Porges, Heinrich

* 25.11.1837 Prag/Böhmen (Praha/CZ), † 17.11.1900 München, Bayern/D. Chorleiter und Musikkritiker.

Nach dem Jus‑ und Philosophiestudium in Prag widmete er sich der Musik und war schon früh ein Verehrer von Richard Wagner und Franz Liszt. Ab 1859 schrieb er für die Neue Zeitschrift für Musik, übersiedelte 1863 nach Wien und 1865 nach München, wo er 1867 als Klavierlehrer an der königlichen Musikschule tätig war (Ludwig II. verlieh ihm den Titel eines Musikdirektors extra statum und eine lebenslange Pension) und 1882–1900 als Musikkritiker der Münchner Neuesten Nachrichten arbeitete. Er setze sich für die Werke Bruckners, Gustav Mahlers und Hugo Wolfs ein.

Bruckner dürfte Porges bereits 1865 in München kennengelernt haben und ihm dann 1876 und 1882 in Bayreuth begegnet sein. Anlässlich der Aufführung der Siebenten Symphonie am 10.3.1885 in München schrieb Porges in den Münchner Neuesten Nachrichten (12.3.1885, S. 2): „Aus dieser Symphonie spricht eine Persönlichkeit zu uns, in deren Innern jener Urgrund elementaren Musiklebens zum Durchbruch gekommen ist, der uns aus den Werken Beethovens nahe tritt.“ (zit. n. Göll.-A. 4/2, S. 289f.). Nach der Aufführung der Vierten Symphonie 1890 in München hingegen klagte Bruckner über Porges in einem Brief an Paul Heyse: „Daß der Herr Kritiker der neuesten Nachrichten das Finale soweit zurücksetzt, ja sogar als verfehlt bezeichnet, kränkt mich sehr, und wollte, ich hätte das Blatt nicht gelesen, welches meine Freude trübte.“ (Briefe II, 901222/1) und 1891 an August Göllerich: „Ich bitte Dich geißle den traurigen Mann; sage ihm, wie es mit dem Finale gestellt ist u dß es mir nicht einfiel, alle Themen zu vereinigen.“ (Briefe II, 911031).

Mit seinem 1886 gegründeten Porges‘schen Gesangverein führte Porges am 5.12.1888 erstmals Bruckners Ave Maria (WAB 6) in München auf. 1896 folgten Christus factus est (WAB 11) und Virga Jesse, am 30.1.1905 das Te Deum.

Literatur

ANDREA HARRANDT

Zuletzt inhaltlich bearbeitet: 14.12.2018

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Normdaten (GND)

Porges, Heinrich: 118971603

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ACDH, Abteilung Musikwissenschaft