Krüger, Elsa (eigentl. Else Wanda Minna)

* 10.7.1880 Bochum, Nordrhein-Westfalen/D, † 2.7.1946 München, Bayern/D. Pianistin, Klavierlehrerin.

Aufgewachsen als Tochter des Musikdirektors Heinrich Krüger (1831–1910) in Bochum erhielt sie ihre musikalische Ausbildung wahrscheinlich bei ihrem Vater am dortigen und von ihm gegründeten Musikverein (heute Philharmonischer Chor Bochum). Klavierschülerin von Otto Neitzel (1852–1920). Für den Zeitraum 1899–1914 können regelmäßige Konzerttätigkeiten als Pianistin in mehreren Städten Deutschlands nachgewiesen werden. Darunter u. a. mit der Altistin Emma Krantz (?–?) und dem Berliner Philharmonischen Orchester unter August Scharrer (1866–1936). Ab 1908 war sie als Konzertpianistin primär in München tätig, wo sie ebenfalls als Klavierlehrerin arbeitete. In München konzertierte sie u. a. im Bayerischen Hof und begleitete Liederabende der Opern- bzw. Konzertsängerinnen Isabella Mayr (?–?), Gussy Aloff (1876–?) und Berta Manz (?–?). Da sich ab 1915 nur noch sporadisch Pressemitteilungen zu Auftritten auffinden lassen, liegt die Vermutung nahe, dass sie sich als Interpretin aus dem öffentlichen Konzertbetrieb zurückzog, jedoch weiterhin ihrer Lehrtätigkeit nachging. Nachdem ihre Wohnung 1944 im Zuge des Krieges ausbrannte und damit ihre Besitztümer verloren gingen, kam sie bis 1945 temporär in Braunau am Inn und anschließend möglicherweise in Simbach und Melm unter, bevor sie nach München zurückkehrte.

Wie Krüger mit Bruckners Musik in Kontakt kam, ist bisher nicht nachweisbar. Naheliegend scheint jedoch, dass Krüger durch die ab 1924 in München vermehrt stattfindenden Brucknerfeste und -feiern sowie die Aufführungen der Münchner Philharmoniker vielfach mit Bruckners Werken in Kontakt kam. Mit großer Wahrscheinlichkeit dürfte sie im Publikum der von Siegmund von Hausegger am 2.4.1932 in der Münchner Tonhalle dirigierten Uraufführung der ersten drei Sätze der Neunten Symphonie mit den Münchner Philharmonikern gewesen sein. Ob die Idee einer Einrichtung der Neunten Symphonie für zwei Klaviere unter Rückgriff auf das von Alfred Orel im Rahmen der Gesamtausgabe herausgegebene Quellenmaterial der Symphonie im Nachgang zu dieser Aufführung entstand, ist bisher nicht belegt, kann aber als hinreichend wahrscheinlich gelten. Am 22.1.1935 fand die Aufführung des Finale-Fragments der Neunten Symphonie in der Fassung für zwei Klaviere von Krüger (mit ihr und Kurt Bohnen am Klavier, kommentiert durch Oskar Lang [1884–1950]) bei einer Abendveranstaltung der Münchner Sektion der Internationalen Bruckner-Gesellschaft statt. Wie erfolgreich diese Aufführung war, zeigte sich in den anschließenden Radioübertragungen der Krüger’schen Einrichtung am 8.11.1935 auf Radio Wien (aus München) sowie am 11.11.1935 ebenfalls auf Radio Wien in der gleichen Besetzung. Ein Jahr später (am 9.10.1936) wurde die Uraufführung des Finales aus der Neunten Symphonie in der Bearbeitung für zwei Klaviere von Krüger im Rahmen des 7. Internationalen Brucknerfestes auf Radio Wien (aus Wien) gesendet. Nach einem einleitenden Vortrag von Alfred Orel (in dem die Quellenlage zur Neunten Symphonie thematisiert, jedoch nicht auf Krügers Bearbeitung eingegangen wird) präsentierte sie das Finale, gemeinsam mit ihrem guten Bekannten Alfred Lebsanft (1884–1959), am Klavier.

Darüber hinaus fertigte sie weitere Bruckner-Bearbeitungen für zwei Klaviere an. Ihre Bearbeitung der Achten Symphonie für zwei Klaviere stellte sie 1941 fertig. Im gleichen Jahr plante sie eine Bearbeitung des Andantes (2. Satz) der Symphonie in f-Moll für zwei Klaviere vorzunehmen, wobei nicht bekannt ist, ob sie dieses Vorhaben auch umsetzte. Ihre Bearbeitung der Fünften Symphonie für zwei Klaviere legte sie 1944 auf Vermittlung von Robert Haas dem Verlagsleiter des Bärenreiter-Verlages Karl Vötterle (1903–1975) vor – eine Inverlagnahme unterblieb jedoch aufgrund der politischen Umstände.

Die überlieferte Korrespondenz zwischen Krüger und Haas lässt zudem erkennen, dass Krüger maßgeblich an der Erstellung und dem Lektorat der Notentexte der Alten Gesamtausgabe beteiligt war. Sie erhielt von der Messe in e-Moll, der Messe in f-Moll und der Siebenten Symphonie Grünabzüge sowie als Korrekturvorlage Photokopien der autographen Partituren zugesandt, anhand derer sie das Lektorat der Stichvorlage sowie des Stimmmaterials vornahm. Anhand von Titelblättern und Impressum ist ihre Beteiligung am redaktionellen Prozess auch für die Zweite und Fünfte Symphonie belegt. Mit Neubeginn der Gesamtausgabe unter Leopold Nowak ab 1946 wurde Krüger jedoch, entgegen ihrer Bitten, nicht mehr in die redaktionelle Mitarbeit miteingebunden. Ob dies einerseits auf ihre Fürsprache zu den Originalfassungen oder andererseits auf die kriegsbedingte, unbeständige Lebenssituation und der damit verbundenen logistischen Schwierigkeit, Notenmaterial postalisch zu versenden – wie aus den Briefen an Haas erkennbar ist –, zurückzuführen ist, kann nicht abschließend beantwortet werden.

Literatur

CLEMENS GUBSCH, KAROLINE HOCHSTÖGER

Zuletzt inhaltlich bearbeitet: 20.12.2021

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Normdaten (GND)

Krüger, Elsa (eigentl. Else Wanda Minna): 1164205935

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ACDH, Abteilung Musikwissenschaft