Hlawaczek, Franz Anton
* 12.4.1807 Kozmitz/Böhmen (Kozmice/CZ), † 11.12.1889 Wien/A. Musiker, Kopist.
Sohn eines Bauern, kam spätestens 1830 nach Wien und war als Kopist sowie (vermutlich 1861–1866, 1870–1875) als Orchestermitglied des Josefstädter Theaters tätig. Welches Instrument er spielte, ist unklar. Die Wiener Zeitung berichtete am 5.4.1864 vom Tod des zwölfjährigen Stiefsohnes Hlawaczeks, Franz Wit(t)mann (* 15.1.1852 Wien, † 1.4.1864 Wien), Sohn des Musikers Franz Seraph Witmann (* 27.6.1802 Wien, † 21.10.1855 Wien) und dessen Frau Anna Maria, geb. Dürnberger (* 21.3.1810 Wien, † ?), die er am 16.10.1849 ehelichte. Der seit 1859 verwitwete Hlawaczek hatte Anna Maria Witmann am 28.1.1861 geheiratet.
Hlawaczek arbeitete als Kopist u. a. für die Gesellschaft der Musikfreunde in Wien, die Hofmusikkapelle und 1875–1884 für Johannes Brahms. Etliche Abschriften (von ca. 1830 bis nach 1841) von Werken Franz Schuberts im Auftrag von Personen des Schubert-Kreises stammen ebenfalls von ihm. Er fertigte zudem Abschriften von einigen Bruckner-Werken an, wobei Bruckner zwar dessen Namen und Adresse (8. Bezirk, Lammgasse 12) 1879 und 1880 in seinem Taschen-Notizkalender notierte, jedoch die Abschriften wohl eher nicht selbst bei Hlawaczek bestellte. Die Handschriften zum Herbstlied, das bereits 1864 in Linz entstand, wurden vermutlich – so Paul Hawkshaw – von Rudolf Weinwurm in Auftrag gegeben (Behr, S. 121). Die Stimmen zur Messe in f-Moll dürfte Hlawaczek gemeinsam mit drei weiteren Kopisten (Behr, S. 120) für die Hofmusikkapelle, die diese Messe 1872 uraufführte, angefertigt haben. Die aktuelle Forschung widerspricht der bislang vertretenen Meinung, welche auf den Ausgaben und Revisionsberichten der Neuen Gesamtausgabe von Robert Haas und Leopold Nowak basiert, die Widmungsexemplare der Fünften (für Karl Anton Franz von Stremayr) und Sechsten Symphonie (für Anton Oelzelt von Newin) stammen ebenfalls von Hlawaczek (Behr, S. 122). Tatsächlich zeigt sich Johann Pruscha (1826–1903) für beide Abschriften verantwortlich. Hlawaczeks Arbeit wurde jedenfalls von Brahms, wie dieser in sein Adressbuch vermerkte, mit dem Prädikat „sehr gut“ bewertet (Behr, S. 126f.).
Literatur
- Verstorbene [Wittmann Franz, Stiefsohn des Theater-Orchestermitgliedes Franz Hlawaczek], in: Wiener Zeitung 5.4.1864, S. 62
- George Severs Bozarth, The Lieder of Johannes Brahms 1868-1871: Studies in Chronology and Compositional Process. Diss. Princeton 1978, S. 18
- The Manuscript SourcesPaul Hawkshaw, The Manuscript Sources for Anton Bruckner‘s Linz Works. A Study of his Working Methods from 1856 to 1868. Diss. New York City 1984
- Paul Hawkshaw, Die Kopisten Anton Bruckners während seines Aufenthaltes in Linz, in Bruckner-Symposion 1990Othmar Wessely (Hg.), Bruckner-Symposion. Musikstadt Linz – Musikland Oberösterreich. Im Rahmen des Internationalen Brucknerfestes Linz 1990. 19.–23. September 1990. Bericht. Linz 1993, S. 225–240
- Verborgene PersönlichkeitElisabeth Maier, Verborgene Persönlichkeit. Anton Bruckner in seinen privaten Aufzeichnungen (Anton Bruckner. Dokumente und Studien 11). 2 Bde. Wien 2001 Bd. 1, S. 553
- Johannes Behr, Kopist für Schubert und Brahms: Franz Hlawaczek, in: Otto Biba u. a. (Hg.), Brahms‘ Schubert-Rezeption im Wiener Kontext. Bericht über das internationale Symposium Wien 2013 (Schubert:Perspektiven 5). Stuttgart 2017, S. 107–134
- ABCD
- Taufbuch 1805–1833 der Pfarre Kozmice, fol. 2r
- Trauungsbuch 1846–1850 der Pfarre Altlerchenfeld (Wien VII), 1849, fol. 31
- Taufbuch 1851–1852 der Pfarre Altlerchenfeld (Wien VII), 1852, fol. 7
- Sterbebuch 1852–1856 der Pfarre Altlerchenfeld (Wien VII), fol. 32
- Trauungsbuch 1860–1862 der Pfarre St. Ulrich (Wien VII), [fol. 69]
- Sterbebuch 1888–1891 der Alservorstadtpfarre (Wien VIII), fol. 119