Wohnungen
Ansfelden
1824–1837: Schulhaus, Brucknerplatz 1, früher Augustinerstr. 3.
Anton Bruckners Geburtshaus ist seit 1971 als Gedenkstätte eingerichtet, 1988 erfolgte
eine Restaurierung im Auftrag der OÖ. Landesregierung, 2014 eine neuerliche
Umgestaltung als Anton Bruckner Museum.
Kronstorf
1843–1845: Schulhaus, Brucknerplatz 9.
Als Schulgehilfe lebte Bruckner im
Schulgebäude bei seinem Vorgesetzten, Franz Seraph Lehofer. Im Kreise der Familie
fühlte sich Bruckner sehr wohl und in seinem nur 4 m² großes Bodenkämmerchen
– mit zwei Fenstern und zwei Türen – fühlte er sich nach den rauen Windhaager
Tagen „wie im Himmel“ (Göll.-A. 1, S. 213). Am 15.6.1913 wurde am Schulhaus
eine Gedenktafel enthüllt; seit 1989 ist dort ein kleines Museum eingerichtet.
Linz
1840/41: Pfarrgasse 11.
Während der Ausbildung an der Linzer
Präparandie wohnte Bruckner bei
dem Greißler Adolf Hofmann. Die damalige Anschrift lautete „Obere Pfarrgasse Nr.
197“, das Haus wurde später abgerissen.
1855–1868: Pfarrplatz 164, Mesnerhäusl.
Vermutlich am 24.12.1855 zog
Bruckner als Dom- und Stadtpfarrorganist in seine neben der Kirche gelegene
Dienstwohnung („Musikantenstöckel“). Bis knapp vor Weihnachten wohnte er entweder
noch in St. Florian, möglicherweise
zunächst auch im Florianer Stiftshaus (Linz, Landstraße 22) oder einer 1998
infolge der Restaurierung des Hauses entfernten Gedenktafel zufolge, vom
13.11.–22.12.1855 in der Pfarrgasse 7.
Im Mesnerhäusl logierte er in einer
„Naturalwohnung“, d. h. Bruckner durfte sie unentgeltlich benützen, hatte
aber keinen Anspruch auf Ersatz. Er bewohnte im 2. Stock drei Zimmer, von denen
eines zugleich als Schlaf- und Musikzimmer diente. Das geräumige Arbeitszimmer war
groß genug für Proben und Privatunterricht. Im selben Haus wohnte u. a. sein
Vorgesetzter, Regens chori Karl Zappe,
mit seiner Familie. Während der letzten drei Jahre lebte vermutlich auch zeitweise
Bruckners Schwester Maria Anna im Haus, da sie ab Herbst 1865 die Wirtschaft für
ihren Bruder führte. Das Gebäude wurde später abgerissen.
St. Florian
1837–1840, 1845–1855: Altes Schulhaus, Marktplatz 2.
Als Sängerknabe
wohnte Bruckner ab Herbst 1837 in St. Florian bei Schulleiter Franz Gruber
(Lehrer Bruckners).
Später – ab Ende September 1845 – war er als Schulgehilfe bei der Lehrerfamilie
Bogner im selben Haus
untergebracht. Eine Gedenktafel wurde im Jahr 1900 angebracht; 1999 wurde ein
kleines Informationszentrum zu St. Florian und Bruckner eingerichtet.
Wien
Ab Sommer 1858 suchte Bruckner regelmäßig – im Sommerurlaub und zur Fastenzeit – Simon Sechter in Wien auf. Während der von Linz aus betriebenen Studien bei Sechter in der Mariahilferstraße (Mariahilfer Hauptstraße) 13 wohnte Bruckner zumeist in dessen Nähe, z. B. im Hotel „Zum goldenen Kreuz“ oder in der Mariahilferstraße 71 (6. Bezirk; 1904 abgerissen und neu aufgebaut, heute Hotel Kummer).
1868–1876: 9. Bezirk, Währingerstraße 41.
In nur knapp zwei Wochen
löste Bruckner in Linz seinen Haushalt auf und zog vermutlich am 30.9.1868 mit
seiner Schwester Maria Anna (Bruckner,
Familie) nach Wien. Hier war seine erste Unterkunft eine bescheidene
Zwei-Zimmerwohnung im 3. Stock des „Höhnehauses“ (Johann Höhne [1802–1886]), die
jährlich knapp 200 Gulden kostete. Nach dem Tod seine Schwester Maria Anna (1871)
führte Katharina Kachelmaier, die legendäre „Frau Kathi“, den Haushalt. Eine
Gedenktafel wurde 1961 angebracht.
1876/77: 1. Bezirk, Opernring 3, Heinrichshof.
