Köln
Stadt im deutschen Bundesland Nordrhein-Westfalen, beiderseits des Rheins in der Kölner Bucht gelegen. 1388 Gründung der Universität, 1475 freie Reichsstadt, traditionsreicher Handelsplatz, im Zweiten Weltkrieg stark zerstört. 1885: ca. 240.000, 2019: ca. 1,08 Mio. EW.
Mit der 30 Jahre andauernden Tätigkeit Ferdinand Hillers (1811–1885) war Köln zur rheinischen Musikmetropole aufgestiegen, die mit dem ab 1857 bestehenden Konzertsaal im Gürzenich auch ein repräsentatives Konzerthaus besaß. Da Hiller eine (noch vor der Wiener Uraufführung am 20.2.1881 angebotene) Aufführung der Vierten Symphonie als nicht passend abgelehnt hatte, erklang erst am 8.4.1885 mit der Aufführung der ersten drei Sätze des Streichquintetts in F-Dur durch das Quartett Heckmann – Robert Heckmann (1848–1891), Theodor Allekotte, Richard Bellmann, Otto Forberg (1862–?) – ein Werk Bruckners in Köln. Die Anregung dazu kam vom Journalisten Hans Kleser (1850–1901), der 1877 in Wien erstmals eine Symphonie Bruckners gehört hatte. Angesichts der Erfolge der Siebenten Symphonie in Leipzig und München führte Franz Wüllner (1832–1902; seit 1884 als Nachfolger Hillers Leiter der Gürzenich-Konzerte) dieses Werk am 7.1.1886 in Köln auf. Daraufhin veröffentlichte Kleser in der Kölner Neuen Musik-Zeitung den ersten größeren Aufsatz über Leben und Werk Bruckners in einer deutschen Zeitung. Am 14.11.1886 folgte die Aufführung des Germanenzugs durch den Kölner Männer-Gesang-Verein und 1887 wieder die Siebente Symphonie. Nach längerer Pause erklang dann erst 1905 mit der Fünften Symphonie wieder ein Werk Bruckners in Köln. Der Musikkritiker Anton Stehle (1870–1932) setzte sich ab 1910 vehement für Bruckner ein. Unter Hermann Abendroth als Generalmusikdirektor (1927–1934) folgten, auch beim Niederrheinischen Musikfest, u. a. der Psalm 150 (1915), die Achte Symphonie (1920), die Messe in e‑Moll und die Dritte (1921), die Vierte Symphonie (1930), die Messe in d‑Moll (1934) sowie die Messe in f‑Moll (1936). 1939–1941 wurden in Köln die Achte, die Sechste und die Neunte Symphonie in ihren „Urfassungen“ (Fassungen) gespielt. Günter Wand (1945–1974 Generalmusikdirektor) leitete einen Bruckner-Zyklus und nahm nach 1974 mit dem WDR-Sinfonieorchester eine vielbeachtete Gesamteinspielung der Symphonien Bruckners auf Schallplatte auf. Seit 1986 steht mit der Kölner Philharmonie ein geeigneter Konzertsaal zur Verfügung.
Literatur
- Hans Nelsbach, Ein Bruckner-Freund in Köln [unbezeichneter Zeitungsausschnitt], in: Historisches Archiv der Stadt Köln Best. 1010, Bd. 8, Bl. 474
- Hermann Unger (Hg.), Festbuch zur Hundertjahrfeier der Concert-Gesellschaft in Köln 1827–1927. [Köln 1927]
- Göll.-A.August Göllerich/Max Auer, Anton Bruckner. Ein Lebens- und Schaffensbild (Deutsche Musikbücherei 36–39). 4 Bde. (in 9 Teilbänden [1, 2/1–2, 3/1–2, 4/1–4]). Regensburg 1922–1937, unveränd. Nachdruck 1974 4/2, S. 304ff., 390–394
- Heinrich Lemacher (Hg.), 125 Jahre Gürzenichchor Köln. Chronik der Jahre 1927–1952. Köln 1953
- Hans Joachim Zingel, Das Kölner Gürzenichorchester. Werden und Sein. Köln 1963
- Bruckner. Musik und LebenLeopold Nowak, Anton Bruckner. Musik und Leben. Linz 1973, S. 223, 230, 232