Ungarn (Rezeption)

Bruckner reiste im August 1865 nach Budapest, um die Uraufführung des Oratoriums Die Legende von der heiligen Elisabeth von Franz Liszt zu erleben. In den folgenden Jahren gab es immer wieder Pläne, Symphonien Bruckners aufzuführen, dies scheiterte aber meist an den fehlenden finanziellen Mitteln. Die Siebente Symphonie erklang in Ungarn zum ersten Mal am 4.4.1887, gespielt vom Orchester der Budapester Philharmonischen Gesellschaft unter der Leitung von Sándor Erkel (1846–1900). In seinen Budapester Konzerten bot das Orchester bis zum Jahr 1943 16 weitere Male Kompositionen Bruckners, geleitet von Ferdinand Löwe (Fünfte 1895), István Kerner ([1867–1929], Vierte 1904, Scherzo der Neunten 1907, Sechste 1909, Fünfte 1912, Neunte 1917), Ernst von Dohnányi ([1877–1960], Siebente 1920, 1927 und 1938, Neunte 1926 und 1943, Te Deum 1929, Dritte 1936, Fünfte 1938), Clemens Krauss und Robert Heger (Neunte 1927).

Zwischen 1987 und 2007 führten János Kovács ([* 1951], Vierte 1987), Eliahu Inbal (Dritte 1989, Siebente 2007), Erich Bergel ([1930–1998], Achte 1990, Vierte 1991, Siebente 1992) und Franz Kramer (Dritte 1995) Werke Bruckners in Ungarn auf.

Das Nationale Philharmonische Orchester (vorher Staatliches Konzertorchester) spielte laut einem seit 1981 geführten Verzeichnis Werke Bruckners unter der Leitung von Lamberto Gardelli ([1915–1998], Achte 1988, Siebente 1991), János Kulka ([1929–2001], Siebente 1989), J. Kovács (Siebente 1991, Neunte 2002, Vierte 2005), Ervin Lukács ([1928–2011], Te Deum 1991, Vierte 1993), Aldo Ceccato ([* 1934], Vierte 1996), Zoltán Kocsis ([1952–2016], Siebente 2001, Achte 2004), Leopold Hager ([* 1935], Sechste 2005), Martin Haselböck ([* 1954], Erste 2007), Stanisław Skrowaczewski (Siebente 2008) und Heinrich Schiff ([1951–2016], Siebente 2010). Mitglieder des Orchesters führten im Jahre 2007 das Streichquintett in F‑Dur auf.

Der Chefdirigent des Budapesti Fesztiválzenekar (Budapest Festival Orchester), Iván Fischer (* 1951), setzt Bruckners Werke mit Vorliebe auf das Programm. Neben Aufführungen in Ungarn leitete er Bruckner-Werke auch auf mehreren internationalen Tourneen. Seit der Gründung des Orchesters im Jahre 1983 dirigierten Z. Kocsis (Achte 1995), I. Fischer (Symphonie in d‑Moll und Dritte 1999, Fünfte 2005, Neunte 2006, Siebente 2008) und Marek Janowski (Vierte 1994) Bruckner-Werke.

Im Ungarischen Rundfunk erklangen 1973–1986 beinahe alle Symphonien Bruckners (ausgenommen die „annullierte“ Symphonie in d‑Moll und die Erste Symphonie) sowie sein Te Deum in populärwissenschaftlichen Rundfunkvorträgen, welche dann auch in der Reihe Musikstück der Woche in gedruckter Form erschienen.

Die Richard Wagner-Gesellschaft von Ungarn (Richard Wagner) organisierte 1996 in Budapest eine Bruckner-Ausstellung zum 100. Todestag des Komponisten. Die Zeitschrift Muzsika veröffentlichte 2001 ein Interview mit dem Bruckner-Forscher William Carragan, der sich mit Problemen der verschiedenen Fassungen und Ausgaben (Gesamtausgaben), mit Missverständnissen im Zusammenhang mit Bruckner sowie mit Interpretationsfragen von Bruckners Werk befasst.

Literatur

GERGELY LOCH

Zuletzt inhaltlich bearbeitet: 21.9.2020

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ACDH, Abteilung Musikwissenschaft