Frühestens ab Herbst,
vermutlich aber erst ab Ende 1876 wohnte Bruckner für etwa ein Jahr im
Heinrichshof am Opernring 3. Der große Gebäudekomplex am Ring (Opernring
1–5), gegenüber der Oper liegend und im Besitz des Großindustriellen und Besitzers
der Wienerberger Ziegelwerke, Heinrich Drasche (1811–1880), zählte wohl zu den
seinerzeit teuersten Wohnhäusern in Wien. Die nur kurze Episode beweist, dass
Bruckner auf gute Adressen Wert legte. Die Wohnung (Vorzimmer, Zimmer) befand sich
im obersten Stock und bot Bruckner einen wunderbaren Ausblick über die Dächer der
Stadt. Der ursprüngliche Bau von Theophil Hansen (1813–1891) aus dem Jahr 1863
wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört.
1877–1895: 1. Bezirk, Heßgasse 7.
Im November 1877 übersiedelte
Bruckner auf Drängen seines Universitätshörers Anton Oelzelt von Newin
(Widmungsträger der Sechsten
Symphonie) in dessen Haus, das am Schottenring gelegen war. Die
für den damaligen Wiener Wohnungsmarkt ausgesprochen preisgünstige Miete übernahm
der Hausherr.
Bruckner schätzte die Wohnung im 4. Stock ganz besonders,
da von ihr der Blick bis zum Kahlenberg reichte. Es standen ihm vier Räume –
Vorzimmer, Küche und zwei geräumige Zimmer – zur Verfügung. Friedrich Eckstein schildert
Bruckners eigentümliche Wohnung und berichtet von dem „hell getünchte[n]
eigentliche[n] Arbeitszimmer […]mit dem mächtigen Pedalharmonium am
Fensterpfeiler, das, stets geschlossen, nur als Büchergestell diente“. Inmitten
des Zimmers stand der „riesig lange, altväterische Bösendorfer-Flügel […]
gleichfalls begraben unter Partituren, Haufen von Manuskripten, Notenpapier und
–Blättern, bedeckt mit Skizzen und Ausarbeitungen“. In diesem Zimmer befand sich
auch „das kleine, bescheidene, dünnbeinige Tischchen, mit grüner Ölfarbe
gestrichen, die Kanten abgewetzt, über und über mit Tinte bespritzt“ (Eckstein, S.
7f.), an dem Bruckner oft bis tief in die Nacht hinein arbeitete. Tief
ultramarinblaue Wände und ein mit braunem Email-Lack gestrichener Fußboden ließen
das Zimmer sehr eigen wirken. Im angrenzenden Schlafzimmer gab es außer dem Bett
keinerlei Einrichtung. Auch hier waren die Wände entlang hohe Stöße von
Musikalien, Notenpapier, Entwürfen, Büchern, Korrespondenzen und ähnlichem
aufgetürmt. Das englische Messingbett war Bruckners einziger Luxus und jeder
Besucher musste sein „Paradiesbett“ ausprobieren, weil es so schön „schupft[e]“
(Göll.-A. 4/1, S. 468). Im dunklen Vorzimmer standen unzählige Paar Stiefel
aufgereiht, an der Wand hingen Ehrenschleifen von den Huldigungskränzen, sodass
Friedrich Klose einmal äußerte,
der Vorraum würde einer Grabkammer gleichen.
Der verheerende Brand des Ringtheaters (Schottenring 7) am
8.12.1881 direkt neben seinem Haus mit 386 Toten hinterließ bei Bruckner eine
bleibende Angst vor Feuer. Als im Alter für Bruckner das Stiegensteigen zu
beschwerlich wurde und er in einem Tragstuhl in seine Wohnung hinaufgetragen
werden musste, verließ er diese nur noch selten. Der Wiener Schubertbund widmete
1924 eine Gedenktafel.
1895/96: 3. Bezirk, „Kustodenstöckl“ im Oberen Belvedere (früher Heugasse, heute Zugang
Prinz Eugen-Straße 27).
