Kopisten

Die meisten Kopisten, die für Bruckner in seinen früheren Jahren arbeiteten, können nicht zugeordnet werden. Wahrscheinlich handelte es sich dabei um Angehörige der jeweiligen Stiftsgemeinschaften in St. Florian und Kremsmünster, wie z. B. Franz Jari und Max Kerschbaum (Kopisten von „Heil Dir zum schönen Erstlingsfeste“, der 2. Umtextierung der Kantate für Michael Arneth „Heil, Vater! Dir zum hohen Feste“), die in Kremsmünster wohnten. In St. Florian (1845–1855) schrieb Bruckner manchmal eigenhändig Partituren und Stimmen seiner eigenen Kompositionen ab (z. B. beim Psalm 22), engagierte manchmal aber auch Kopisten (z. B. bei „Heil, Vater! Dir zum hohen Feste“). Während der 1850er Jahre am wichtigsten war ein bis jetzt nicht identifizierter Schreiber, der sogenannte „St. Florianer Kopist“. Er arbeitete an Stimmen des Magnificats und des Psalm 114 sowie an der Partitur des Psalm 146.

Während seiner Linzer (1856–1868) und Wiener Jahre (seit Herbst 1868) beschäftigte Bruckner normalerweise professionelle Kopisten für die Reinschrift von Partituren und Aufführungsstimmen seiner großen Werke (Messen, Symphonien etc.). In Linz waren dies v. a. der Hornist und Musiklehrer Franz Schimatschek; in Wien treffen wir bei Bruckner-Abschriften u. a. auf folgende zumindest teilweise namentlich nachweisbare Kopisten: Josef? Tenschert, Johann? Carda (oder Csarda, Czorrda – vermutlich in Linz wohnhaft), den für die Hofmusikkapelle arbeitenden Johann Noll, Franz Hlawaczek (Hlavaczek), der auch von Johannes Brahms beschäftigt wurde, und den Steyrer Gemeindebeamten Leopold Hofmeyr, der mit der Achten Symphonie beschäftigt war. Besonders die zahlreichen anonymen Schreiber in vielen Manuskripten der Wiener Jahre Bruckners bedürfen dringend einer näheren Untersuchung.

Es existieren hunderte Kopien – hauptsächlich von kleineren Kompositionen –, die ohne Wissen und Genehmigung Bruckners angefertigt worden sind. Die Tatsache, dass so viele seiner Werke bis in seine letzten Lebensjahre und selbst noch nach seinem Tod ungedruckt blieben, erklärt vielleicht die große Zahl von Abschriften. Es gibt heute tausende Blätter von Abschriften Bruckner‘scher Werke, darunter hunderte Manuskripte in noch nicht identifizierten oder vielleicht auch nie zu identifizierenden Handschriften. Unter den identifizierten Schreibern finden wir viele Bekannte Bruckners, etwa Freunde oder Studenten; später waren es auch Biografen, Bibliothekare oder Wissenschaftler (Forschung). Es liegen z. B. heute Handschriften von Karl Aigner, Max Auer, Arthur Bauer, Franz Xaver Bayer, Franz Burkhart, Friedrich Eckstein, Max Edlbacher (1865–1936), Benno Feyrer (1870–1946), August Göllerich, Franz Gräflinger, Altman Kellner (1902–1981), August Lehofer, Josef Neubauer (1823–1892), Rudolf Peyerl, Kajetan Schmidinger, Ernst Fritz Schmid (1904–1960) und August Stradal vor. Die jeweilige Bedeutung dieser Handschriften als Bruckner-Quelle kann nur von Fall zu Fall eingeschätzt werden.

Weiters sind von Bruckner in seinen Taschen-Notizkalendern vermutlich als mögliche Kopisten vorgemerkt (darunter auch Schüler von ihm): G. Adensamer in Wien, Georg Richter (offenbar Orchestermitglied am Wiener Stadttheater), Franz Rimmel vom Landständischen Theater in Linz, ein gewisser Urbanetz und der aus Raab (Győr/H) gebürtige Franz Weber, beide in Wien.

Literatur

PAUL HAWKSHAW

Zuletzt inhaltlich bearbeitet: 22.9.2017

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