Doblinger (Verlag)
1876 erwarb Bernhard Herzmansky d. Ä. (* 6.12.1852 Sternberg/Mähren [Šternberk/CZ], † 18.5.1921 Goisern, Oberösterreich/A) die in der Dorotheergasse 10 (Wien, 1. Bezirk) befindliche Musikalienhandlung mit Antiquariat und Musikalien-Leihanstalt von Ludwig Doblinger (* 18.3.1809 Utzenaich, Oberösterreich/A, † 21.7.1890 Speising, Niederösterreich/A [Wien, 13. Bezirk]) und begründete noch im selben Jahr seine Verlagstätigkeit. Der Name des Vorbesitzers wurde als Firmenname beibehalten.
Das Verlagsprogramm der ersten Jahrzehnte dominierten in erster Linie Salonstücke und Tänze für Klavier, Lieder sowie Unterrichtsliteratur. Bereits in den ersten Jahren seiner Verlagstätigkeit gelang es Herzmansky, Carl Michael Ziehrer (1843–1922) langfristig an den Verlag zu binden. Dieser Umstand trug ebenso zum kommerziellen Erfolg des Unternehmens bei wie der Ausbau des Verlagsprogramms auf dem Gebiet der Operette um die Jahrhundertwende (u. a. mit Franz Lehárs [1838–1898] Die lustige Witwe und Oscar Straus‘ [1870–1954] Ein Walzertraum). Mit dem Erwerb der Verlage J. P. Gotthard und Wetzler im Jahr 1890 kamen vermehrt Klassiker-Ausgaben (darunter Werke von Franz Schubert und sämtliche Klavierwerke von Robert Schumann) hinzu.
Am 14.7.1892 schloss Bruckner einen Vertrag mit der Druck- und Verlagsanstalt Waldheim & Eberle über die Herausgabe bisher unveröffentlichter Werke ab. Diese Vereinbarung war gewissermaßen ein Exklusivvertrag mit Vorkaufsrecht auf allfällige weitere Werke. Nach Deckung der Herstellungskosten standen Bruckner 25 %, bei subventionierten Werken 50 % der verbleibenden Einnahmen zu. Ab 1893 wurde eine jährliche Garantiesumme von 300 fl. an den Komponisten ausbezahlt.
Den Vertrieb und die Bewerbung der bei Waldheim & Eberle gedruckten Noten übernahm der Verlag Doblinger, der auf diese Weise der bedeutendste Bruckner-Verlag zu Lebzeiten des Komponisten wurde. Die Produktion wurde vorwiegend von Franz Schalk und Josef Schalk betreut. 1892–1896 erschienen die Erste, Zweite und Fünfte Symphonie, die Messe in e‑Moll, die Messe in f‑Moll sowie der Psalm 150, posthum bis 1903 noch die Sechste und Neunte Symphonie, Helgoland sowie die Männerchöre Mitternacht, Das hohe Lied, Vaterlandslied und Der Abendhimmel (WAB 56), das Lied Im April und das Klavierstück Erinnerung. 1903 druckte Herzmansky einen eigenen Bruckner-Katalog, der sämtliche – auch in anderen Verlagen erschienene – Ausgaben der Werke des Komponisten enthielt. Vermutlich im selben Jahr wurden die Rechte an den Drucken der Werke Bruckners nach mündlicher Überlieferung der Familie Herzmansky gegen Aktienanteile an der 1901 von Bernhard Herzmansky mitbegründeten Universal Edition eingetauscht.
1921 übernahm Bernhard Herzmansky d. J. (* 4.8.1888 Langenzersdorf, Niederösterreich/A, † 13.12.1954 Wien/A) die Geschäftsführung. Unter seiner Leitung wurde das Verlagsprogramm neben Schlagern (u. a. von Hermann Leopoldi [1888–1959]) und Operetten (u. a. von Ralph Benatzky [1884–1957] und Leo Fall [1873–1925]) auf dem Gebiet zeitgenössischer Kammermusikwerke ausgebaut. In den 1950er Jahren vollzog der damalige Verlagsleiter Herbert Vogg in Übereinstimmung mit der Geschäftsführung einen entscheidenden Wandel des Verlagsprofils: Doblingers Verlagskatalog wurde unter besonderer Berücksichtigung österreichischer zeitgenössischer Musik wesentlich erweitert, 1958 die Reihe alter Musik Diletto musicale gegründet. Geschäftsführer des Verlags waren nach B. Herzmansky d. J. (bis 1954), 1955–1980 Christian Wolff (1913–1991) und 1980–2008 Helmuth Pany (* 1943). Seit 2008 hat Peter Pany (* 1965) die Geschäftsführung des Familienunternehmens in fünfter Generation inne.
In den Jahren 1972–2009 besorgte die Firma Doblinger Auslieferungen des Musikwissenschaftlichen Verlags Wien, in dem die neue Anton Bruckner. Kritische Gesamtausgabe (NGA; Gesamtausgaben) erscheint. Darüber hinaus sind im Verlag Doblinger mehrere Lizenzausgaben (Sonderdrucke) nach der Anton Bruckner Gesamtausgabe erschienen.
Literatur
- Göll.-A.August Göllerich/Max Auer, Anton Bruckner. Ein Lebens- und Schaffensbild (Deutsche Musikbücherei 36–39). 4 Bde. (in 9 Teilbänden [1, 2/1–2, 3/1–2, 4/1–4]). Regensburg 1922–1937, unveränd. Nachdruck 1974 4/3, S. 257f., 681
- Herbert Vogg, 100 Jahre Musikverlag Doblinger. Wien 1976, S. 23ff.
- Herbert Vogg, Anton Bruckner und der Verlag Ludwig Doblinger (Bernhard Herzmansky), in: IBG‑MitteilungsblattMitteilungsblatt der Internationalen Bruckner-Gesellschaft. Studien & Berichte. Hg. v. der Internationalen Bruckner-Gesellschaft. Wien 1971ff. Nr. 10 (Dezember 1976), S. 3–8
- Art. „Doblinger Ludwig“, in: CzeikeFelix Czeike (Hg.), Historisches Lexikon Wien. 6 Bde. Wien 1992–2004. Online abrufbar unter: 2 (1993), S. 46
- Art. „Herzmansky Bernhard sen.“, „Herzmansky Bernhard jun.“, in: CzeikeFelix Czeike (Hg.), Historisches Lexikon Wien. 6 Bde. Wien 1992–2004. Online abrufbar unter: 3 (1994), S. 167
- Franz Scheder, Anton Bruckner Chronologie. Tutzing 1996
- Christian Heindl/Michael Publig/Walter Weidringer (Red.), 125 Jahre Musikverlag Doblinger. Festschrift und Katalog zur Ausstellung. Wien 2001
- Barbara Boisits/Monika Kornberger, Art. „Doblinger“, in: https://www.musiklexikon.ac.at/ml/musik_D/Doblinger_Ludwig.xml [31.1.2017]