Nach seiner schweren Herzerkrankung 1893 suchte
Bruckner auf Betreiben seines Arztes
Leopold
Schrötter von Kristelli nach einer Wohnung ohne Stiegen. Anton Meißner bat im
Einverständnis Bruckners in einem Gesuch (19.2.1895) Erzherzogin Marie Valerie,
Bruckner in seiner Notlage zu unterstützen: Wegen seiner Herzkrankheit (Krankheiten und Tod), die
ihn „stark des Athems“ beraube, sei Bruckner „gezwungen für eine Parterre oder
Mezzaninwohnung zu sorgen“ (Antonicek, S. 20). Marie Valerie beauftragte mit der
Angelegenheit ihre Hofdame Maria Freiin Vécsey von Hajnácskeö (1864–1928), die
sich mit den wirksamen Worten an Konstantin Prinz zu Hohenlohe-Schillingsfürst wandte, dass Bruckner
„hoffnungslos krank“ sei und „eigentlich kaum mehr die Uebersiedlung“ erlebe
(Antonicek, S. 20). Am 4.7.1895 bezog Bruckner schließlich im Oberen Belvedere das
Kustodenstöckl, welches er scherzweise „Taubenkobl“ nannte und das ihm auf die
Dauer des Sommers zugesprochen wurde. Am 9.8.1895 wurde verfügt, dass ihm die
Wohnung so lange „als er selbe zu benützen gedenkt“ (Antonicek, S. 28) belassen
werde. Bruckner standen hier neun Räume zur Verfügung: vier größere Zimmer sowie
Küche und Wirtschaftsräume, die auf Befehl von Kaiser Franz Joseph I.
instand gesetzt und Bruckner kostenlos überlassen wurden. Bruckner selbst bewohnte
nur zwei Zimmer. Im schönsten und größten Raum mit drei großen Fenstern und Blick
in den Schlosspark richtete er sich sein einfach gestaltetes Wohn-, Arbeits- und
Schlafzimmer ein. Somit hatte Bruckner kurz vor seinem Tod wohl den Gipfel des
Wohnkomforts erreicht. Zur Erinnerung wurde am 9.10.1921 eine Gedenktafel
enthüllt.
Windhaag
1841–1843: Schulhaus, Markt 7, Am Schulberg 7, Nr. 24.
Bruckner
lebte als Schulgehilfe bei dem Lehrer Franz
Fuchs. Da er mit den Arbeits- und Wohnverhältnissen seiner ersten
Dienststelle unzufrieden war, suchte er 1843 um Versetzung an.
Seine Sommerurlaube verbrachte Bruckner in Pfarrhöfen und Gasthöfen sowie bei Freunden. Oft logierte er z. B. im Pfarrhof in Bad Ischl, in Steyr, im Stift St. Florian (Ferienzimmer) oder in Kremsmünster. Langjährige Freunde besuchte er z. B. in Bad Ischl (Familie Attwenger), Bad Goisern (Franz Xaver Perfahl), Enns, Kirchdorf an der Krems, Mariazell (Familie Ritter), Melk (Familie Marböck, Hauptstraße 12), Neufelden im Mühlviertel (Familien Weilnböck und Lang), Vöcklabruck (Schwester Rosalie) sowie Waidhofen an der Ybbs (Friedrich Schiffner, Hoher Markt 17).
Literatur
- Friedrich Eckstein, Erinnerungen an Anton Bruckner, Wien–New York 1923
- Göll.-A.August Göllerich/Max Auer, Anton Bruckner. Ein Lebens- und Schaffensbild (Deutsche Musikbücherei 36–39). 4 Bde. (in 9 Teilbänden [1, 2/1–2, 3/1–2, 4/1–4]). Regensburg 1922–1937, unveränd. Nachdruck 1974 3/1, S. 19–22; 4/1, S. 462–469; 4/3, S. 510ff.
- Eduard Pult, Anton Bruckners Wohnstätten in Wien, in: Neues Wiener Tagblatt 4.9.1944, S. 3
- Gertrude Aurenhammer, Geschichte des Belvederes seit dem Tode des Prinzen Eugen, in: Mitteilungen der Österreichischen Galerie (1969) Nr. 57, S. 93, 111, 138
- Manfred Wagner, Bruckner in Wien, in: Bruckner in WienManfred Wagner u. a., Anton Bruckner in Wien. Eine kritische Studie zu seiner Persönlichkeit (Anton Bruckner. Dokumente und Studien 2). Graz 1980, S. 9–74
- Elisabeth Maier, Anton Bruckner. Stationen eines Lebens, Linz 1996
- Theophil Antonicek, Bruckner im Belvedere. Akten des Obersthofmeisteramtes, in: Bruckners Wiener JahreRenate Grasberger/Elisabeth Maier/Erich Wolfgang Partsch (Hg.), Anton Bruckners Wiener Jahre. Analysen – Fakten – Perspektiven (Wiener Bruckner-Studien 1). Wien 2009, S. 19–30
- Dom- und StadtpfarrorganistElisabeth Maier, Anton Bruckner als Linzer Dom- und Stadtpfarrorganist. Aspekte einer Berufung. Mit einem Beitrag von Ikarus Kaiser (Anton Bruckner. Dokumente und Studien 15). Wien 2009, S. 65ff.