebende und zugleich etwas herbe Klang verleiht der Komposition in der 1. Fassung für gemischten Chor trotz ihrer Schlichtheit einen außerordentlichen Reiz, der in der etwas schwerfälligen Männerchor-Version fast zur Gänze abhandenkommt.

Literatur

ELISABETH MAIER

Zuletzt inhaltlich bearbeitet: 12.5.2017

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Quellen (Werkverzeichnis)

Erstdruck

Abbildungen

Abbildung 1: Widmung an P. Alois Dorfer (© ACDH-CH, Abt. Musikwissenschaft, Bruckner-Forschung)

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