Kropfreiter, Augustinus Franz

* 9.9.1936 Hargelsberg, Oberösterreich/A, † 26.9.2003 St. Florian, Oberösterreich/A. Komponist, Organist.

Musikalische Grundausbildung am Bischöflichen Privatgymnasium Petrinum in Linz bei Hermann Kronsteiner (1914–1994). Ab 1953 Laienbruder, später Chorfrater im Augustinerchorherrenstift St. Florian. Dort Kompositions- und Orgelunterricht beim Stiftsorganisten Johann Krichbaum (1912–1978). 1955–1960 Studium am Linzer Bruckner-Konservatorium (Anton Bruckner Privatuniversität) und an der Akademie (heute Universität) für Musik und darstellende Kunst in Wien: u. a. Komposition (Helmut Eder [1916–2005], Ernst Tittel [1910–1969], Anton Heiller [1923–1979]), Orgel (Walter Pach [1904–1977]), Klavier (Hilde Seidlhofer [1913–1999]) und Dirigieren (Johann Gillesberger). Ab 1960 zweiter und ab 1978 erster Stiftsorganist in St. Florian. Ab 1960 musikpädagogische Tätigkeit bei den St. Florianer Sängerknaben sowie seit Mitte der 1960er Jahre Regens chori des Stiftschores. Bis 1991 internationale Konzerttätigkeit als Organist.

Für sein Wirken als Orgelvirtuose und Komponist erhielt er zahlreiche Auszeichnungen: z. B. 1. Preis beim Kompositionswettbewerb des Linzer Bruckner-Konservatoriums und Preisträger des internationalen Orgelimprovisationswettbewerbs in Wien 1960; 1962 und 1983 Kulturpreis sowie 1993 Großer Kulturpreis des Landes Oberösterreich (Anton Bruckner-Preis); 1964 Österreichischer Staatspreis für den Liederzyklus In memoriam; 1967 Kunstförderungspreis der Stadt Linz; 1970 Förderungspreis der Theodor Körner-Stiftung; 1974 Anton Bruckner-Preis der Bertil-Östbo-Stiftung; 1977 Goldenes Verdienstzeichen der Republik Österreich; 1986 Kulturehrenpreis der Marktgemeinde St. Florian; 1996 Kulturmedaille des Landes Oberösterreich; 2002 Heinrich Gleissner-Preis.

Das umfangreiche kompositorische Schaffen erschien zu einem großen Teil in seiner Handschrift bei Doblinger in Wien. Von internationalem Ruf war sein virtuoses Wirken an der Orgel. Konzertreisen führten ihn über Europa hinaus nach Japan und Südamerika, dokumentiert in einer Reihe von Rundfunk-, CD- und TV-Aufnahmen. Kropfreiter improvisierte mit Vorliebe über Themen aus Bruckners Symphonien und Messen. 1996 wurde seine Hommage für Anton Bruckner über ein Thema aus dem Kyrie der Messe in f-Moll für sieben Blechbläser im Stift St. Florian uraufgeführt (Hommagen und Widmungen an Bruckner).

Auch wenn sich Kropfreiter dabei in neue ungewöhnliche Klangfarben, Strukturen und entferntere Tonarten vorwagte, so zeigte sich in majestätischen Ausbrüchen mit einer Kombination von romantischen und moderneren Akkordwendungen die direkte Bruckner-Nähe. Als geradezu ideal für die Metamorphosen einer Orgelimprovisation bezeichnete Kropfreiter das Kopfthema von Bruckners Achter Symphonie, das auch mehrfach als Improvisationsbasis in seiner Diskografie dokumentiert ist. Eine 1997 auf der Bruckner-Orgel in der Stiftskirche St. Florian gespielte romantisch-monumentale Improvisation kommt dem Bruckner‘schen Stil mit seinen hochdynamischen Steigerungswellen in geradezu metaphysischer Form wohl schon recht nahe, während eine fast zehnminütige Interpretation aus den 1970er Jahren durchsetzt ist mit im Kirchenraum selten gehörten Dissonanzballungen, die über Bruckner hinaus moderne personalstilistische Räume auftun.

Kropfreiter selbst, der als Komponist die unterschiedlichsten musikalischen Gattungen bediente und u. a. mit dem Kammeroratorium Altdorfer Passion (1965) oder dem Orgelstück Signum (1976) weltweit Anerkennung fand, erkannte in seinem Werk Einflüsse der Komponisten Paul Hindemith (1895–1963), Frank Martin (1890–1974) und Jehan Alain (1911–1940). Nach dodekaphonischen Phasen und vielschichtiger Farbgebung in homophonen wie polyphonen Sätzen kristallisierte sich vor allem die Polytonalität als stilistische Eigenart heraus. So auch in seiner II. Symphonie für großes Orchester (1990), wo die polytonale Anlage insbesondere in den Schlusspassagen unmittelbar wird, z. B. durch zwei übereinandergeschichtete Dur-Akkorde, wie es auch in den Chorsätzen seiner späteren Messvertonungen vorkommt, welche die Polytonalität auf die Oberstimmen Sopran und Alt einerseits und die Unterstimmen Tenor und Bass andererseits verteilen. Vergleichbar mit dem typischen Bruckner-Rhythmus in Zweier- und Dreiereinheiten pulsieren rasche rhythmische Wechsel zwischen 2/4- und 3/4-Takt. Weitere Parallelen zum symphonischen Bruckner-Stil deuten sich an mit thematischen Keimzellen zu Beginn, die das ganze Werk bestimmen, Orgelpunkten, registerartigem Orchestersatz, dem Einbau choralartiger Themen, der markanten Scherzo-Rhythmik, Zahlensymbolik und naturverbundenen Gestaltungs-Elementen wie in Bruckners Vierter Symphonie.

Werke
  • Oratorien
  • Symphonien
  • Messen
  • Kammermusik
  • Chorwerke
  • Orgelwerke
  • Liederzyklen
Schriften
  • Das Kyrie der f-Moll-Messe im Adagio der neunten Sinfonie, in: ÖMZÖsterreichische Musikzeitschrift. Wien 1946ff. 29 (1974) H. 9, S. 439f.
  • In memoriam Johann Krichbaum, in: Singende Kirche 26 (1978/79) H. 1, S. 26
  • Das Chorherrenstift St. Florian und seine geistlichen Komponisten, in: Oberösterreich. Kulturzeitschrift 36 (1986) H. 1, S. 51–56
  • (gem. mit Karl Rehberger/Helmut Kögler), Große Orgel in der Stiftskirche St. Florian. Ried im Innkreis 1998
Literatur

RAINER BOSS

Zuletzt inhaltlich bearbeitet: 22.10.2019

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Abbildungen

Abbildung 1: Augustinus Franz Kropfreiter an der Bruckner-Orgel in St. Florian am 9.11.1999 (© Rainer Boss)

Normdaten (GND)

Kropfreiter, Augustinus Franz: 119376733

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