Rumänien (Rezeption)
Bruckners Symphonien lernte die rumänische Öffentlichkeit am 16.3.1925 durch das 1868 von Eduard Wachmann (1836–1908) gegründete Philharmonische Orchester Bukarest kennen, als dieses die Vierte Symphonie unter George Georgescu (1887–1964) aufführte. Die Romantische Symphonie blieb im Repertoire des Bucharest Orchestra und wurde im Romanian Athenaeum am 20.1.1929 unter der Leitung des österreichischen Dirigenten Ernst Kunwald (1868–1939) und am 14.12.1934 unter Alfred Alessandrescu (1893–1959) aufgeführt. Die rumänische Erstaufführung von Bruckners Dritter Symphonie am 20.1.1929 sowie weitere Aufführungen am 16.12.1937 bzw. 31.3.1943 fanden unter der Leitung großer Musikerpersönlichkeiten der Zeit wie Robert Manzer (1877–1942), Hermann Abendroth und Ionel Perlea (1900–1970) statt.
Die Siebente Symphonie fand sich erstmals am 1.4.1937 auf den Ankündigungsplakaten des Orchesters. Die Leitung dieser Aufführung wie auch jene am 24.10.1940 hatte Ionel Perlea inne. Später wurde sie am 8.12.1942 von Lovro von Matačić visionär interpretiert. Die Achte Symphonie wurde dem rumänischen Publikum erstmals am 23.2.1939 unter der Leitung von Perlea gespielt und vom Bucharest Orchestra am 2.5.1940 wieder ins Repertoire aufgenommen, diesmal unter der Leitung von Constantin Silvestri (1913–1969).
Basierend auf der musikalischen Tradition mehrerer Städte in Moldawien und Transsilvanien wurden Mitte des 20. Jahrhunderts staatliche Philharmonien gegründet: Iaşi (1942), Sibiu und Oradea (1949), Târgu-Mureş (1950) und Cluj-Napoca (1955). In deren Repertoire finden sich Bruckners symphonische Werke. Die Messe in f‑Moll wurde am 13.5.1994 unter der Leitung des österreichischen Dirigenten Herwig Reiter (* 1941) vom Cluj Philharmonic Orchestra, das sämtliche Bruckner-Symphonien im Repertoire hat, präsentiert, am 9.3.2007 leitete der Niederländer Jan Stulen (* 1942) das Te Deum. Bereits am 23.3.1957 wurde die Vierte Symphonie, geleitet von Henry Sebing (1912–2000), aufgeführt.
Alle Symphonien Bruckners erklangen unter der Leitung von Cristian Mandeal (* 1946): die Erste 1985 und 1986, die Zweite 1984, die Dritte 1983, die Vierte 1984 und 1989, die Fünfte 1989, die Sechste 1987, die Siebente 1985, die Achte 1986 und 1987 und die Neunte 1988. Die Dritte Symphonie wurde auch von folgenden Dirigenten interpretiert: Remus Georgescu ([* 1932]; 1977), Kurt Wöss (1979, Fassung 1873) und Christoph Rehli (2007). Die Vierte, am besten bekannt und am häufigsten gespielt, wurde auch von Erich Bergel ([1930–1998]; 1970), Emil Ceakarov (1977), Walter Hügler (1979), Jovan Šajnović (1992), Horst Gehann (1993), Herbert Kapfer (1994) und Itay Talgam (1997) geleitet. Die Fünfte Symphonie wurde in Cluj unter der Leitung von Paul Popescu (1964), Bergel (1966) und Jochen Wehner (2008) aufgeführt. Die Sechste dirigierte Nicolae Moldoveanu (2002), die Siebente der US-Amerikaner Adrian Sunshine (1973) und die Achte Bergel (1970).
Im Repertoire des Sibiu Philharmonic Orchestra sind die ersten sechs Symphonien zu finden: die Erste, Vierte und Fünfte zwischen 1957 und 1965, die Zweite, Dritte und Vierte beginnend mit der Saison 2005. Die Vierte war die erste, die unter Henry Selbing (1912–2000) am 22.5.1957 gespielt wurde. Das Târgu-Mureş Philharmonic Orchestra präsentierte die Dritte unter K. Wöss am 25. und 26.11.1979. Sein Repertoire enthält auch die Zweite, die Vierte und die Sechste Symphonie sowie das Te Deum. Seit 1999 spielt das Oradea Philharmonic Orchestra die Dritte, Vierte und Siebente Symphonie.
Fast alle symphonischen und vokal-symphonischen Werke (außer der Zweiten) sowie das Requiem (1996) wurden vom George Enescu Philharmonic Orchestra in Iaşi aufgeführt: die Vierte (1968) und die Dritte (Fassung 1873) unter K. Wöss am 30.11.1979. Außerdem bringt es regelmäßig Bruckner-Werke zur Aufführung. Erwähnt sei hier eine Auswahl der Konzertprogramme der letzten Jahre: die Dritte, die Vierte, die Neunte Symphonie und die Motetten (2007/08), das Te Deum und die Erste Symphonie (2008/09).
Cristian Mandeal spielte mit dem Cluj-Napoca Philharmonischen Orchester eine Gesamtaufnahme aller Symphonien Bruckners ein. Anfang der 1970er Jahre fand ein Mozart–Bruckner-Festival mit der Achten Symphonie und ein Enescu–Bruckner-Festival mit dem 1. Satz der Fünften, dem Adagio der Siebenten und der Neunten Symphonie unter Bergel statt. Gheorghe Zamfir (* 1941) bearbeitete den 3. Satz der Achten Symphonie für Panflöte; eine Einspielung auf Platte liegt vor (Diskografie, Bearbeitungen).
Die bisher einzige rumänische Bruckner-Monografie stammt von Mihai Moroianu (Bukarest 1972). George Bălan (* 1929) publizierte über Bruckner und gründete 1979 in Südbayern eine Musicosophia-Schule mit dem Namen „Brucknerianum“.
Literatur
- George Bălan, Transcendentalul Bruckner [The Transcendental Bruckner], in: Noi şi clasiic [We and the Classica]. Bukarest 1967, S. 244–253
- Mihai Moroianu, Anton Bruckner. Bukarest 1972
- George Bălan, Biruitorul Bruckner [Bruckner the Victorius], in: O istorie a muzicii europene [A History of European Music]. Bukarest 1975, S. 300–307
- Jochen Wehner, Bruckners Fünfte Symphonie in Klausenburg (Cluj-Napoca), in: IBG-MitteilungsblattMitteilungsblatt der Internationalen Bruckner-Gesellschaft. Studien & Berichte. Hg. v. der Internationalen Bruckner-Gesellschaft. Wien 1971ff. Nr. 71 (Dezember 2008), S. 13f.