Schaller, Gerd

* 1.2.1965 Bamberg, Bayern/D. Dirigent.

Nach dem Studium der Musik in Würzburg sowie Medizin (Dr. med.) in Erlangen-Nürnberg wirkte Schaller als Dirigent an den Opernhäusern in Hannover (ab 1993), Braunschweig (ab 1998 erster Kapellmeister) und Magdeburg (ab 2003 Generalmusikdirektor). Neben großen Erfolgen mit deutschem wie italienischem Repertoire mit Opern von Richard Wagner, Richard Strauss und Giuseppe Verdi (1813–1901) widmet sich Schaller vor allem der Wiederentdeckung zu Unrecht vergessener Werke. Seine Ersteinspielung der Oper Merlin von Karl Goldmark wurde für die herausragende Interpretation und Produktion 2009 mit dem ECHO-Klassik-Musikpreis ausgezeichnet. Zudem hat sich Schaller, der seit 2006 freischaffend mit diversen europäischen Orchestern und Musikern arbeitet, einen hervorragenden Namen als Dirigent eines beachtlichen Konzertrepertoires vom Barock bis zur Neuzeit erworben. Im Rahmen des von ihm 1990 gegründeten fränkischen Musikfestes Ebracher Musiksommer präsentierte er mit seinem 2008 erstmals zusammengestellten Festivalorchester Philharmonie Festiva einen Beethoven-Zyklus der Dritten bis Achten Symphonie (ab 2013), indem er die räumlich-akustischen Gegebenheiten des Ebracher Marmorsaales wie auch adäquate Besetzungsstrategien nutzte, um das Hörerlebnis der Aufführungen in den Palais der Wiener Aristokratie zu Ludwig van Beethovens Zeit möglichst authentisch wiederzugeben.

Zentrale Bedeutung in Schallers umfassender Interpretationskunst hat seit 2008 neben außerordentlichen Aufführungen wie Johann Herbecks Messe in e‑Moll, Franz von Suppés (1819–1895) Requiem in d‑Moll oder Otto Kitzlers Trauermusik „Dem Andenken Bruckners“ (Hommagen und Widmungen an Bruckner) die intensive Auseinandersetzung mit den großen orchestralen und kirchenmusikalischen Werken Bruckners. Bis 2013 spielte Schaller einen Zyklus mit der Ersten bis Neunten Symphonie Bruckners in der Abteikirche des ehemaligen Zisterzienserklosters Ebrach (sowie dem Regentenbau in Bad Kissingen) ein. Dabei stellte er mehrfach auf Basis neuer Editionen bislang unbekanntes Partiturmaterial vor: die Neunte mit der Finale-Komplettierung von William Carragan, die Dritte in der Revisionsfassung von 1874, die Achte im Überarbeitungsstatus von 1888 und die Vierte in ihrem Revisionsstand von 1878 („Volksfestfassung“). 2015 komplettierte Schaller anlässlich des 25‑jährigen Jubiläums des Ebracher Musiksommers den Bruckner-Zyklus durch Einspielungen der sehr selten aufgeführten frühen Symphonie in d‑Moll („Annullierte“) und Symphonie in f-Moll („Studiensymphonie“) im Rahmen einer Bruckner-Trilogie, die außerdem mit der Präsentation des nahezu in Vergessenheit geratenen Psalms 146 und der Messe in f-Moll weit über Franken hinaus für Furore sorgte. Schaller ergänzte den 4. Satz der Neunten anhand überlieferter Entwürfe und Skizzen; diese Vervollständigung erklang erstmals am 24.7.2016 im Rahmen des Ebracher Musiksommers.

Schallers Einspielungen der Bruckner-Symphonien erhielten neben diversen Auszeichnungen eine Fülle an hervorragenden Rezensionen. Zusätzlich zu den in Zusammenarbeit mit den Kooperationspartnern Bayerischer Rundfunk und dem international renommierten Label Profil Edition Hänssler entstandenen CD-Aufnahmen, gibt es auch Rundfunkmitschnitte und TV-Produktionen der Konzerte. Seit September 2018 ist Schallers Bearbeitung des Streichquintetts in F-Dur für großes Orchester auf CD (PH16036) erhältlich.

Literatur

RAINER BOSS

Zuletzt inhaltlich bearbeitet: 8.4.2019

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Normdaten (GND)

Schaller, Gerd: 135435455

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ACDH, Abteilung Musikwissenschaft